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Gender Pay Gap – Wie groß ist die Lücke wirklich?

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Gender Pay Gab

Entlohnt werden sollte eigentlich immer für erbrachte Leistungen – unabhängig vom Geschlecht. Doch in der Realität sieht es anders aus, sodass zwischen den Gehältern von Männern und Frauen in gleicher Position eine große Lücke klafft. Je nach Branche und Beruf fehlen Frauen in Gegenüberstellung zum männlichen Kollegen einige Hundert Euro brutto wie netto. In diesem Text wollen wir die Gehaltslücke näher beleuchten und auf die verschiedenen Ursachen der Gehaltsunterschiede eingehen. Diese Informationen können ein Anlass sein, zukünftig bei Einstellungen auf Gleichberechtigung zu achten und den Gender Pay Gap nicht länger in Ihrer Gehaltspolitik zu integrieren.

    Definition – Gender Pay Gap

    Die Bezeichnung Gender Pay Gap beschreibt in der Volkswirtschaftslehre und Soziologie die Unterschiede in Stundenlöhnen und Jahresgehältern zwischen Männern und Frauen. Gender Pay Gap wird die Differenz genannt, die sich aus den Gehaltsunterschieden ergibt. Im Jahr 2015 lag der Gender Pay Gap Wert bei 21 Prozent. Hierbei handelt es sich um einen Durchschnittswert, so dass die Differenz in einigen Branchen niedriger, in vielen Berufen aber deutlich über dieser prozentualen Angabe liegt. Erwähnenswert ist, dass der Gender Pay Gap in Deutschland weit über den Durchschnittsdifferenzen anderer europäischer Länder liegt.

    Warum es in der Bezahlung keine Gleichberechtigung gibt

    Diese Frage stellen sich vor allem Frauen, da das weibliche Geschlecht die mangelnde finanzielle Gleichberechtigung zurecht beklagt. Die deutlichen Gehaltsunterschiede führen dazu, dass Frauen selbst bei gleicher Leistung weitaus weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen und dementsprechend bei der Rente schlechter gestellt sind.

    Einen wirklichen, nachvollziehbaren Grund für den Gender Pay Gap gibt es nicht. Die Entscheidung über das Gehalt trifft immer der Unternehmer, wodurch dieser auch in der Verantwortung zur Bekämpfung der Gehaltsunterschiede ist.

    Tipp: Als Unternehmer müssen Sie diesem konventionell gewachsenen Prinzip nicht folgen. Sie möchten Gleichberechtigung ohne Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen einführen? Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und finden Sie heraus, wie positiv sich diese Unternehmenskultur auf Ihr Image auswirkt.

    Die Ursachen für Gehaltsunterschiede: Gefundene Gründe?

    Die primären Ursachen der großen Gehaltslücke liegt in der Vergangenheit begründet. „Frauenberufe“ wurden prinzipiell schlechter bezahlt als „Männerberufe“. Doch einen konkreten Berufsunterschied gibt es heute nicht mehr, da Frauen jeden Beruf erlernen und in allen Branchen tätig sein können.

    Dennoch klafft eine riesige Lücke zwischen den Gehältern. Dies äußert sich vor allem bei direkten Befragungen männlicher und weiblicher Mitarbeiter in einem Unternehmen.

    Wichtig: In der heutigen Zeit sind diese Gehaltsunterschiede nur gefundene Gründe. Gelebte Gleichberechtigung in Unternehmen ist realisierbar, wenn Sie Frauen und Männer für gleiche Leistung identisch bezahlen.

    Deutschland als Negativbeispiel beim Gender Pay Gap

    Im internationalen Vergleich ist Deutschland in puncto Gehaltsunterschiede auf der Negativseite zu finden. Während gerade die skandinavischen Länder, aber auch Osteuropa eine sinkende Differenz aufweisen, sind die Gehaltsunterschiede bei Frauen und Männern in Deutschland deutlich gestiegen.

    Ein weiterer Punkt ist die steigende Differenz mit zunehmendem Alter. Während Männer mit Erfahrung einen höheren Lohn erhalten, verdienen Frauen ab 40 Jahren deutlich weniger als ihre jüngeren Kolleginnen.

    Tipp: Eine gute Maßnahme für die bezahlte Gleichberechtigung ist Lohntransparenz. Norwegen und Schweden leben vor, wie gut sich transparente Gehaltszahlungen auf die Gleichheit von männlichen und weiblichen Mitarbeitern in der Firma auswirken. Wo Transparenz herrscht, haben Neid und Vermutungen keinen Platz.

    Gehaltsunterschiede und ihre Auswirkungen auf die Renter/innen-Armut

    Im Hinblick auf das Rentenalter schneiden Frauen in Deutschland schlecht ab. Mehr als 50 Prozent aller Arbeitnehmerinnen haben nicht ohne Grund Angst vor Altersarmut. Die deutlichen Gehaltsunterschiede, der große Gender Pay Gap, beeinflussen die Höhe der späteren Rente deutlich.

