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Humankapitaltheorie: Was genau sagt sie aus?

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Humankapital, Humankapitaltheorie

Die Grundlagen, für die Humankapitaltheorie (eng. Human Capital Theory) legte bereits im 18. Jahrhundert der schottische Philosoph Adam Smith. Sie wurden von verschiedenen Gesellschaftswissenschaftlern und Ökonomen weiterentwickelt. Dazu gehörten beispielsweise Robert Solow, Gary Becker und Theodore Schultz.

Die wichtigste Aussage, der Humankapitaltheorie ist, dass ein Zusammenhang zwischen der Bildung und der Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft besteht. Zudem gab Adam Smith an, dass Weiterbildungen der Mitarbeiter auf die Produktionskapazitäten ähnlich wie der Einsatz neuer Maschinen wirken. Das heißt, das „menschliche Kapital“ in Form von Wissen steigert die Effizienz.

Die menschliche Entwicklung in der Humankapitaltheorie von Smith

Adam Smith berücksichtigte bei seiner Theorie lediglich die Auswirkungen von Fachkenntnissen. Die Geschichte der Fachkenntnisse reicht bis zur Arbeitsteilung in der Zeit der Jäger und Sammler zurück. Beispielsweise zeigten sich verstärkte Konsequenzen des Erwerbs von Fachkenntnissen in der Phase der Entwicklung der verschiedenen Handwerksberufe. Dementsprechend veränderte sich somit der Wert der in einem Produkt steckenden Arbeit.

Die Veränderung bekam einen weiteren Schub mit der voranschreitenden Industrialisierung. Sie führte dazu, dass in den Produktwert (und Produktpreis) neben der Arbeitsleistung und den Materialwert auch ein Kapitalwert einfloss. Dadurch reduzierte sich der Einfluss des menschlichen Wissenskapitals auf die Preisbildung. Zugleich steigerte sich die Zahl der Beteiligten, welche am Erlös aus dem Verkauf eines Produktes partizipierten. Dazu gehörten nicht mehr länger nur die Materiallieferanten und die Arbeiter. Hinzu kamen diejenigen, die das Kapital für die Maschinen und Anlagen lieferten. Auf diese Weise entstanden die Arbeitgeber.

Wo sah Adam Smith Gefahren für das „menschliche Kapital“

Darüber hinaus veränderte sich mit der Arbeitsteilung der Erwerb von Wissen. Vor allem Abkömmlinge aus niederen sozialen Schichten blieb der Zugang zur umfassenden Bildung verwehrt. Ein Extrembeispiel waren die Sklaven. Ihnen wurden nur die Fähigkeiten beigebracht, welche sie für die unmittelbare Ausübung ihrer Arbeit benötigten.

Adam Smith forderte deshalb die Erweiterung der staatlich finanzierten Bildung, um ein breites Allgemeinwissen für jedermann zugänglich zu machen. Damit wollte er eine Möglichkeit des Aufstiegs der Kinder aus armen Familien in höhere soziale Schichten ermöglichen. Dazu stellte er die Theorie auf, dass mit einer besseren Bildung ein höheres Einkommen erzielbar ist. Dieser Part der Humankapitaltheorie hat auch heute noch im vollen Umfang Bestand.

Welche Rolle spielen die Theorien von Theodore W. Schultz?

Der amerikanische Ökonom Theodore W. Schultz bestätigte die Thesen von Adam Smith im 20. Jahrhundert. Er nahm die Entwicklungen von Japan und Deutschland nach dem II. Weltkrieg genauer unter die Lupe. Dabei wollte er wissen, warum diese beiden Länder im Vergleich zu anderen Industrienationen die Folgen des Kriegs schneller bewältigen konnten. Seine Schlussfolgerung war, dass das Bildungswesen bei der Entwicklung der gesamten Wirtschaftskraft eine wichtige Rolle spielte. Sie findet sich beispielsweise in seinem Werk „The Economic Value of Education”. Dieses Werk wurde im Jahr 1963 in der Columbia University Press veröffentlicht. Für seine Forschungen erhielt Theodore W. Schultz 1979 einen Nobelpreis.

Welchen Beitrag lieferte Robert M. Solow?

