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Jobtickets für Mitarbeiter umsetzen

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Jobtickets

Gerade in Großstädten ist der tägliche Weg zur Arbeit für Millionen von Berufstätige oft eine Herausforderung. Lange Anfahrtszeiten und nicht planbare Verkehrsprobleme gehören zum Alltag der Berufspendler in Deutschland. Laut dem Magazin Pressnetwork.de pendeln täglich mehr als die Hälfte der 33,4 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. 70 Prozent nutzen hierfür das eigene Auto. 15 Prozent nutzen öffentliche Verkehrsmittel, wie Busse oder die Deutsche Bahn für den täglichen Weg zur Arbeit. Ein „Jobticket“ ist dabei bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen beliebt. Als Jobtickets bezeichnet man eine Monats- oder Jahresfahrkarte für öffentliche, regionale oder überregionale Verkehrsmittel oder die Deutsche Bahn.

In der Regel kann das Jobticket nur über den Arbeitgeber erworben werden. Als Unternehmen erhalten Sie Jobtickets in den meisten Fällen, im Vergleich zum Normalpreis, vergünstigt. Überlassen Sie Ihren Arbeitnehmern ein Jobticket, so können Unternehmen und Mitarbeiter Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge sparen. Ihrem Mitarbeiter können Sie das Jobticket unentgeltlich oder verbilligt überlassen.

    Steuerliche Behandlung zum 01.01.2019

    Zum 01.01.2019 gibt es eine Änderung in Bezug auf die Steuerfreiheit eines Jobtickets. Die gesetzliche Grundlage für die steuerliche Behandlung des Jobtickets ist im § 3 Nr. 15 des Einkommensteuergesetzes (EstG) (Gesetz für 2019 noch nicht online) geregelt. Durch die Neuregelung dieses Paragraphen erfolgt die Wiedereinführung der Steuerbegünstigung von zusätzlich, zum ohnehin schon geschuldeten Arbeitslohn gewährten Arbeitgeberleistungen. Die Änderungen betreffen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Linienverkehr. Sie gelten immer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Da Jobtickets abends und am Wochenende die private Nutzung erlauben, hat die Neuregelung des Gesetzes auch eine Auswirkung auf private Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese sind ab Januar 2019 ebenfalls steuerfrei.

    Von einem geldwerten Vorteil ist dann nicht auszugehen, wenn ein Unternehmen seinen Arbeitnehmern das Jobticket, zu dem mit der Deutschen Bahn oder örtlichen Verkehrsbetrieben vereinbarten Preis überlässt und keine weiteren Vergünstigungen einrechnet.

    Steuerliche Behandlung bis 31.12.2018

    Bis Ende 2018 galt: Ein Jobticket kann vom Arbeitgeber nur bis zu einer Obergrenze von 44 Euro monatlich steuerfrei bezuschusst werden. Diese Freigrenze ist im § 8 Absatz 2 Satz 11 des Einkommensteuergesetzes (EstG) festgeschrieben. Diese monatliche Freigrenze durfte nicht überschritten werden, da ansonsten die Kosten das gesamten Jobticket steuerpflichtig wurden. In der Praxis wurde diese Regelung oft zum Problem.

    Da viele Verkehrsbetriebe deutlich günstigere Jahrestickets ausgeben, haben Unternehmen aus Kostengründen die Jahres-Tickets präferiert. Da die monatliche Freigrenze nicht auf den Jahresbeitrag hochgerechnet werden konnte, verfiel jedoch die Steuerfreiheit des Jobtickets. Daher wurden oft die teureren Monatstickets geordert. Hier konnten Unternehmen das Jobticket immerhin bis zu 44 Euro im Monat bezuschussen und einen Steuerspareffekt erzielen.

    Wie Sie ab 2019 mit Jobtickets umgehen

    Zum 01.01.2019 dürfen Sie als Arbeitgeber nun Jobtickets oder auch Fahrausweise für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel komplett steuerfrei bezahlen. Dies gilt auch dann, wenn Sie eine Jahreskarte für Ihren Mitarbeiter erwerben. Dies führt nicht nur zum Abbau von Bürokratie im Unternehmen, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für Arbeitgeber.  Ab 2019 können Sie ihre Mitarbeiter nun auch anderweitig steuerfrei unterstützen, indem Sie die in § 8 Abs. 2 Satz 11 EstG angegebene Obergrenze von 44 Euro monatlich zum Beispiel für folgende Leistungen verwenden:

    • Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge
    • Betriebliche Zuschüsse zur Gesundheitsvorsorge, z.B. für Präventionsmaßnahmen
    • Zuschüsse zur Kinderbetreuung
    • Unentgeltliche oder bezuschusste Mahlzeiten im Betrieb

    Dies eröffnet Unternehmen weitere Spielräume in der Mitarbeitermotivation.