    Selbst Frauen die 45 Jahre durchgängig arbeiten und ein durchschnittliches Gehalt erzielen, sind auch im Rentenbezug ihren männlichen Kollegen nachgestellt. Da es für Frauen im höheren Alter obendrein schwieriger bei der Jobsuche wird, ist das Risiko der Altersarmut nicht zu unterschätzen.

    Wichtig: Zahlen Sie mit Gleichberechtigung, so dass Ihre Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen am Lebensabend von ihrer Rente leben können und keine Angst vor dem Weg in die Altersarmut haben müssen. Für gleiche Arbeit ist gleicher Lohn nicht nur fair, sondern ein entscheidendes Kriterium für den Lebensabend.

    Immer mehr Frauen haben Macht, aber keine finanzielle Gleichberechtigung

    Spätesten mit Einführung der Frauenquote hat sich das Machtverhältnis in Deutschland geändert. In Puncto Macht tendiert Deutschland immer mehr zur Gleichberechtigung. Unbeeinflusst davon sind die Gehaltsunterschiede. Ob in der Produktion, in der Dienstleistung oder im Management – Frauen verdienen weniger. Eine deutliche Senkung des Gender Pay Gap muss das Ziel einer modernen Unternehmenskultur und gleichberechtigten Unternehmenspolitik sein.

    Tipp: Eine schnelle Angleichung der Gehälter ist im Regelfall kaum möglich. Auf lange Sicht kann jeder Unternehmer den Gender Pay Gap senken und bei Einstellung von weiblichen Mitarbeitern die gleichen (finanziellen) Chancen wie für männliche Kollegen bieten.

    Veraltete Ursachen – archaische Geschäftspolitik als Definition deutlicher Gehaltsunterschiede

    Wie bereits angesprochen, resultiert der heutige Gender Pay Gap in längst veralteten Ursachen. Während die Forderung nach Gleichberechtigung durch die Frauenquote erhört wurde, sind in Bezug auf die Gehaltsunterschiede eher Negativtendenzen ersichtlich. Moderne Unternehmen zelebrieren diese Praktik nicht, wodurch ihr Image gerade bei weiblichen Bewerbern positiver ist.

    Hinweis: Bei genderübergreifenden Jobs sollten Sie in Erwägung ziehen, den Gender Pay Gap auszuschließen. Eine Frau die in der Unternehmensführung die gleiche Arbeit wie ihr männlicher Geschäftspartner leistet, sollte auch das gleiche Gehalt verdienen und finanziell nicht schlechter gestellt werden.

    Gegenmaßnahmen zum Gender Pay Gap – Gleichberechtigung in der Gehaltszahlung im Fokus

    Einige politische Maßnahmen sind bereits in Durchführung. Doch letztendlich müssen alle Unternehmen selbst handeln. Gute Beispiele für einen geringen bis gänzlich ausbleibenden Gender Pay Gap sind in den skandinavischen Nachbarländern zu finden.

    Die Tarifparteien sind in der Gesamtheit für eine Minderung der Lohnlücke verantwortlich und sollten viel intensiver an Konzepten arbeiten, die Gehaltsunterschiede vermeiden und eine finanzielle Gleichberechtigung herstellen.

    Tipp: Der richtige Zeitpunkt für eine Neuorientierung wäre die nächste Tarifverhandlung. Auch im direkten Mitarbeitergespräch können Sie die Lücke schließen und Ihren weiblichen Mitarbeitern den gleichen Lohn wie ihren männlichen Kollegen anbieten.

    Berufswahl und Karrierechancen sind keine Ursachen beim Gender Pay Gap

    Die Berufswahl ist einer der am häufigsten vorgeschobenen Gründe beim Gender Pay Gap. Dass es sich bei diesem Grund um keine der wirklichen Ursachen handelt zeigt sich, wenn Frau und Mann in einer Firma der gleichen Tätigkeit nachgehen und dennoch unterschiedlich bezahlt werden.

    Die wirklichen Ursachen liegen in der Vergangenheit begründet und können nur abgestellt werden, wenn eine Modernisierung der Gleichberechtigung in Firmen erfolgt. Diese ist rückwirkend, aber auch im Rahmen jeder Neueinstellung möglich.

    Tipp: Für den in Deutschland sehr hohen Gender Pay Gap gibt es keine plausible Begründung. Die Umstellung auf Gleichberechtigung und Beschäftigung ohne gravierende Gehaltsunterschiede hat in vielen Ländern der EU bereits funktioniert. Deutschland ist hier eines der Schlusslichter, woraus sich umgehender Handlungsbedarf für viele Unternehmen ergibt.

     

    Autor: Redaktion Personalwissen

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