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Humanistische Führungskultur – alles, was Sie wissen müssen

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Business Meeting, Besprechung, Management,

Die humanistische Führungskultur ist eine von verschiedenen Führungsarten, mit denen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter anleiten können. Sie setzt auf konkrete Werte und hat immer den individuellen Mitarbeiter mit seinen oder ihren spezifischen Bedürfnissen und Wünschen im Blick. In diesem Artikel erläutern wir Ihnen, was die humanistische Führungskultur auszeichnet und wie Sie deren Stärken für Ihren Betrieb nutzen.

Die humanistische Führungskultur stellt den Menschen ins Zentrum allen Denkens und Handelns. Das bedeutet, dass sämtliche unternehmerischen Prozesse vom Kunden und von den Mitarbeitern her gedacht werden. Die Angestellten genießen hohes Ansehen bei den Führungskräften und der Unternehmensleitung und gelten nicht nur als nützliche Werkzeuge. Stattdessen werden sie in wichtige Entscheidungsprozesse eingebunden und dürfen aktiv an der Entwicklung des Unternehmens Anteil nehmen.

Für eine Führungskraft bedeutet die humanistische Führungskultur, dass sie sich sehr gut mit Menschen auskennen müssen. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie sich mit Themen wie Psychologie und Menschenkenntnis auseinandersetzen müssen. Wenn ein Mitarbeiter besonders produktiv oder sehr leistungsschwach ist, hat das meist klare Gründe. Diese zu ermitteln, zu verstehen und zu fördern beziehungsweise aus der Welt zu schaffen, sind wichtige Aufgaben von Führungskräften im humanistischen Führungsstil.

Grundlagen und Werte der humanistischen Führungskultur

Die wichtigste Komponente in der humanistischen Führungskultur ist der Mensch. Deswegen stehen dessen Bedürfnisse und Wünsche stets im Zentrum. Das bedeutet zum Beispiel, dass Führungskräfte darauf achten, dass sich die Angestellten nicht überfordern. Einige arbeiten bis zum Burn-out, weil sie Angst haben, von der Konkurrenz überrollt zu werden.

Andere gefährden ihre Gesundheit hingegen, weil sie von einem Thema oder einem Projekt absolut begeistert sind. Sie setzen sich mit all ihrer Kraft dafür ein und erkennen die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit nicht an.

Der wichtigste Wert der humanistischen Führungskultur ist somit ein gesundes, menschenwürdiges Arbeitsumfeld. Dieses lässt sich durch regelmäßige Befragungen bei den Mitarbeitern selbst und Leistungsanalysen sicherstellen.

Diese Aufgaben müssen Führungskräfte für eine humanistische Führungskultur beherrschen

Die humanistische Führungskultur funktioniert nur mit motivierten und empathischen Führungskräften, die sich mit Menschen auskennen. Deswegen ist es wichtig, dass die Führungskräfte eine hervorragende Menschenkenntnis besitzen und sich auf die Mitarbeiter einlassen. Mitarbeitergespräche, Teammeetings und Workshops sind hierfür der geeignete Rahmen.

Je nach Gesprächsumfeld können die individuellen Anliegen einzelner Mitarbeiter oder die Funktionalität und die Arbeitsweise eines gesamten Teams reflektiert und besprochen werden. Hierbei sind exzellente Kommunikationstechniken und ein hohes Einfühlungsvermögen gefragt.

Eine sehr wichtige Eigenschaft von Führungskräften in einer humanistischen Führungskultur ist die Analyse und Bewertung von Zahlen und Fakten. Exzellente Führungskräfte glauben nicht einfach nur, dass ihr Betrieb gut läuft und die Angestellten zufrieden sind. Stattdessen werden solche Beurteilungen anhand konkreter Fakten auf ihre Richtigkeit hin geprüft. Hierbei ist entscheidend, dass die reinen Fakten weitestgehend von menschlichen Einflussfaktoren befreit werden.

Führungskräfte reden sich nämlich gern ein, dass ihr Führungsstil funktioniert. Demgegenüber geben Angestellte aus Angst vor Repressalien oft an, dass sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind, selbst wenn das nicht stimmt. Anonyme Umfragen sind daher ein hilfreiches Werkzeug, um zu einer offenen, ehrlichen und schonungslosen Analyse zu kommen.

