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Wie Sie Blaumachen verhindern: Tipps für Personalverantwortliche

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Blaumachen verhindern

Niemand ist gerne krank. Dabei sind Fehltage aufgrund von Krankheit nicht nur für die Mitarbeiter selbst ärgerlich. Auch Unternehmen und Kollegen sind durch die krankheitsbedingten Fehltage einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt: Das ist kein Problem, wenn ein Teammitglied auch tatsächlich erkrankt ist und deshalb ausfällt. Doch: Was tun, wenn ein Mitarbeiter in Wirklichkeit gar nicht krank ist? Wie können Personaler verhindern, dass Arbeitnehmer blaumachen? Diese und noch weitere Fragen beantwortet Ihnen dieser Artikel.

    Krankenstand: Schäden für Unternehmen durch Fehltage

    Besonders an Mon- und Freitagen sowie nach oder vor Feiertagen passiert es häufig: Mitarbeiter melden sich für den jeweiligen Tag bei ihrem Vorgesetzten aufgrund einer Krankheit ab. Während das bei vielen Beschäftigten sicherlich der Wahrheit entspricht, drängt sich doch – vor allem bei mehrmaligem Auftreten – der Gedanke auf, dass der eine oder andere Arbeitnehmer „krankfeiert“ und die Erkrankung nur vorgibt, um zu Hause bleiben zu können.

    Krankentage: Die Folgen für Unternehmen

    Für den Betrieb hat das sogenannte Blaumachen einen immensen wirtschaftlichen Schaden zur Folge. Das belegen auch aktuelle Zahlen: Laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion betrug der volkwirtschaftliche Schaden durch krankheitsbedingte Fehltage im Jahr 2016 ganze 75 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Denn: In den letzten 20 Jahren gab es eine inflationsbereinigte Steigerung der Schadenssumme um mehr als 30 Prozent – ein enormer Anstieg, der sich auf die Betriebe und Krankenkassen verteilt.

    Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig. Sie liegen sowohl in der positiven Entwicklung der Wirtschaft als auch in einigen Fehlentwicklungen:

    1. Vermehrte psychische Belastungen am Arbeitsplatz
    2. Zunahme ältere Arbeitnehmer, die länger und öfter ausfallen als die jüngere Belegschaft
    3. Steigerung der Erwerbstätigkeit seit 2008

    Krankfeiern oder Krank sein?

    Die hier dargestellten Zahlen machen es deutlich: Firmen haben durch Fehltage – egal ob krankheitsbedingt oder nicht – einen enormen ökonomischen Schaden zu verzeichnen.

    Während man gegen krankheitsbedingte Fehltage selbstverständlich nichts unternehmen kann und sollte – denn jeder sollte sich bei einer Krankheit auskurieren dürfen – ergeben sich bei krankgefeierten Tagen für Unternehmen andere Schlussfolgerungen. Hier ist die Devise: Maßnahmen ergreifen, um das Blaumachen zu verhindern.

    Präventive Maßnahmen gegen Blaumachen

    Wie schon dargestellt, sollten Personalabteilung und Personalverantwortliche Bemühungen anstellen, damit Mitarbeiter nicht krankfeiern. Dabei gilt: Prävention ist besser als Intervention. Schlagwörter, die in diesem Zusammenhang fallen, sind beispielsweise eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit, angemessene Urlaubs- und Pausenregelung und ein starker Teamzusammenhalt.

    Der Grund hierfür ist einleuchtend: Kommen die Beschäftigten gerne zu ihrem Arbeitsplatz, werden sie – zusätzlich zu einer erhöhten Produktivität – auch weniger krankfeiern. Diese vorbeugenden Maßnahmen sind daher nicht nur für die Mitarbeiter positiv, sondern auch für Arbeitgeber – eine Win-win-Situation.

    Doch: Was tun, wenn präventive Maßnahmen nicht ausreichen? Was können Firmen unternehmen, wenn ein Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen nicht zur Arbeit erscheint und der Verdacht einer vorgetäuschten Krankheit aufkommt? Die folgenden Tipps können Personalern helfen, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um blaumachen zu erschweren.

    Tipps für Personaler gegen Krankfeiern

    Wenn alle präventiven Maßnahmen keine Wirkung zeigen, gilt es, verbindliche Vorgaben für das gesamte Team festzusetzen, um krankfeiern zu vermeiden.

