• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Führung von Azubis – Tipps für Arbeitgeber

contrastwerkstatt / Fotolia

Das Jahr 2017 brachte deutschen Arbeitgebern über 523.000 neue Auszubildende – eine Gruppe, der in jedem Unternehmen besondere Beachtung zukommt. Die jungen Leute, die mit einer Ausbildung ihre ersten Schritte auf dem Arbeitsmarkt gehen, bedürfen gerade zu Beginn Ihrer Lehre intensiver Betreuung. Den Azubis muss nicht nur das nötige Fachwissen nahegebracht, sondern auch soziale und arbeitsrechtliche Basics vermittelt werden. In diesem Artikel lesen Sie, welche Besonderheiten es bei der Mitarbeiterführung von Auszubildenden gibt, was Sie dabei beachten sollten und wie Sie Ihre Azubis langfristig motivieren und so führen können.

Auszubildende richtig führen: Das müssen Sie wissen

Die Führung von Azubis unterscheidet sich aus diesem Grund von der Mitarbeiterführung eines eingespielten Teams – es bedarf gerade bei jungen Leuten, die noch keine Arbeitsroutine und tiefer gehende Erfahrung haben, an Feingefühl. Notwendig für die Mitarbeiterführung vor allem von Auszubildenden ist ebenfalls soziale Kompetenz, Empathie und Verständnis für die jüngere Generation.

Gerade mit dem Eintritt der Generation Y, Z und der Millenials in den Arbeitsmarkt hat sich einiges verändert: Während vor 20 Jahren noch Gehaltsspritzen, Boni und Dienstwagen die Motivation hochhalten konnten, zählen jetzt andere Werte. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance und ausgedehntes Feedback nehmen immer mehr an Relevanz zu, wie auch unser Artikel Motivation in der Ausbildung zeigt. Wer sich am Zeitgeist, den Trends und aktuellen Entwicklungen orientiert, ist für die Führung der Auszubildenden sicherlich gut geeignet.

Tipp: Es erweist sich als sinnvoll, vor allem motivierte Personen für die Azubi-Führung oder als erste Ansprechpartner für die Auszubildenden auszuwählen. Diese Aufgabe sollte niemandem zugeteilt werden – ratsam ist es, innerhalb der Belegschaft nach Freiwilligen zu suchen. Wer Freude an der Arbeit mit jungen Menschen hat, wird die Aufgabe automatisch besser erledigen als jemand, der lieber mit Erwachsenen bzw. im eingespielten Team arbeitet.

Die Motivation durch Führung der Auszubildenden hochhalten

Teamwork, Motivation, Mitarbeitermotivation, Azubis
© Jacob Lund – shutterstock

Das wichtigste Kapital, das Auszubildende in Ihren Betrieb bringen, ist Motivation. Und diesen Punkt müssen Sie bei der Führung Ihrer Auszubildenden im Fokus haben. Wenn die jungen Menschen motiviert sind, ist das die beste Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und Arbeiten.

Deswegen besteht eine zentrale Aufgabe für Sie darin, die Flamme der Motivation in Ihren Schützlingen zu entzünden und am Lodern zu halten. Gerade zu Beginn einer Ausbildung ist es wichtig, begeisterungsfähig zu sein und neue Dinge ausprobieren zu wollen. Häufig müssen Sie hier nur erste Anregungen und Impulse geben, schon stürzen sich die Auszubildenden begeistert in neue Projekte.

Mit den Monaten und Jahren vergeht diese erste Euphorie. Es schleichen sich Gewohnheitsprozesse ein und die Arbeit bekommt Routine und hat selten Neues zu bieten. Jetzt sind Sie als Führungskraft gefragt, die Motivation hochzuhalten. Durch eine geeignete Führung der Auszubildenden müssen Sie verhindern, dass die Azubis die Arbeit als langweilig empfinden.

