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Einstellung von Flüchtlingen: Geflüchtete Menschen beschäftigen

© Daniel M Ernst – Shutterstock
geflüchtete Menschen, Flüchtlinge

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern kommen Personalverantwortliche in Kontakt mit sehr unterschiedlichen Bewerbern. Hoch aktuell ist dabei die große Anzahl geflüchteter Menschen, die sich in Deutschland auch auf dem Arbeitsmarkt integrieren will. Da in anderen Ländern sowohl der Bildungsweg als auch die Bewerbungsprozesse anders verlaufen, müssen Arbeitgeber an dieser Stelle einige Aspekte beachten. Wie gesetzliche Vorschriften die Anstellung Geflüchteter regeln und wie Vorgesetzte Flüchtlinge integrieren und fördern können, lesen Sie in diesem Artikel. Sie erfahren außerdem, welche Unterstützung staatlich vorgesehen ist und wie eine angemessene Organisation den Ablauf vereinfacht.

Geflüchtete Menschen beschäftigen: Welche Regelungen sind zu beachten?

Zunächst ist zu beachten, dass nicht jeder geflüchtete Mensch den gleichen Status besitzt. In Deutschland unterscheiden die Behörden zwischen anerkannten Flüchtlingen, Asylbewerbern und Geduldeten. Sogenannte Geduldete sind geflüchtete Personen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden können. Das kann beispielsweise an einer Krankheit liegen oder an fehlenden Papieren.

Zudem ist wissenswert, dass Flüchtlinge in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland nicht arbeiten dürfen. Danach unterscheiden sich die Regelungen je nach Aufenthaltsstatus. Solange die geflüchteten Personen in einer Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht oder für die Verhinderung ihrer Abschiebung selbst verantwortlich sind, dürfen sie in kein Arbeitsverhältnis eintreten.

Flüchtlinge einstellen: Worauf Arbeitgeber achten müssen

Grundsätzlich ist die Beschäftigung einer geflüchteten Person ab dem vierten Monat ihres Aufenthalts in Deutschland erlaubt. Ein obligatorischer Aufenthalt in einer Erstaufnahmeeinrichtung kann jedoch länger als drei Monate in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund kann es passieren, dass der betroffene Flüchtling auch nach den ersten drei Monaten noch keine Arbeitserlaubnis erhält.

Die gesetzliche Regelung sieht allerdings vor, dass geflüchtete Personen für jede Arbeitsstelle, die sie antreten möchten, eine Erlaubnis der Ausländerbehörde benötigen.

  • Ab dem 4. Monat können Flüchtlinge eine Arbeit aufnehmen, ohne dass Zuständige zunächst den Vorrang prüfen. Die sogenannte Vorrangprüfung besagt, dass Arbeitgeber zunächst kontrollieren müssen, ob ein deutscher oder EU-Arbeitnehmer für die Stelle zu Verfügung steht, bevor sie eine geflüchtete Person einstellen. Zu diesem Zeitpunkt regeln die Bundesländer außerdem noch die Residenzpflicht der Geflüchteten.
  • Ab dem 16. Monat können geflüchtete Menschen Arbeit in der gesamten Bundesrepublik suchen und Stellen annehmen. Die Erlaubnis der Bundesagentur für Arbeit und die der Ausländerbehörde müssen sich Flüchtlinge allerdings weiterhin einholen.
  • Ab dem 49. Monat ist es Geflüchteten gestattet, eine Beschäftigung anzunehmen, ohne die Bestätigung der Bundesagentur für Arbeit einzuholen. Die Zustimmung der Ausländerbehörde ist weiterhin erforderlich.

Die einzelnen Vorschriften unterscheiden sich unter Umständen je nach Bundesland. Beispielsweise variiert die Pflicht zur Vorrangprüfung oder auch die Zuordnung der Residenz des jeweiligen Flüchtlings.

Arbeitgeber und der Flüchtling selbst erhalten die Informationen von der zuständigen Arbeitsagentur beziehungsweise der Ausländerbehörde. Wichtig ist, dass Vorgesetzte nach dem Status der geflüchteten Person fragen und so ausfindig machen, ob eine Arbeitsgenehmigung von der Behörde erforderlich ist.

Beschäftigung für geflüchtete Personen: Wann dürfen Flüchtlinge in jedem Fall arbeiten?

In Deutschland existieren 156 Agenturbezirke, die unter anderem Flüchtlingen ihre Arbeitserlaubnis erteilen oder für offene Stellen die sogenannte Vorrangprüfung durchführen. Aufgrund der politischen Bemühungen, Geflüchtete nachhaltig und möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren, setzen einige Arbeitsagenturen die Vorrangprüfung für Arbeitsstellen zeitweise aus. Auf diese Weise können Flüchtlinge schon nach den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts ohne Vorrangprüfung eine Arbeit aufnehmen.

Abgesehen von temporären Regelungen dürfen Asylbewerber und Geduldete unter bestimmten Umständen immer eine Beschäftigung antreten, ohne eine vorausgehende Prüfung abzuwarten. Die verschiedenen Fälle erlauben es Flüchtlingen, in Deutschland für einen konkreten oder unbefristeten Zeitraum eine Arbeit aufzunehmen.