    Da neben den Monatskarten ab sofort auch die Jobticket-Jahreskarten steuerlich begünstigt sind, bedeutet dies für Ihren Mitarbeiter oft eine deutliche Kostenersparnis. Dieses Kostenersparnis greift dann, wenn Sie sich als Unternehmen ab 2019 für die Jahreskarte statt der Monatskarte entscheiden. Die deutlich günstigeren Jahreskarten bedeuten eine Ersparnis beim Jobticket und damit ein Netto-Plus für Ihren Mitarbeiter.

    Tipp: Achten Sie bei der Verbuchung und Gewährung von Jobtickets immer genau auf alle steuerlichen Rahmenbedingungen und Vorschriften. Jobtickets werden gern bei Betriebsprüfungen durch das Finanzamt geprüft, da hier Fehler schnell und einfach feststellbar sind.

    Unterschiedliche Kostenmodelle bei Jobtickets

    Die Deutsche Bahn bietet unterschiedliche Kostenmodelle für ein Jobticket an. Basierend auf der Unternehmensgröße und der Mitarbeiterzahl unterscheidet man bei ein Jobticket zwischen dem Solidarmodell und dem Fakultativmodell.

    Das Jobticket im Solidarmodell

    Bei einem Jobticket im Solidarmodell ist die Grundvoraussetzung, dass für Ihr Unternehmen alle ständig beschäftigten Mitarbeiter veranschlagt werden. Des Weiteren kommen Sie nur in den Genuss des vergünstigten Tickets im Solidarmodell, wenn Sie mindestens 50 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen. Der endgültige Monatspreis für ein Jobticket im Solidarmodell errechnet sich, indem man den Grundpreis des Jobtickets durch die Anzahl der Mitarbeiter teilt, die tatsächlich ein Jobticket für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen.

    Beispiel: Ihr Unternehmen beschäftigt 80 Mitarbeiter am Unternehmenssitz im Stadtgebiet von Köln. Ein Jobticket für den Stadtbereich von Köln erhalten Sie im Solidarmodell zum Grundpreis von 56 Euro pro Person. In Ihrem Unternehmen entscheiden sich von den 80 Beschäftigten jedoch nur 65 Mitarbeiter für ein Jobticket. Dann berechnen sich die Kosten wie folgt:

    80 Mitarbeiter * 56 Euro = 4.480 Euro Monatskosten / 65 Jobticket-Mitarbeiter = 68,92 Euro Monatskosten/Mitarbeiter.

    In diesem Beispiel bezahlen Sie für einen Mitarbeiter monatlich 68,92 Euro für das Monatsticket. Bis Ende 2018 konnten Sie hiervon nur 44 Euro steuerfrei bezuschussen. Ab 01.01.2019 ist es möglich, den vollen Betrag steuerfrei anzusetzen. Ein Jobticket wird dabei persönlich pro Mitarbeiter ausgestellt und ist nicht übertragbar. Werktags ab 19 Uhr und am Wochenende, können Ihre Mitarbeiter einen Erwachsenen und drei Kinder sowie ein Fahrrad kostenlos mit dem Jobticket befördern.

    Das Jobticket im Fakultativmodell

    Das Jobticket im Fakultativmodell ist für alle Unternehmen gedacht, die über weniger als 50 Mitarbeiter verfügen. Der Preis beträgt am Beispiel Köln pro Person 76,60 Euro. Voraussetzung für diesen vergünstigten Preis ist das mindestens 2 Ihrer Mitarbeiter das Jobticket erwerben. Zusätzlich muss Ihr Unternehmen einem Berufsverband angehören, der mindestens 250 Jobtickets abnimmt. Die Nutzungsbedingungen im Fakultativmodell sind äquivalent zu den Bedingungen des Solidarmodells.