Denn wenn sie nicht mit dem nötigen Elan bei der Arbeit sind, droht eventuell ein Ausbildungsabbruch oder ein freudloser Beruf. Sie sind also gefragt, immer wieder neu für Motivation zu sorgen. Hierfür gibt es verschiedene Strategien und Techniken, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen:

Grundvoraussetzungen für Motivation

Die Arbeit an der Motivation beginnt nicht erst mit der Führung Auszubildender, sondern bereits mit deren Auswahl. Ein Hauptziel besteht darin, jemanden zu finden, der oder die für den Beruf und die Ausbildung brennt. Wenn Sie jemanden wählen, der nur irgendeine Ausbildung sucht, fehlt es von Anfang an an Motivation. Ein zweiter Schritt besteht darin, die richtigen Rahmenbedingungen für Motivation zu schaffen.

Hierzu gehören zum Beispiel eine angemessene Ausbildungsvergütung und ein eigener Arbeitsbereich. Außerdem ist es wichtig, dass die Auszubildenden konkrete Mentoren und Ausbilder haben und sich nicht allein gelassen fühlen. Zudem sorgt eine positive Grundhaltung für Motivation. Wenn Sie Ihre Auszubildenden morgens fröhlich begrüßen, haben diese ebenfalls Lust zu arbeiten. Erwecken Sie den Eindruck, dass Sie keine Lust auf gar nichts haben, färbt das ebenfalls ab.

Motivation durch Verantwortung

Motivation lässt sich wunderbar durch Verantwortung erzeugen. Vermitteln Sie Ihren Auszubildenden daher frühzeitig das Gefühl, dass Sie ihnen vertrauen. Schon in den ersten Wochen ist es möglich, sie mit kleinen Projekten zu betrauen und ihnen weitestgehende Eigenständigkeit zu gewähren. Natürlich sollten Sie immer wieder den Fortschritt, die Methoden und die Ergebnisse prüfen. Solange aber alles in Ordnung ist, sollten Sie Ihren Schützlingen freie Hand lassen.

Mit der Zeit steigern Sie den Grad an Verantwortung. Ihre Auszubildenden haben jetzt genug Wissen und Fähigkeiten erlangt, um selbst größere Projekte zu meistern. Hierdurch fördern Sie die Selbstständigkeit Ihrer Schützlinge. Diese sind nicht nur praktische Handlanger, die Ihre Anweisungen ausführen. Stattdessen denken sie eigenständig und kommen auf praktikable und ökonomische Lösungen. Wenn dies zu guten Ergebnissen und Anerkennung führt, bleibt ihre Motivation ungebrochen.

Lob und Anerkennung im richtigen Verhältnis

Lob und Anerkennung sind der Schlüssel zu Motivation am Arbeitsplatz, sie wollen aber behutsam eingesetzt sein. Zu viel Lob führt leicht zu Selbstüberschätzung. Ihre Auszubildenden gehen dann davon aus, alles zu können, was schnell zu Fehlern führt. Gleichzeitig verliert Ihr Lob an Wert, wenn Sie es inflationär verwenden.

Bei der optimalen Führung Auszubildender sagen Sie ihnen daher nicht bei jeder Kleinigkeit, wie toll sie sind. Denn das hat das für sie keine Bedeutung. Eine zentrale Aufgabe von Führungskräften besteht darin, ein gesundes Mittelmaß für Lob und Anerkennung zu finden.

Kleine Projekte und Zielsetzungen

Eine Ausbildung erstreckt sich in der Regel über drei Jahre. Das ist gerade für Jugendliche ein sehr langer Zeitraum. Deswegen ist es wichtig, diese Zeit in Etappen zu gliedern. So wissen Sie und Ihre Auszubildenden, welche Ergebnisse bis zu welchem Zeitpunkt erreicht sein sollen. Nehmen Sie also nicht immer gleich das große Ganze in den Blick. Das kann leicht erschrecken und überfordern. Bauen Sie stattdessen kleine Projekte in die Ausbildung ein.