Auch Robert M. Solow zählt sich zu den forschenden Wirtschaftsökonomen der USA. Er studierte an der Harvard University und arbeitete an der Columbia University und dem Massachusetts Institute of Technology. Sein bedeutendstes Werk ist das „Solow-Modell“, welches die Humankapitaltheorie ebenfalls in vollem Umfang bestätigt. Das Modell stellte er bereits im Jahr 1956 im Artikel „A Contribution oft he Theory of Economic Growth“ vor.

Ein Jahr später verifizierte er das „Solow-Modell“ durch Untersuchungen der Entwicklung der US-Wirtschaft. Die Grundaussage lautet, dass der technische Fortschritt der Kernfaktor der wirtschaftlichen Entwicklung ist. Er ist wiederum nicht ohne Bildung und Wissen möglich. Der technische Fortschritt hat nach den Erhebungen von Robert M. Solow unmittelbare Auswirkungen auf den Wohlstand einer Gesellschaft. Damit hat der amerikanische Ökonom bewiesen, wieso die Theorien von Adam Smith auch heute noch gelten.

Gary Becker betrachtete die Auswirkungen der Soft Skills

Alle bisher genannten Ökonomen beschäftigten sich ausschließlich mit den Auswirkungen der Allgemeinbildung und der Fachkenntnisse auf den Wohlstand. Gary Becker fügte die Konsequenzen der Soft Kills der Humankapitaltheorie hinzu. Außerdem erkannte er die positiven Folgen von Belohnungssystemen, die der Mitarbeitermotivation dienten. Diese fasste er als „Rotten-Kid-Theorem“ in einem 1974 im Journal of Political Economy erschienenen Fachartikel zusammen.

Diese Theorie besagt, dass auch ein egoistisches Familienmitglied durch regelmäßige Belohnung zu einem Beitrag zur Erhöhung des gesamten Haushaltseinkommens motiviert werden kann. Das lässt sich 1 zu 1 auch auf die Arbeitstätigkeit übertragen. Beispiele dafür sind Prämien für gute Qualität, die Normerfüllung oder vorgeschlagene Neuerungen. Unternehmer müssen also Investitionen in ihre Beschäftigten tätigen, um die bestmögliche Leistung zu bekommen.

Welche praktischen Konsequenzen haben all diese Theorien?

In erster Linie ist der Staat selbst gefordert. Er kann durch ein gutes Bildungssystem den Wohlstand des gesamten Landes fördern. Der wichtigste Anspruch ist dabei, dass der Zugang zur Bildung auch Kindern aus einkommensschwachen Familien möglich ist. Das wiederum bedeutet einen kostenfreien Bildungszugang. Eine Motivation zur höchstmöglichen Bildung ergibt sich aus den Einkommenschancen.

Gut qualifizierte Mitarbeiter müssen höhere Löhne als „einfache“ Arbeiter erhalten. Durch den akuten War for Talents, dem Fachkräftemangel in den letzten Jahren ist das in Deutschland aktuell häufig nicht der Fall. Studienabgänger erhalten oftmals niedrigere Gehälter als beispielsweise die Produktionsarbeiter. Damit kann die Humankapitaltheorie derzeit ihre volle Wirkung nicht entfalten. Nach der 2018 veröffentlichten UNICEF-Studie „An Unfair Start – Inequality in Children’s Education in Rich Countries“ hapert es bei vielen Kindern in Deutschland sogar bei den Lesefähigkeiten.

Wie können sich Unternehmen die Humankapitaltheorie nutzbar machen?

Zudem gehören zum „menschlichen Kapital“ das Fachwissen und die sozialen Kompetenzen. Förderungen sind in beiden Bereichen möglich. Das Angebot von innerbetrieblichen Weiterbildungen und die Unterstützung bei der berufsbegleitenden Weiterbildung stellen die Hauptwege dar. Außerdem steigern Investitionen in die Verbesserung der Teamarbeit die Effizienz und damit die Gewinnchancen der Unternehmen.

Die Maßnahmen beginnen bereits beim konsequenten Vorgehen gegen Mobbing. Das betrifft besonders häufig Mitarbeiter mit Inselbegabungen im Zusammenhang mit einigen Erkrankungen. Unternehmer müssen die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die Mitarbeiter ihr volles Wissen und ihre Fähigkeiten optimal in die Arbeitsprozesse einbringen können. Darüber hinaus müssen Firmenchefs und Personalchefs sich der Tatsache stellen, dass die volle Ausschöpfung des „Kapitals Mensch“ Investitionen erfordert. Sie schmälern den Gewinn zwar kurzfristig, aber sie tragen erheblich zu einer dauerhaften Gewinnsteigerung bei. Investitionen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter haben langfristig eine größere Wirkung auf den Wohlstand als Investitionen in die Betriebsausstattung.