    Jobticket in Kleinstbetrieben

    Auch Kleinstbetriebe, die die Bedingungen des Fakultativmodells nicht erfüllen, haben ab Januar 2019 die Möglichkeit ihre Mitarbeiter beim Erwerb eines Jobtickets zu unterstützen. Da das Gesetz nun auch steuerfreie Barzuschüsse erlaubt, können Sie als Unternehmen den Zuschuss direkt an Ihren Mitarbeiter überweisen. Eine Abwicklung über den Verkehrsbetrieb oder die Deutsche Bahn ist daher nicht mehr nötig.

    Für Unternehmen ist es jedoch wichtig, dass Sie die Leistung zusätzlich zum geleisteten Arbeitslohn gewähren. Eine Umwandlung von Teilen des Gehalts des Mitarbeiters in die Finanzierung eines Jobtickets ist nicht möglich und hat keine Steuerfreiheit zur Folge.

    Gehaltsabrechnung und Jobticket

    Zum 01.01.2019 können Sie als Unternehmen die Kosten für ein Jobticket anteilig oder vollständig übernehmen. Der Mitarbeiter erhält entweder über Sie als Unternehmen sein persönliches Jobticket. Auf seiner Gehaltsabrechnung erscheint hierzu eine Buchung des bezuschussten Betrages. Dieser Zuschuss ist steuerfrei. Zahlen Sie dem Arbeitnehmer einen Barzuschuss, so wird dieser auf seiner Gehaltsabrechnung ebenfalls als steuerfreier Bruttozuschuss vermerkt. Für Ihren Mitarbeiter erhöht sich damit das Nettogehalt um den Zuschuss zum Jobticket.

    Entfernungspauschale und Jobticket

    In der Einkommensteuererklärung darf Ihr Mitarbeiter die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte geltend machen. Die gefahrenen Kilometer werden mit 0,30 Euro pro einfachem, gefahrenem Kilometer vergütet. Erhält Ihr Mitarbeiter von Ihnen einen Zuschuss zum Jobticket oder zahlen Sie das Jobticket komplett, so muss er die Zuschüsse von der Entfernungspauschale abziehen.

    Beispiel: Sie zahlen Ihrem Mitarbeiter ab 01.01.2019 50 Euro Zuschuss für ein Jobticket. Dies macht insgesamt 600 Euro im Kalenderjahr. Ihr Mitarbeiter fährt jeden Tag von seiner Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte und legt hierbei 25 Kilometer zurück. Abzüglich Urlaub und Krankheitstagen kann in der Berechnung von 230 Arbeitstagen ausgegangen werden.

    Die Rechnung für die jährlich anzurechnende Entfernungspauschale lautet: 230 Arbeitstage * 25 Kilometer (einfache Fahrt) * 0,30 Euro = 1.725 Euro

    Von dieser Entfernungspauschale muss jetzt noch Ihr steuerfreier Arbeitgeberzuschuss von 600 Euro abgerechnet werden:

    Jährliche Entfernungspauschale: 1.725,00 Euro
    Abzüglich Arbeitgeberzuschuss: 600,00 Euro
    Anzurechnende Entfernungspauschale: 1.125,00 Euro

     

    Bundesratbeschluss

    Mit der zum 01.01.2019 vom Bundesrat beschlossenen Steuerbegünstigung von Jobtickets verfolgt der Gesetzgeber das Ziel, noch mehr Pendlern die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zu ermöglichen. Mit dem Wegfall der 44-Euro-Grenze für die Steuerfreiheit von Jobtickets profitieren jetzt auch kleine Firmen. Selbst Kleinstbetriebe, die vor 2019 die Voraussetzungen für das Jobticket nicht erfüllten, können jetzt Barzuschüsse auszahlen und Mitarbeiter bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterstützen.

    Durch das Gesetz ergeben sich weitere Spielräume, den § 8 Absatz 2 Satz 11 des Einkommensteuergesetzes auszunutzen und Mitarbeitern steuerfreie Zuschüsse zu Gesundheitsangeboten oder zur Kinderbetreuung zu ermöglichen. Gleichzeitig verspricht sich der Gesetzgeber mit der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs auch eine Schonung der Ressourcen und schont die Umwelt.

    Insgesamt stellt die neue gesetzliche Regelung einen Hebel dar, Mitarbeiter zu fördern, Steuern und Sozialabgaben zu sparen und die Natur und die Verkehrswege zu schonen. Im Unternehmen sorgt es für Bürokratieabbau und mehr Motivation der Beschäftigten durch weitere Steuervergünstigungen.

    Autor: Torsten Niermann

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