Humanistische Führungskultur
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Humanistische Führungskultur nimmt Emotionen ernst

Gerade älteren Führungskräften fällt es oft schwer, sich auf weiche Kriterien bei der Führung einzulassen. Alles, was nicht messbar und durch Zahlen und Fakten belegbar ist, halten sie oft für irrelevant. Das gilt leider viel zu oft auch für Emotionen. Solche Führungskräfte wünschen sich, dass die Mitarbeiter ihre Gefühle an der Bürotür abgeben und erst nach Feierabend wieder abholen.

Das funktioniert aber selbstverständlich nicht. Ein Großteil unserer Entscheidungen und Verhaltensweisen stützt sich nicht auf sachliche, neutrale Fakten, sondern auf Emotionen und Empfindungen. Emotionen haben im Berufsalltag eine enorme Bedeutung und sollten daher ernst genommen und berücksichtigt werden.

Geschieht dies nicht, drohen ernste Konsequenzen. Wenn ein Mitarbeiter am Sonntag Angst davor hat, am Montag ins Büro zu müssen, wirkt sich das negativ auf die Motivation und damit auf die Produktivität aus. Zudem belegen zahlreiche Studien deutlich, dass die Psychologie oftmals konkrete Auswirkungen auf unsere körperliche Gesundheit hat.

Wer Angst vor dem Chef hat oder sich von den Mitarbeitern gemobbt fühlt, wird häufiger krank, was hohe Kosten für den Betrieb verursacht. Es ist somit im Interesse aller, dass Führungskräfte die Emotionen ihrer Angestellten ernst nehmen und gezielt auf sie eingehen.

Das Menschenbild der humanistischen Führungskultur

Die humanistische Führungskultur überwindet das veraltete Bild vom Menschen als „biologische Maschine“. Lange Zeit gingen Unternehmen davon aus, dass Angestellte lediglich nützliche Werkzeuge seien, derer sie sich bei Bedarf bedienen können. Speziell die Arbeit am Fließband im industriellen Zeitalter hat aber gezeigt, dass dem nicht so ist. Menschen sind an den monotonen Aufgaben, die diese Arbeit mit sich brachte, kaputt gegangen – sowohl körperlich als auch geistig.

Menschen sind nicht dafür gemacht, stupide Aufgaben immer und immer zu wiederholen. Sie möchten einen Sinn in ihrer Arbeit finden, an interessanten Projekten mitwirken und sich und ihre Ideen für das Unternehmen einbringen.

Deswegen wird der Mensch bei der humanistischen Führung als ein kreatives und kostbares Individuum angesehen und behandelt. Die Führungskräfte interessieren sich für ihre Angestellten und gehen auf deren Wünsche, Hoffnungen und Sorgen individuell ein. Das betrifft sowohl die arbeitsrelevanten Aspekte als auch die private Situation jedes und jeder Einzelnen.

Die Gewinnmaximierung steht bei der humanistischen Führungskultur nicht im Vordergrund, sondern angenehme und menschenwürdige Arbeitsweisen. Hierdurch lassen sich negative Entwicklungen wie Burn-out, Überforderung, Angst oder innerliche Kündigungen präventiv vermeiden.

Häufige Fehler beim Einsatz humanistischer Führungskultur

In der humanistischen Führungskultur kommt es immer wieder zu Fehlern und Schwierigkeiten, die den Erfolg dieses Führungsstils gefährden. Ein Beispiel hierfür ist, Führungskräfte einzusetzen, die sich nicht für Menschen interessieren. Wenn ein Computerspezialist sich perfekt mit modernen Geräten und Techniken auskennt, macht das diese Person noch lange nicht zu einer guten Führungskraft.

Fachwissen und Sachkompetenz sind nämlich nur zwei von vielen Fähigkeiten, die eine Führungskraft in der humanistischen Führungskultur besitzen muss. Wenn jemand also lieber im stillen Kämmerlein revolutionäre Ideen entwickelt und umsetzt, ist das ein Gewinn. Als Führungskraft sollte aber dennoch jemand anderes ausgewählt werden.

Ein weiteres Problem ist die Überbetonung von Emotionen. Natürlich ist es wichtig, über Ängste, Schwierigkeiten und Probleme im Privatleben zu sprechen, um ein effizientes Arbeitsklima erzeugen zu können.

Allerdings dürfen hierdurch die Sachfragen nicht aus dem Blickfeld geraten. Deswegen ist es wichtig, für unterschiedliche Themen jeweils eigene Bereiche und Gelegenheiten zu schaffen. In einem sachbezogenen Teammeeting ist nicht die Zeit für personenbezogene Befindlichkeiten. Demgegenüber haben die persönlichen Emotionen in einem Mitarbeitergespräch sehr viel Platz verdient.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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