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Kommunikation mit Azubis: Das A und O der Ausbildung

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Kommunikation mit Azubis

Alle Jahre wieder – beginnen Zehntausende Azubis ihre Arbeit in einem Betrieb. Nach mehreren Jahren Schule müssen sie sich erst auf die neue Lebenssituation einstellen und sich an die geltenden Regeln im Ausbildungsbetrieb gewöhnen. Nicht selten führt dieser Umstand zu Missverständnissen und Problemen, denen Sie als Ausbilder jedoch bereits im Voraus gezielt entgegenwirken können. Um Ihrem Azubi eine gute Ausbildung zu ermöglichen und ihn zu motivieren, ist Kommunikation das A und O. In diesem Artikel lesen Sie, was Sie bei der Kommunikation mit Azubis beachten sollten.

Grundlagen der Kommunikation: Mit Azubis kommunizieren

In jeder Lebenssituation ist die offene Kommunikation das wohl wichtigste Mittel, um Missverständnissen und Konflikten vorzubeugen – so auch in einer guten Ausbildung. Halten Sie sich also immer vor Augen, dass auch gegenüber Ihrem Azubi nicht nur das zählt, was gesagt wird, sondern auch wie es gesagt wird. Versuchen Sie also, Ihr Anliegen klar aber auch respektvoll zu übermitteln. Denn schließlich ist der Azubi eine wichtige Arbeitskraft und ein Teil vom Unternehmen.

Nach dem berühmten Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Schulz von Thun muss eine Aussage immer auf vier Aspekte hin untersucht werden. Diese sind:

  1. Sache („Was?“)
  2. Apell („Wozu?“)
  3. Beziehung („Wie?“)
  4. Selbstoffenbarung („Das gebe ich von mir kund!“)

Eine Aussage hat also zunächst immer einen Sachinhalt. Das heißt, mit einer bestimmten Nachricht möchten Sie als Ausbilder eine bestimmte Botschaft übermitteln und Ihren Azubi informieren. Diese Nachricht sollten Sie daher möglichst klar und deutlich formulieren.

Außerdem hat jede Aussage auch einen Grund bzw. verfolgt ein Ziel, mit dem der Ausbilder seinen Azubi zu einer bestimmten Handlung veranlassen möchte. Obwohl dieser Teil der Kommunikation den vielleicht wichtigsten Punkt darstellt, wird ein Apell oft nur indirekt ausgedrückt und kommt somit oftmals nicht richtig beim Empfänger, sprich Ihrem Auszubildenden, an. Dies fördert Missverständnisse und Konflikte. Auch hier ist eine offene, direkte und gleichzeitig respektvolle Übermittlung Ihrer Botschaft äußerst wichtig.

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun: Vier-Ohren-Modell

Auch die Frage nach der Art der Kommunikation schwingt lediglich zwischen den Zeilen mit. Die Art und Weise, wie Sie mit Ihren Azubis kommunizieren, übermittelt Ihre Erwartungen, Einstellungen und Gefühle. Seien Sie hier besonders vorsichtig und achten Sie auf Ihren Tonfall sowie auf Mimik und Gestik. Übrigens: Auch Ihre Körperhaltung kann Signale übermitteln!

Im Bereich der Selbstoffenbarung werden schließlich durch die Art und den Inhalt des Gesagten viele Dinge über Sie als Ausbilder selbst offenbart. Sind Sie gelassen und nachsichtig, werden Ihre Worte und Tonfälle dies widerspiegeln – genauso, wenn Sie aufgebracht und wütend sind.

Übrigens: Die gleichen vier Aspekte wirken umgekehrt im gleichen Maße beim Empfänger! Das heißt, auch Ihr Azubi wird Ihre gemachte Aussage nach diesem Schema untergliedern und kann sie so nach dem sogenannten „Vier-Ohren-Modell“ jeweils unterschiedlich auffassen („Sachohr“, „Apellohr“, „Beziehungsohr“, „Selbstoffenbarungsohr“). Die zwischenmenschliche Kommunikation ist also grundsätzlich äußerst komplex und durchaus anfällig für Missverständnisse.

Wie fördert man den engen Kontakt mit Kommunikation bei Azubis?

Wie kann man eine solche für Missverständnisse anfällige Kommunikation in der Ausbildung nun möglichst erfolgreich gestalten? Auf keinen Fall sollten Sie als Ausbilder denken, Sie könnten Konflikte vermeiden, wenn Sie den vermeintlich sicheren Weg gehen und die Kommunikation mit Ihrem Azubi auf das Allerwichtigste beschränken. Denn mangelnde Kommunikation führt letzten Endes erst recht zu Ärger und Problemen.

