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Gesundheitsleistungen steuerfrei zur Förderung und Motivation von Mitarbeitern

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Steuerfrei. Gesundheitsleitungen

Die betriebliche Gesundheitsförderung ist für eine Vielzahl von Unternehmen ein wichtiger Baustein im Bereich der Motivation und Krankheits-Prävention. Aktive Arbeitnehmer stehen für erfolgreiche Unternehmen. Gerade in unserer flexibilisierten Arbeitswelt sind Angebote im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung eine ausgezeichnete Möglichkeit, Mitarbeiter in Bezug auf Gesundheit und Bewegung anzuleiten, einen Ausgleich zu schaffen und letztendlich weniger  Ausfallzeiten im Unternehmen zu verzeichnen.

    Das Gesundheits-System im Beruf

    Psychische Erkrankungen wie Burn-Out oder auch Erkrankungen des Bewegungsapparats verursachen immer mehr Kosten im Gesundheits-System. Gleichzeitig sind diese gesundheitlichen Probleme für Langzeiterkrankungen und Frühverrentungen verantwortlich. Gemäß einem Bericht der Ärztezeitung, steigt vor allem die Zahl der Fehltage durch psychische Erkrankungen in Unternehmen weiter an. Im AOK-Fehlzeitenreport 2018 werden die Krankheitstage mit 11,2 Fällen pro 100 Versicherte angegeben. Das bedeutet, dass mehr als jeder zehnte Versicherte mit Formen von psychischen Erkrankungen in ärztlicher Behandlung und arbeitsunfähig war.

    Da die Erkrankungsursachen immer wieder auch in einer Überlastung und Überforderung am Arbeitsplatz begründet sind, ist es umso wichtiger, gute, zielführende Maßnahmen im Unternehmen anzubieten, die die Gesundheit der Mitarbeiter unterstützen. Der Gesetzgeber hat unterschiedliche Maßnahmen verankert, die durch eine Steuerfreiheit explizit gefördert werden.

    Beispiele für Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung

    Möchten Sie im Unternehmen Gesundheitsmaßnahmen steuerfrei fördern, so lohnt sich zunächst ein strategischer Blick in die Krankenstatistik Ihres Unternehmens. Hier finden Sie Anhaltspunkte, welche Krankheiten innerbetrieblich die meisten Fehlzeiten verursachen. Alternativ können Sie auch die wichtigsten Gründe für krankheitsbedingte Ausfälle in Deutschland zu Rate ziehen und daraus Maßnahmen für Ihr Unternehmen ableiten. Unter anderem führen die folgenden Erkrankungen in Deutschland zu hohen Ausfallzeiten:

    • Psychosoziale Belastungen
    • Arbeitsbedingte, körperliche Belastungen
    • Krankheiten aus dem Bereich falsche Ernährung und Bewegung
    • Folgen von Rauchen und weiteren Suchtmitteln

    Aus den Erkrankungsbildern ergeben sich unterschiedliche Präventions- und Gesundheitsleistungen, die im betrieblichen Umfeld angeboten werden können. Zusätzlich zu möglichen Maßnahmen für Ihre Mitarbeiter können Sie als Unternehmen Veränderungen im Betrieb aktiv fördern und damit die Gesundheits-Maßnahmen für die Mitarbeiter positiv unterstützen. Eine aktive Förderung könnte zum Beispiel der Erwerb von ergonomischen Sitzmöbeln oder auch die Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen sein.

    Präventionskurs Betriebliche Veränderungs-Maßnahme
    Ernährungsberatung und Ernährungskurse Gesunde, nachhaltige Kantinenkost
    Rückenschule  und Bewegungsangebote Anschaffung von Ergonomischen Sitzmöbeln
    Kurs „Rauchfrei“ Aktion: „Rauchfreier Betrieb“
    Kurs „Stress-Prävention“ Weiterbildung für Führungskräfte
    Kurs „Zeitmanagement“ Implementierung von flexiblen Arbeitszeiten

     

    Vorteile der betrieblichen Gesundheitsförderung

    Die Vorteile einer Unterstützung Ihrer Mitarbeiter sind klar ersichtlich und bringen letztlich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber viele Verbesserungen mit sich:

    Arbeitnehmer Arbeitgeber
    Reduktion der gesundheitlichen Risiken Kostensenkung durch weniger Fehltage
    Weniger Arztbesuche und Fehltage Effizienzsteigerung
    Erhöhen der Leistungsfähigkeit Steigerung von Produktivität und Qualität
    Motivation und Arbeitszufriedenheit Förderung der Motivation

     

    Steuerfreiheit für Maßnahmen der Gesundheitsförderung

    Maßnahmen, die Sie im eigenen Unternehmen anbieten oder die Sie für Ihre Mitarbeiter bezuschussen sind steuerfrei. Grundvoraussetzung für eine Steuerfreiheit ist, dass die angebotene Maßnahme eindeutig betriebliche Interessen verfolgt.