Warum gehören die Humanreserven zu den Erfolgsfaktoren?

Vor allem die Innovationsfähigkeit hängt vom Humanvermögen stark ab. Maschinen und Computerprogramme allein können keine neuen Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Dazu sind kreative und erfahrene Bediener erforderlich. Bei der Innovationsfähigkeit ergibt sich also die Notwendigkeit eines Zusammenspiels mehrerer Produktivitätsfaktoren.

Nur wenn das optimal funktioniert, kann das Unternehmen mit neuen Angeboten zusätzliche Kundenkreise erschließen und Bestandskunden halten. Bei der Kundenbindung ist die Human Resource unverzichtbar. Die „eiserne Lady“ (interaktive Telefonmenüs) können nur wenige Probleme eigenständig lösen. Der rund um die Produkte angebotene Support steigt in der Bedeutung. Er ist immer öfter das Kriterium, nach welchem Kunden ihre Händler und Lieferanten auswählen.

Womit kann ein Unternehmen Humankapital aufbauen?

Mit Abstand die größte Verantwortung kommt dabei den Personalbüros zu. Personalchefs bestimmen durch eine optimale Bewerberauswahl über das Humankapital. Sie wählen aus der Schar der Bewerber den Kandidaten, welcher die am besten geeigneten Hard Skills und Soft Skills mitbringt. Das erfordert häufig eine intensive Suche über verschiedene Kanäle. Die Palette reicht von der Meldung freier Stellen an die Jobcenter bis hin zur Nutzung der Social Networks und Karriereportale. Außerdem bietet die Ausbildung von Fachkräftenachwuchs im Unternehmen große Chancen. Hier sollte nicht nur die berufliche Erstausbildung im Mittelpunkt stehen. Auch die gezielte Weiterbildung des vorhandenen Fachpersonals spielt eine wichtige Rolle.

Wie trägt das Human Capital zur Unternehmensentwicklung bei?

Erich Gutenberg bezeichnete das Humankapital als Produktionsfaktor, obwohl eigentlich der Begriff Produktivitätsfaktor zutreffender wäre. Eine der Aufgaben besteht in der Steigerung der Effizienz. Das geschieht durch Verbesserungen der Produktionsprozesse oder durch Materialeinsparungen. In jüngster Zeit spielt auch die Einsparung von Energie eine zunehmende Rolle, weil der Energiebezug immer teurer wird. Dadurch reduzieren sich die Aufwendungen für die Herstellung eines Produkts. Je größer der Beitrag der Belegschaft zu diesen Faktoren ist, desto größer werden die Gewinne eines Unternehmens bei einem gleichbleibenden Verkaufspreis.

Humankapital ist entscheidend bei der Wettbewerbsfähigkeit

Die Innovationsfähigkeit ist eine unverzichtbare Voraussetzung für die dauerhafte Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Das bedeutet, dass das Potenzial der Mitarbeiter ständig für die Verbesserung vorhandener Produkte und die Entwicklung neuer Produkte sorgen muss. Die dafür benötigten Fähigkeiten umfassen nicht nur Fachwissen, sondern es ist ergänzend eine große Portion Kreativität notwendig. Daraus resultiert die Notwendigkeit, beim Faktor Mensch sowohl die Hard Skills als auch die Soft Skills zu berücksichtigen. Diese Aufgabe kommt wiederum den Personalchefs bei der Auswahl geeigneter Mitarbeiter zu.

Wo wirkt sich der Einsatz der Human Resource am deutlichsten aus?

Die oberste Zielstellung ist die Vervielfachung des Humankapitals. Ein Weg dorthin führt über die schnelle Teilung des einmal erworbenen Wissens. In größeren Unternehmen mit Forschungsabteilungen an mehreren Standorten sind deshalb Programme für die zentrale Dokumentenverwaltung ratsam. Mitarbeiter sollten ihre Kenntnisse nicht für sich behalten, sondern diese an andere Teammitglieder weitergeben. Das verhinderte Stockungen und Innovationsstaus, wenn einer der wichtigsten Wissensträger und Leistungsträger längere Zeit ausfällt. Wissensträger sind deshalb in sämtlichen Führungsebenen sowie in der innerbetrieblichen Weiterbildung an besten aufgehoben.

