• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Aufgaben, Rechte, Wahlen Alle Fragen und Antworten zur Jugend- und Auszubildendenvertretung

© Personalwissen
Auszubildendenvertretung

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung vertritt die Rechte und Interessen aller jungen Arbeitnehmer in einem Betrieb gegenüber dem Arbeitgeber. Sie arbeitet eng mit dem Betriebsrat zusammen, kann Anträge stellen und hat eine Überwachungsfunktion. JAV-Mitglieder genießen zudem einen besonderen Kündigungsschutz. In diesem Artikel erhalten Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Jugend- und Auszubildendenvertretung.

In welchen Betrieben sieht der Gesetzgeber eine Jugend- und Auszubildendenvertretung vor?

Eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) wird gemäß § 60 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) in Betrieb gewählt, die mindestens fünf Arbeitnehmer haben, …

  • die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben (jugendliche Arbeitnehmer) oder
  • die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigt sind und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Voraussetzung ist, dass bereits ein Betriebsrat besteht. Zur Berufsausbildung beschäftigt sind nicht nur Auszubildende, sondern beispielsweise auch Pflichtpraktikanten, Werkstudenten, Volontäre und Umschüler.

Welche Aufgaben hat die Jugend- und Auszubildendenvertretung?

Die wesentlichen Aufgaben der Jugend- und Auszubildendenvertretung sind laut § 70 BetrVG:

  1. Maßnahmen, die Jugendlichen und Auszubildenden dienen, insbesondere in Fragen der Berufsbildung, beim Betriebsrat beantragen.
  2. Maßnahmen zur Durchsetzung der tatsächlichen Gleichstellung von Jugendlichen und Auszubildenden beim Betriebsrat beantragen.
  3. Überwachung der Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen zugunsten von Jugendlichen und Auszubildenden.
  4. Anregungen der Jugendlichen und Auszubildenden entgegennehmen und beim Betriebsrat auf Erledigung derer hinwirken sowie die Betroffenen über den Stand und das Ergebnis der Verhandlungen informieren.
  5. Integrationsförderung von ausländischen Jugendlichen und Auszubildenden.

Die JAV kümmert sich also um alle Belange von Jugendlichen und Auszubildenden im Betrieb und ist als Interessenvertretung ihr erster Ansprechpartner. Zudem hat sie eine Überwachungsfunktion und achtete in dessen Rahmen beispielsweise auf die Einhaltung des Berufsbildungsgesetzes und des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Wie viele Mitglieder muss die Jugend- und Auszubildendenvertretung umfassen?

Gemäß § 62 Abs. 1 BetrVG besteht die Jugend- und Auszubildendenvertretung in Betrieben mit in der Regel …

  • 5 bis 20 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus einer Person,
  • 21 bis 50 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 3 Mitgliedern,
  • 51 bis 150 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 5 Mitgliedern,
  • 151 bis 300 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 7 Mitgliedern,
  • 301 bis 500 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 9 Mitgliedern,
  • 501 bis 700 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 11 Mitgliedern,
  • 701 bis 1.000 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 13 Mitgliedern,
  • mehr als 1.000 Jugendlichen bzw. Auszubildenden aus 15 Mitgliedern.

Das Gesetz sieht vor, dass sich die JAV möglichst aus Vertretern unterschiedlicher Beschäftigungsarten (Jugendlichen, Auszubildenden, Werkstudenten, etc.) zusammensetzen soll (§ 62 Abs. 2 BetrVG). Besteht die Jugend- und Auszubildendenvertretung aus mindestens drei Mitgliedern, so muss das Geschlecht, das in der Minderheit ist, mindestens entsprechend seinem zahlenmäßigen Verhältnis in der JAV vertreten sein (§ 62 Abs. 3 BetrVG).

Darf die Jugend- und Auszubildendenvertretungen Sitzungen abhalten?

Gemäß § 65 Abs. 2 BetrVG kann die Jugend- und Auszubildendenvertretung nach Verständigung des Betriebsrats Sitzungen abhalten. Hieran kann ein Vertreter des Betriebsrats teilnehmen. Die Sitzungen können während der Arbeitszeit abgehalten werden. Bis zu vier Mal im Jahr kann die JAV eine Versammlung aller Wahlberechtigten einberufen (adäquat zur Betriebsversammlung des Betriebsrats).

Zudem hat die JAV gemäß § 67 Abs. 1 BetrVG das Recht, zu allen Betriebsratssitzungen einen Vertreter zu entsenden. Wenn in den Betriebsratssitzungen Angelegenheiten behandelt werden, die Jugendliche und Auszubildende betreffen, hat sogar die gesamte Jugend- und Auszubildendenvertretung ein Teilnahmerecht.

Betreffen die zu fassenden Beschlüsse des Betriebsrats überwiegend die Interessensgruppe der JAV, haben ihre Vertreter zudem Stimmrecht (§ 67 Abs. 2 BetrVG). Entsprechende Angelegenheiten kann die JAV auch auf die Tagesordnung der nächsten Betriebsratssitzung setzen lassen (§ 67 Abs. 3 BetrVG).