    Beispiel: Buchen Sie für Ihre Call-Center-Mitarbeiter täglich einen Physiotherapeuten, der in der Mittagspause Massagen anbietet, so ist diese Maßnahme steuerfrei. Eine Steuerfreiheit ist möglich, da die Maßnahme der gezielten Prävention von krankheitsbedingten Ausfällen dient. Auch Zuschüsse oder die komplette Übernahme von Kosten für Sehhilfen sind steuerfrei.  Hier könnten Sie zum Beispiel Mitarbeiter unterstützen, die ausschließlich an Bildschirmarbeitsplätzen arbeiten.

    Förderfähigkeit von externen Kursen

    Neben innerbetrieblichen Maßnahmen haben Sie auch die Möglichkeit, externe Gesundheitskurse zu fördern. Kosten bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter sind in diesem Fall steuerfrei.

    Die gesetzliche Grundlage hierfür findet sich im § 3 Nr. 34 EstG (Einkommensteuergesetz). Voraussetzung für die Förderung und Steuerfreiheit der Maßnahmen ist, dass diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn vom Arbeitgeber bezahlt werden. Eine Gehaltsumwandlung ist nicht möglich. Das Einkommensteuergesetz verweist auch auf die Paragraphen 20 und 20a des SGB V (Sozialgesetzbuch V) und führt aus, dass die geförderten Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes führen müssen. Die Maßnahmen müssen die Anforderungen des SGB V hinsichtlich Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit erfüllen.

    Da das SGB V in erster Linie die Qualitätsstandards für von den gesetzliche Krankenkassen geförderte Präventionsmaßnahmen beschreibt, empfiehlt sich für Unternehmen die Orientierung an diesen Maßnahmen. Im SGB V werden die folgenden Präventions-Beispiele als förderfähig vermerkt:

    • Diabetes mellitus Typ 2: Erkrankungsrisiko senken, Erkrankte früh erkennen und behandeln
    • Brustkrebs: Heilungs-Chancen verbessern und Lebensqualität erhöhen
    • Reduktion von Lungenkrebs
    • gesund bleiben: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung
    • gesundheitliche Kompetenz erhöhen, Souveränität der Patientinnen und Patienten stärken
    • depressive Erkrankungen: verhindern, früh erkennen, nachhaltig behandeln
    • gesund älter werden
    • Alkoholkonsum reduzieren

    Sind Vorsorgeuntersuchungen steuerfrei?

    Beschäftigen Sie Mitarbeiter mit besonderen beruflichen Risiken oder verpflichten Sie Ihre leitenden Angestellten arbeitsvertraglich zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, so sind auch diese unter Umständen steuerfrei. Eine Steuerfreiheit ist gegeben, wenn Sie nachweisen können, dass ein besonderes, betriebliches Interesse vorliegt. Dieses Betriebsinteresse ist zum Beispiel dann gegeben, wenn Sie mit Ihrem Geschäftsführer eine zweijährige Vorsorge- und Checkup-Untersuchung im Arbeitsvertrag vereinbart haben. In dieser Vorsorgeuntersuchung soll vor allem die Leistungsfähigkeit für die berufliche Tätigkeit überprüft werden. Daher werden die Untersuchungsergebnisse auch dem Betriebsarzt vorgelegt und bewertet.

    Im Rahmen der gesetzlichen Fürsorgepflicht sind Vorsorgeuntersuchungen dann als Gesundheitsleistung steuerfrei, wenn diese vor allem im Interesse des Arbeitgebers liegen. Dabei ist es unerheblich, dass auch Ihr Mitarbeiter durch Untersuchungsergebnisse und darauf folgende, medizinische Behandlungen profitiert.

    Anrechnung auf freiwillige Sonderzahlungen

    Erhalten Ihre Mitarbeiter freiwillige Sonderzahlungen wie Urlaub- oder Weihnachtsgeld, so gibt es  gemäß den Lohnsteuerrichtlinien R 3.33 Abs. 5  die Möglichkeit, anstelle der freiwilligen Sonderzahlung, Präventionsleistungen zu fördern. Auch eine Anrechnung von Teilbeträgen ist möglich.

    Beispiel: Ihr Mitarbeiter entscheidet sich für eine externe Präventionsmaßnahme, die einmalig 1.000 Euro kostet. Als Unternehmen können Sie diese Maßnahme aus innerbetrieblichen Gründen nicht fördern. Unter Anrechnung auf das jährlich bezahlte Urlaubsgeld in Höhe von 3.000 Euro übernehmen Sie die Kosten für die Maßnahme. Ihr Mitarbeiter erhält in diesem Falle ein um 1.000 Euro reduziertes Weihnachtsgeld ausbezahlt.