Stattdessen sollten Sie versuchen, einen möglichst engen Kontakt mit Ihrem Auszubildenden herzustellen. Zum einen müssen Sie natürlich als fachlicher Betreuer in betrieblichen Belangen für Ihren Schützling da sein, denn nur so wird er sich möglichst rasch in den Betrieb integrieren und im Betriebsablauf Fuß fassen. Ein fester Betreuer während der gesamten Ausbildung kann diese Kommunikation fördern.

Daneben sollten Sie den Auszubildenden aber auch bei persönlichen Belangen unterstützen. Beobachten Sie ihn und seine Arbeit und versuchen Sie, seine individuellen Begabungen und Interessen zu erkennen und zu fördern. Nur so können Sie sicherstellen, dass Ihr Azubi Ihnen vertraut und sich auch bei Problemen an Sie wendet. Er wird es Ihnen mit gesteigerter Motivation und Leistung danken.

Wie verhindert man Konflikte mit: Augen auf von Unternehmern

Durch einen engen Kontakt geht dieser Punkt unmittelbar einher? Nicht ganz. Denn eine feine Beobachtungsgabe des Ausbilders heißt viel mehr als nur engen Kontakt zu pflegen. Viele Konflikte entstehen durch Unzuverlässigkeit seitens des Azubis, schlechte Leistungen in der Berufsschule oder Nachlässigkeit beim Führen des Berichtsheftes. Hier kann der Ausbilder eine Menge bewirken:

  • Regelmäßigkeit: Kontrollieren Sie das Berichtsheft, welches als Ausbildungsnachweis dient und andere schriftliche Leistungen regelmäßig – zu Beginn wöchentlich, später im 2-Wochen-Rhythmus. Das fördert die Sorgfalt und schafft Ihnen einen Einblick in die Arbeit des Azubis.
  • Konsequenz: Wenn der Azubi unpünktlich oder unzuverlässig ist, machen Sie ihm das deutlich und fordern Sie im Ernstfall auch Konsequenzen. Nur so lernt der Azubi Verantwortung. Bleiben Sie dabei respektvoll.
  • Vertrauen: Zeigt ihr Azubi mangelhafte Leistungen in der Berufsschule oder im Betrieb, sprechen Sie offen, aber bestimmt mit ihm und versuchen Sie, die Gründe herauszufinden. Das motiviert und schafft Vertrauen!
  • Partnerschaftlichkeit: Sehen Sie Ihren Azubi als das, was er ist: Ein Arbeitnehmer, der für Ihren Betrieb arbeitet und noch viel lernen wird. Behandeln Sie ihn als Ihren Partner, dem Sie helfend zur Seite stehen, wenn es Probleme gibt.
  • Individualität: Beobachten Sie den Auszubildenden und erkennen Sie frühzeitig seine Begabungen und Neigungen. Daran können Sie gezielt arbeiten und diese fördern. So werden Sie einen Arbeitnehmer heranwachsen sehen, der motiviert seiner Tätigkeit nachkommt und Ihrem Betrieb mit seinem ganz individuellen Können von großem Nutzen sein wird.

Azubis helfen Azubis: Wie ältere Auszubildende helfen können

Eine andere Möglichkeit, neue Azubis in Ihrem Betrieb zu integrieren und Ihnen möglichst rasch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu geben, sind ältere Auszubildende. Diese haben das gleiche Stadium der Neulinge bereits durchlaufen und können mit Ihrem Wissen und ihren Erfahrungen ein wertvoller Unterstützer der jungen Azubis sein. Oftmals haben sie deshalb einen ganz anderen Zugang zu den Neuen, als es ein Ausbilder jemals haben könnte. Nutzen Sie dieses Potenzial!

Doch auch wenn Sie ältere Azubis für eine solche Unternehmung gewinnen können, ändert das nichts an der Relevanz der Kommunikation zwischen Auszubildenden und Ausbilder. Halten Sie engen Kontakt und kommunizieren Sie offen und respektvoll mit Ihrem Schützling. Seien Sie ihm ein vertrauensvoller Ansprechpartner in allen Belangen der betrieblichen und persönlichen Zusammenarbeit. Nicht nur der Azubi, sondern auch Sie und der gesamte Betrieb werden davon profitieren.

Autor: Redaktion Personalwissen

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