Außerdem hat der Betriebsrat die JAV zu Besprechungen mit dem Arbeitgeber hinzuzuziehen, sofern darin Angelegenheiten behandelt werden, die die im Unternehmen beschäftigten Jugendlichen und Auszubildenden betreffen (§ 68 BetrVG).

Sprechstunde: Sind in Ihrem Unternehmen mehr als 50 Jugendliche oder Auszubildende beschäftigt, dann kann die Jugend- und Auszubildendenvertretung eine Sprechstunde während der Arbeitszeit einrichten (§ 69 BetrVG). Ort und Zeit sind mit Ihnen und dem Betriebsrat abzustimmen. Ein Betriebsratsmitglied kann an der Sprechstunde beratend teilnehmen.

Kann die Jugend- und Auszubildendenvertretung Beschlüsse des Betriebsrats verhindern?

Sofern die JAV einen Beschluss des Betriebsrats als erhebliche Beeinträchtigung wichtiger Interessen erachtet, kann sie den Beschluss auf Antrag auf die Dauer von einer Woche aussetzen (§ 66 Abs. 1 BetrVG). Innerhalb dieser Frist soll, eventuell mit Unterstützung der im Betriebe vertretenen Gewerkschaften, eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Im Falle einer Bestätigung des Beschlusses kann die Aussetzung nicht wiederholt werden (§ 66 Abs. 2 BetrVG).

Wer darf die Jugend- und Auszubildendenvertretung wählen und wer ist wählbar?

Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder sich noch in der Berufsausbildung befinden und nicht älter als einschließlich 25 Jahre sind (§ 61 Abs. 1 BetrVG). Also alle, die auch berücksichtigt werden, wenn es darum geht, ob eine JAV zu gründen ist.

Wählbar sind sogar alle Arbeitnehmer des Betriebs, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben – unabhängig davon, ob sie noch in Ausbildung sind oder nicht (§ 61 Abs. 2 BetrVG). Überschreitet ein Mitglied der JAV im Laufe seiner Amtszeit das 25 Lebensjahr, bleibt es trotzdem bis zum Ende der Amtszeit Mitglied (§ 64 Abs. 3 BetrVG).

Achtung: Eine Doppelmitgliedschaft im Betriebsrat und in der Jugend- und Auszubildendenvertretung ist nicht möglich.

Wann muss die Jugend- und Auszubildendenvertretung gewählt werden?

Die regelmäßigen Wahlen der Jugend- und Auszubildendenvertretung finden gemäß § 64 Abs. 1 BetrVG alle zwei Jahre in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 30. November statt. Die regelmäßige Amtszeit der JAV beträgt zwei Jahre (§ 64 Abs. 2 BetrVG).

Wer hat die Wahl der Jugend- und Auszubildendenvertretung wie zu organisieren?

Der Betriebsrat muss mindestens acht Wochen vor Ablauf der Amtszeit der Jugend- und Auszubildendenvertretung den Wahlvorstand und seine Vorsitzenden bestellen (§ 63 Abs. 2 BetrVG). Kommt er dieser Pflicht nicht nach, gelten die gleichen Regeln wie beim Betriebsrat. Die JAV wird in geheimer und unmittelbarer Wahl gewählt (§ 63 Abs. 1 BetrVG).

Muss der Arbeitgeber Seminare für die Jugend- und Auszubildendenvertretung bezahlen?

Wie beim Betriebsrat auch, müssen Sie die Kosten für notwendige Seminare der Jugend- und Auszubildendenvertretung übernehmen und in dieser Zeit auch das Entgelt fortzahlen.

Haben Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung einen besonderen Kündigungsschutz?

Wie Betriebsräte auch, sollen Jugend- und Auszubildendenvertreter nicht benachteiligt werden. Um sie vor Repressalien des Arbeitgebers zu schützen, sind sie gemäß § 15 Abs. 1 Kündigungsschutzgesetz nicht ordentlich kündbar. Folglich ist nur eine außerordentliche Kündigung, zum Beispiel als Folge eines schwerwiegenden Fehlverhaltens, möglich.

Damit sich die Tätigkeit der JAV-Mitglieder nicht negativ auf ihre Übernahmechancen auswirkt, müssen Sie Jugend- und Auszubildendenvertreter übernehmen, sofern dieses das innerhalb von drei Monaten vor Ende ihrer Ausbildung beantragen (§ 78a BetrVG).

Gibt es auch Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung und Konzern-Jugend- und Auszubildendenvertretung?

Analog zum Betriebsrat kann in Unternehmen mit mehreren Jugend- und Auszubildendenvertretungen eine Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung errichtet werden (§ 72 BetrVG). Bestehen in einem Konzern mehrere Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretungen, kann durch Beschlüsse der einzelnen Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretungen eine Konzern-Jugend- und Auszubildendenvertretung errichtet werde (§ 73a BetrVG).

Autor: Matthias Koprek

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160