    1. Tipp: Überwachen Sie die Meldefristen. Vereinbaren Sie mit den Mitarbeitern klare Regeln zu ihren Meldepflichten bei einer Krankheit. Gesetzlich vorgeschrieben sind dabei drei Tage.
    2. Tipp: Vereinbaren Sie mit den Beschäftigten, dass sie sich persönlich bei ihren Vorgesetzen abmelden müssen – und dies nicht der Kollege übernehmen darf. Die Konsequenz: Die Hemmschwelle zum Blaumachen erhöht sich für den Mitarbeiter deutlich. Außerdem ist es in diesem Zusammenhang sinnvoll, die Fehlzeiten zu dokumentieren. Hierdurch können Sie sich einen Überblick über die Fehltage verschaffen.
    3. Tipp: Führen Sie Rückkehrgespräche – vor allem, wenn ein Mitarbeiter längere Zeit ausgefallen ist. Durch das Gespräch erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, die Gründe für den Ausfall zu erfahren und können dadurch unter Umständen Gegenmaßnahmen ergreifen und den Arbeitsablauf im eigenen Unternehmen optimieren. So zum Beispiel, wenn der Arbeitnehmer über zu viel Arbeitsbelastung klagt.
    4. Tipp: Wandeln Sie Bonusgelder, wie zum Beispiel Weihnachts- oder Urlaubsgeld in Anwesenheitsprämien um. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter krankfeiern. Aber: Das Risiko, dass Arbeitnehmer trotz einer Krankheit zur Arbeit erscheinen, erhöht sich auch. Daher gilt es, diese Maßnahme genau abzuwägen.
    Wichtiger Hinweis: Bei einem Rückkehrgespräch dürfen manche Fragen nicht gestellt werden. Unzulässig ist zum Beispiel die Frage nach dem genauen Grund oder der Diagnose der Krankheit – sofern der Verdacht einer ansteckenden Krankheit nicht im Raum steht. Außerdem ist es nicht gestattet, den aktuellen Gesundheitszustand zu erfragen oder die Privatsphäre des Arbeitnehmers zu verletzen. Zudem hat die Arbeitskraft das Recht zu lügen. Achten Sie zudem darauf, dass Sie keinen Druck auf den Angestellten ausüben: Bewertet der Arbeitnehmer das Gespräch als Kritik oder als Überwachungsinstrument, können die Folgen eher negativ als positiv sein.

     

    Rechtliche Maßnahmen beim Krankfeiern

    Fehlt eine Arbeitskraft, ohne eine Bescheinigung des Arztes über seine Arbeitsunfähigkeit (AU) vorzulegen, ist die arbeitsrechtliche Lage eindeutig: Das Unternehmen hat das Recht, den Arbeitnehmer abzumahnen – bei einer Wiederholung ist das sogar ein Kündigungsgrund.

    Welche arbeitsrechtlichen Maßnahmen können Arbeitgeber jedoch ergreifen, wenn die Fehltage eines Mitarbeiters gehäuft vor oder nach Feier- und Brückentagen vorkommen? Was tun, wenn der Verdacht aufkommt, dass ein Arbeitnehmer krankfeiert? Die Rechtslage ist in diesem Fall nicht eindeutig.

    Beweispflicht und medizinischer Dienst

    1. Beweispflicht: Das Unternehmen muss beweisen können, dass der Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit tatsächlich vorgetäuscht hat – zur Not durch beispielsweise ein Detektivbüro. Gibt es derartige Beweise, kann der Betrieb eine Kündigung ohne Frist aussprechen. Aber: In der Praxis ist eine fristlose Kündigung nicht einfach durchzusetzen. Denn: Die Firma muss nicht nur beweisen, dass der Arbeitnehmer trotz einer AU-Bescheinigung einer anderen Tätigkeit nachgegangen ist, sondern auch, dass diese Tätigkeit seiner Genesung entgegensteht. Ein Beispiel: Gerichtlich wurde die Kündigung eines Arbeitnehmers gekippt, der sich trotz seiner Krankschreibung auf einem Volksfest aufgehalten hat. Die Begründung war dabei, dass diese Beschäftigung nicht unbedingt entgegen der Gesundung des Arbeitnehmers stand.
    2. Medizinischer Dienst der gesetzlichen Krankenkasse: Es ist möglich, die Arbeitsunfähigkeit eines Angestellten durch den medizinischen Dienst seiner gesetzlichen Krankenkasse überprüfen zu lassen. Das ist für Arbeitgeber kostenfrei. Bestätigt ein unabhängiger Mediziner, dass der Arbeitnehmer arbeitsunfähig ist, kann der Verdacht einer Vortäuschung ausgeräumt werden. Stimmt das Ergebnis jedoch nicht mit der AU-Bescheinigung überein, kann der Arbeitnehmer die Entgeltfortzahlung stoppen. Nun liegt die Beweispflicht beim Arbeitnehmer. Dieser muss vor Gericht seinen behandelnden Arzt von der Schweigepflicht entbinden, um ihn als Zeugen benennen zu können. Denn: Seine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat seinen Beweiswert verloren und er muss vor Gericht erneut seine Arbeitsunfähigkeit darlegen.
    Wichtiger Hinweis: Zu beachten ist jedoch, dass es in der Praxis nicht immer sehr einfach ist, den medizinischen Dienst einzuschalten. Dieser wird nämlich oftmals erst innerhalb von sieben bis 14 Tagen tätig: Bis dahin ist eine Krankheit selbstredend nicht mehr nachweisbar. Außerdem kann man nur gesetzliche Krankenkassen einschalten. Ist ein Mitarbeiter bei einer privaten Krankenkasse versichert, muss das Unternehmen andere Maßnahmen ergreifen, um Beweise vorlegen zu können.

     

    Autor: Redaktion Personalwissen

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