    Überschreiten der Jahres-Freibetrags

    Überschreiten die von Ihnen geförderten Maßnahmen den Freibetrag von 500 Euro, so können Sie auch den überzähligen Betrag weiterhin steuerfrei fördern. Dies ist dann möglich, wenn Sie das überwiegende, betriebliche Interesse nachweisen können. Können Sie zum Beispiel erläutern, dass die Maßnahme zur erheblichen Gesundung Ihres Mitarbeiters und zu einem verringerten Krankenstand beiträgt, so sind auch erhöhte Kosten im Kalenderjahr weiterhin steuerfrei.  Nachweise können vor allem im Form von ärztlichen Attesten erbracht werden. Kann das überwiegende, betriebliche Interesse an der Gesundheitsleistung nachgewiesen werden, bleibt in diesem Fall auch der überschreitende Betrag lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Ist das betriebliche Interesse nicht einwandfrei begründbar, so werden nur die Mehrkosten über dem Jahres-Freibetrag von 500 Euro steuerpflichtig. Zusätzlich fallen auch Beiträge zur Sozialversicherung für den Mehrbetrag an.

    Sachbezugsgrenze für nicht begünstigte Maßnahmen

    Die Sachbezugsgrenze, die gemäß EstG § 8 Absatz 2 Satz 9 monatlich 44 Euro beträgt, wird durch steuerfreie Zuschüsse für Gesundheitsleistungen nicht minimiert. Sie haben weiterhin die Möglichkeit, Ihren Mitarbeiter über die steuerfreie Sachbezugsgrenze zu fördern. Denkbar wäre hier auch die Übernahme von eigentlich nicht begünstigten Maßnahmen, wie

    • Sportvereinen
    • oder Fitness-Studios.

    Bezahlen Sie die Mitgliedsbeiträge, so bleiben diese bei monatlicher Zahlung für bis zu 44 Euro steuerfrei. Auch eine zweckgebundene Auszahlung an den Mitarbeiter bis zu 44 Euro monatlich bleibt steuerfrei, wenn eindeutig vertraglich geregelt ist, dass das Geld für die vereinbarte Maßnahme verwendet wird. Hierbei haben Sie das Recht, zwischenzeitlich entsprechende Nachweise von Ihrem Mitarbeiter anzufordern.

    Wichtig: Da sich der Freibetrag eindeutig auf das jeweilige Beschäftigungsverhältnis bezieht, kann Ihr Mitarbeiter bei einem unterjährigen Wechsel des Arbeitgebers mehrfach gefördert werden.

     

    Zusammenfassung und Fazit

    Betriebliche Gesundheitsförderung hat das Ziel, die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter durch Maßnahmen im Unternehmen oder durch externe Kurse aktiv zu fördern. Liegt ein nachweisbares, betriebliches Interesse vor, sind die Maßnahmen steuerfrei. Eine sehr gute Orientierungshilfe, ob externe Kurse förderfähig und damit steuerfrei sind, bieten die gesetzlichen Krankenkassen und die gesetzlichen Vorgaben im SGB V. Beispiele für zielführende Maßnahmen sind Präventionskurse für Rücken und Gelenke, Maßnahmen im Bereich der gesunden Ernährung und Bewegung oder auch Kurse zur Raucherentwöhnung im Unternehmen.

    Externe Kurse sind pro Jahr und Mitarbeiter bis zu 500 Euro von der Lohnsteuer und von Sozialversicherungsbeiträgen befreit. Auch darüber hinaus können Sie, beim Nachweis eines eindeutigen, betrieblichen Interesses externe Kurse oberhalb der Freigrenze fördern. Ist das betriebliche Interesse nicht eindeutig nachweisbar, so muss nur der Betrag oberhalb der Freigrenze versteuert werden. Ebenso fallen Beiträge zur Sozialversicherung an. Die monatliche Sachbezugsgrenze erlaubt es Ihnen, auch eigentlich nicht förderfähige Vorhaben, wie Sportvereine bis zur Grenze von 44 Euro zu fördern.

    Mit Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung können Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter aktiv verbessern. Gleichzeitig steigen die Motivation und die Leistungsfähigkeit der Belegschaft. Gemeinsame Gesundheitsmaßnahmen im Unternehmen können den Zusammenhalt fördern, erhöhen die Effizienz im Unternehmen und senken nachweisbar den Krankenstand. Daher lohnt es sich, interne oder externe Maßnahmen zur Gesundheitsförderung im Unternehmen zu implementieren oder durch finanzielle Zuschüsse zu fördern und gleichzeitig Steuerfreiheit zu genießen.

    Autor: Torsten Niermann

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