  • Erhalt einer Blauen Karte EU: Erfüllt eine geflüchtete Person die Voraussetzungen für eine Blaue Karte EU kann sie eine Beschäftigung annehmen. Mit der Karte erhält sie eine befristete Aufenthaltserlaubnis und kann als Fachkraft mit einer anerkannten Ausbildung oder in einem Beruf mit Engpässen arbeiten.
  • Aufenthalt von vier Jahren: Nachdem ein Flüchtling sich bereits vier Jahre in Deutschland aufhält, darf er eine Arbeitsstelle ohne Zustimmung der Agentur für Arbeit antreten.
  • Zeitarbeit: Hier gilt besondere Vorsicht. Asylbewerber und Geduldete dürfen zwar Zeitarbeit ausüben, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. Aufgrund der zahlreichen formellen Vorgaben sollten Arbeitgeber vor der Einstellung einer geflüchteten oder geduldeten Person immer mit dem zuständigen Ausländeramt in Verbindung treten. Dies gilt insbesondere für Zeitarbeitsfirmen, die einen Flüchtling einstellen und im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung einsetzen möchten.

Im Gegensatz zu Asylbewerbern und Geduldeten haben anerkannte Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis zum gesamten Arbeitsmarkt unbeschränkten Zugang. Sie können sich für alle offenen Arbeitsstellen bewerben. Wollen geflüchtete Personen mit Aufenthaltsgenehmigung allerdings selbstständig tätig werden, müssen sie weitere Bestimmungen beachten. Für freiberufliche Tätigkeiten müssen Flüchtlinge verpflichtend eine Genehmigung erwerben.

Flüchtlinge als Azubis einstellen: Was ist bei Ausbildungsstellen wichtig?

Im Zuge des politischen Bestrebens, geflüchtete Personen in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, gelten auch für Ausbildungspositionen spezielle Regelungen. Flüchtlinge dürfen beispielsweise Praktika in Unternehmen machen, ohne sich dafür eine Erlaubnis von der Agentur für Arbeit zu holen. Dabei müssen Vorgesetzte darauf achten, dass die Praktikantentätigkeit nicht zu den Bestimmungen für Mindestlohn-Beschäftigungen zählt. Außerdem darf das Praktikum die Dauer von drei Monaten nicht überschreiten. Lediglich Praktika für schulische oder universitäre Zwecke dürfen länger dauern.

Flüchtlinge haben außerdem das Recht, eine Ausbildung in Deutschland anzufangen und erhalten dafür eine Aufenthaltserlaubnis. Nach Abschluss der Ausbildung ist es geflüchtete Personen zudem genehmigt, sechs weitere Monate eine Anstellung zu suchen. Die Behörden verlängern die Aufenthaltsgenehmigung der Person, wenn der Ausbildungsbetrieb den Flüchtling übernimmt oder er anschließend in einem anderen Unternehmen eine Stelle findet. Zunächst ist die Verlängerung auf zwei weitere Jahre beschränkt.

Geflüchtete Menschen beschäftigen: Organisation und Förderungen für Flüchtlinge

Da Arbeitgeber sowohl rechtliche Bedingungen wie auch kulturelle Besonderheiten beachten müssen, wenn sie eine geflüchtete Person beschäftigen, erfordert der Prozess eine gute Organisation. Hilfreich sind dabei vor allem eine durchdachte interne Strukturierung und Vorbereitung sowie auch staatliche Angebote zu Unterstützung. Konkrete Förderungen vereinfachen den Einstieg in die Arbeitswelt für die Flüchtlinge und die nachhaltige Integration für beide Seiten.

Häufig fühlen sich geflüchtete Menschen zu Beginn ihres Arbeitslebens in Deutschland und am neuen Arbeitsplatz in der Rolle des neuen Mitarbeiter alleine. Es ist sinnvoll, die Kollegen auf diese Situation aufmerksam zu machen. Beide Seiten sollten sich im Vorfeld informieren, welche Eigenschaften das Gegenüber besitzt und welcher Umgang miteinander angemessen ist. Grundsätzlich sollte eine offene und respektvolle Mentalität das Miteinander und die Zusammenarbeit der Arbeitnehmer charakterisieren.

Respektvolles Miteinander: Wie die Integration geflüchteter Personen funktionieren kann

Am Arbeitsplatz etablieren sich im Laufe der Zeit bestimmte Abläufe, die zur Gewohnheit werden. Mitarbeiter gewöhnen sich an ihre Kollegen, an den Umgang und die Arbeitsatmosphäre. Kommt ein neuer Mitarbeiter in den Betrieb, bekommen gewohnte Vorgänge häufig eine neue Richtung und verändern sich. Damit die Firma diesen Wandel positiv nutzt und keine negativen Gefühle bei den Beteiligten entstehen, sollten Vorgesetzte die Eingliederung neuer Kollegen voraussehend planen.