Wie lässt sich das Humankapital aktivieren?

Bei der Aktivierung der Human Ressources kommt den Teamchefs eine große Bedeutung zu. Sie sollten bei der gezielten Förderung herausragender Teammitglieder die gesamtbetrieblichen Aspekte im Auge behalten. Falsche Angst vor einer möglichen Konkurrenz ist hier unangebracht. Teamchefs sind die Partner der Personalabteilungen, denn sie sollten für eine Weiterbildung und eine Beförderung geeignete Kandidaten vorschlagen.

Außerdem helfen Belohnungen für überdurchschnittliche Leistungen bei der Mobilisierung des Humankapitals. Dabei kommen zusätzliche Urlaubstage genauso infrage wie Leistungsprämien und Prämien für Verbesserungsvorschläge oder die Förderung eines berufsbegleitenden Studiums. Der wichtigste Anspruch dabei ist die Wahrung der Gerechtigkeit. Sie erfordert wiederum objektive und für jedermann nachvollziehbare Bewertungssysteme.

Woher können Unternehmen Humanreserven beziehen?

Die Palette der Quellen für Humanreserven ist im 21. Jahrhundert sehr umfangreich. Wenn Sie als Personalchef guten Fachkräftenachwuchs suchen, sollten Sie enge Kooperationen mit Bildungseinrichtungen aller Art eingehen. Stellen Sie das Unternehmen in den 8. und 9. Klassen der allgemeinbildenden Schulen vor! Dort treffen Sie auf das größte Potenzial bei der Suche nach Bewerbern für die von Ihnen ausgeschriebenen Ausbildungsplätze. Nutzen Sie parallel Ausbildungsmessen und Absolventenmessen! Weitere Ansprechpartner sind die Jobcenter und die privaten Arbeitsvermittler. Zu den zusätzlich nutzbaren Quellen für menschliche Reserven gehören die Jobportale und Business Networks im Internet.

Wann macht die temporäre Nutzung externer Ressourcen Sinn?

Einige Humanreserven sind in den Unternehmen nicht durchgängig notwendig. Ein Beispiel dafür ist das Produktionspersonal bei einer nur kurzfristig erfolgenden Steigerung der Produktionskapazitäten. Unternehmen mit einer saisonal schwankenden Auftragslage können sich menschliche Reserven bei Zeitarbeitsfirmen beschaffen. Damit ist kaum Bürokratie verbunden, weil sich die Zeitarbeitsfirma um die Arbeitsverträge, die Lohnbuchhaltung und die Meldungen zur Sozialversicherung kümmert.

Aber auch Freelancer als externe Reserven sind eine interessante Sache. Freiberufler helfen beispielsweise bei der Vorbereitung und Umsetzung einzelner Projekte. Diese menschliche Reserve können Sie als Unternehmer nutzen, ohne Arbeitsräume und Arbeitsmittel bereitstellen zu müssen. Schließen Sie einen Werksvertrag ab, bekommen Sie sogar eine Gewährleistung. Diese externe Reserve reduziert dadurch Ihr unternehmerisches Risiko, da sie für Mängel regresspflichtig gemacht werden kann. Diesen Vorteil bieten Ihnen Ihre abhängig beschäftigten Arbeitnehmer nicht.

Wieso kann kein Unternehmen auf Humanreserven verzichten?

Die Menschen sind diejenigen, die alle Prozesse steuern, überwachen und begleiten. Selbst die ausgereiftesten Produktionsmaschinen sind dazu allein nicht in der Lage. Der Mensch muss beispielsweise Fehler finden und beheben. Außerdem ist er für die Beschickung mit Material und den Abtransport der fertigen Güter zuständig. Humanreserven sind zusätzlich für Lieferantenverträge und Absatzverträge verantwortlich. Anderenfalls hätten die Maschinen nichts zu tun. Ein Unternehmen ohne Human Resources wäre wie ein Schiff ohne Besatzung komplett funktionsunfähig. Besonders deutlich wird das bei Einzelunternehmern. Fällt der Chef aus, kommt die gesamte Produktion zum Stillstand.

Autor: Redaktion Personalwissen

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