Damit sich der neue Angestellte in dem Betrieb wohlfühlen und effektiv arbeiten kann, ist es hilfreich, ihm einen Ansprechpartner zur Seite zu Stellen. Im Idealfall handelt es sich dabei um einen erfahrenen Mitarbeiter, der mit dem neu angestellten Arbeitnehmer ohne Sprachbarriere kommunizieren kann. In jedem Fall jedoch sollte es ein Kollege sein, der sich mit den Prozessen im Unternehmen auskennt und weiß, welche Fakten für neue Mitarbeiter wichtig sind. Im Vorfeld sollten sich Vorgesetzte zudem überlegen, an welchen Stellen Menschen aus anderen Ländern Probleme haben könnten, damit Personalverantwortliche Unklarheiten zu Beginn klären und Fragen beantworten können.

Förderungen: Wie Unternehmen und Geflüchtete auf ihrem Weg Unterstützung erhalten

Der Karriereweg für Flüchtlinge in Deutschland ist mit viel Aufwand und Engagement verbunden und auch die Firmen müssen einiges investieren, um die Integration voranzubringen. Aus diesem Grund existieren Förderprogramme, die sowohl geflüchtete Menschen als auch Unternehmen dabei unterstützen, den Weg auf den Arbeitsmarkt beziehungsweise die Integration in Betriebe zu meistern.

Wenn Arbeitgeber Arbeitssuchende einstellen, die schwer zu vermitteln sind, erhalten sie Zuschüsse. Unternehmen können so auch für die Beschäftigung von Flüchtlingen Förderungen erhalten, wenn sie diese bei der zuständigen Arbeitsagentur beantragen. Dieser sogenannte Eingliederungszuschuss umfasst die Hälfte des Gehalts, das an den entsprechenden Arbeitnehmer gezahlt wird. Die Laufzeit dieser Bezuschussung beträgt ein Jahr.

Um Unternehmen auch fachlich zu unterstützen, können Vorgesetzte bei der Agentur für Arbeit und der Ausländerbehörde zudem eine Einstiegsqualifizierung für die geflüchtete Person anfordern. Ziel dieses Programms ist es, den Geflüchteten auf die Arbeit in der Firma vorzubereiten und beispielsweise fachliche Inhalte sowie Sprachkenntnisse zu vermitteln. Je nach Qualifizierung kann das zwischen sechs Monaten und einem Jahr in Anspruch nehmen:

  • Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (MAG)
  • Förderung für Umschulung oder Ausbildung
  • Förderung von ausbildungsbegleitenden Hilfen

Neben der Unterstützung, die Unternehmen bekommen, erhalten auch Flüchtlinge Förderungen, die ihnen den Einstieg in das Arbeitsleben in Deutschland erleichtern sollen. Die MAG beispielsweise dient dazu, das bereits vorhandene Wissen der geflüchteten Person zu testen. Auf diese Weise können Arbeitgeber den Kenntnisstand evaluieren und die Aufgaben des Flüchtlings im Betrieb daran anpassen. So verhindern Zuständige eine Unter- oder Überforderung des Angestellten.

Um die Kenntnisse des neuen Angestellten noch zu erweitern, besteht für Flüchtlinge in vielen Fällen die Möglichkeit, an Schulungen und Weiterbildungen teilzunehmen. Die Bundesagentur für Arbeit bietet regelmäßig Kurse an, die auch für geflüchtete Menschen offenstehen. Entstehen Fehlzeiten durch die Teilnahme an einer Schulung, erhalten Firmen zudem die entstandenen Kosten erstattet.

Fazit: Lassen sich geflüchtete Menschen problemlos beschäftigen?

Flüchtlinge bekommen in Deutschland je nach Herkunftsland und familiären Umständen unterschiedliche Status zugeschrieben. Arbeitgeber müssen bei der Einstellung von geflüchteten Menschen auf diese Einstufung achten, da mit ihr verschiedene rechtliche Bedingungen verbunden sind. Es ist sinnvoll, sich mit der individuellen Geschichte des Bewerbers auseinanderzusetzen, um weitere Hintergrundinformationen und Informationen zum Wissensstand des Geflüchteten zu erhalten.

Die Beschäftigung eines Flüchtlings erfordert eine gute Strukturierung und Planung im Vorfeld: Vorgesetzte sollten sich eingehend überlegen, wie genau die Arbeit des neuen Angestellten aussehen soll und wer ihn in der ersten Zeit begleiten kann. Außerdem ist es hilfreich, die Atmosphäre am Arbeitsplatz einzuschätzen, da Offenheit und Toleranz die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sind. Bei der Einstellung einer geflüchteten Person können sich Unternehmen zudem Unterstützung holen, die die Integration und Ausbildung eines Flüchtlings fördern.

Bitte beachten Sie, dass dieser Text keine individuelle Rechtsberatung ersetzt, sondern ausschließlich einen grundlegenden Überblick über die aktuelle (Stand: März 2019) Praxis auf dem Arbeitsmarkt gibt. Treten Sie im Zweifel mit der für Sie zuständigen Agentur für Arbeit und/oder einem Juristen in Kontakt.

Autor. Redaktion Personalwissen

Siegel

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