Legen Sie im Rahmen der Führung Ihrer Auszubildenden fest, bis zu welchem Zeitpunkt eine bestimmte Fähigkeit perfektioniert sein soll. Wenn das gelingt, ist das ein massiver Motivationsschub für die Auszubildenden. Erreichen Sie die Zielsetzungen nicht, können Sie Anpassungen vornehmen.

So überraschen Sie Probleme und Schwierigkeiten nicht erst kurz vor Prüfungen, wenn es fast zu spät ist, etwas zu ändern. Wichtig ist, dass Sie Ihre Auszubildenden gleichermaßen fördern und fordern. Nur dann sind sie in der Lage, die Zwischenziele zu erreichen und ihre Projekte zu bewältigen.

Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Respekt ist einerseits eine Selbstverständlichkeit. Er ist aber gleichzeitig das schönste Lob, das Sie Auszubildenden machen können. Auch wenn Sie der Führer der Auszubildenden sind und ihnen daher übergeordnet: Vermitteln Sie ihnen das Gefühl, dass sie wichtige Teammitglieder in Ihrem Unternehmen sind. Behandeln Sie sie keinesfalls als Handlanger oder Mädchen für alles.

Stattdessen sollten Sie sie in Projekte einbinden und an Entscheidungsprozessen teilhaben lassen. Natürlich muss die letzte Entscheidung bei Ihnen liegen. Immerhin tragen Sie die Verantwortung. Dennoch ist es wichtig, mit Ihren Auszubildenden auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, um deren Motivation zu bewahren.

Verdienen Sie sich Respekt bei Ihren Auszubildenden

Angst kann man schüren, Respekt muss man sich erarbeiten. Die große Kunst der Führung von Auszubildenden besteht darin, sich deren Respekt zu verdienen. Hierfür ist es wichtig, dass Ihre Azubis Ihre Fähigkeiten und Ihr Wissen anerkennen. Respekt entsteht unter anderem dadurch, dass wir die Kompetenz einer anderen Person bewundern. Nutzen Sie daher Ihre Erfahrung und Ihre Expertise, um bei Ihren Auszubildenden als kompetent und professionell zu gelten.

Des Weiteren gewinnen Sie Respekt, indem Sie die richtige Balance zwischen Fordern und Fördern finden. Für Auszubildende ist es vollkommen in Ordnung, dass es Spielregeln und Vorschriften gibt. Voraussetzung hierfür ist, dass diese Regeln verständlich sind und nicht willkürlich und einseitig verändert werden dürfen. Stellen Sie also zu Beginn der Ausbildung klare Regeln auf, an die sich die Auszubildenden halten müssen. Tun Sie dies, erhalten Sie besondere Rechte und Privilegien. Hierzu zählen zum Beispiel größtmögliche Freiheit und Mitspracherechte.

Seien Sie konsequent bei allem, was Sie tun

Konsequenz ist eine wichtige Eigenschaft von Führungskräften. Das gilt auch bei der Führung Auszubildender. Sie müssen ihnen das, was Sie predigen, selbst vorleben. Ansonsten gelten Sie schnell als Heuchler und niemand nimmt das, was Sie sagen, ernst. Konsequenz bedeutet also, dass Ihr Wort Bestand hat und dass Sie es halten.

Versprechen Sie Ihren Auszubildenden ein attraktives Projekt, wenn sie ihre Arbeit gut erledigen? Dann müssen Sie zu diesem Wort stehen. Kündigen Sie eine Prüfung der Ergebnisse eines Projekts an? Dann muss eine solche Prüfung tatsächlich stattfinden. Ansonsten schleicht sich leicht der Schlendrian ein, weil niemand befürchten muss, dass Sie tatsächlich eine Prüfung durchführen.

Konsequenz bedeutet aber auch, die Einhaltung der festgelegten Spielregeln einzufordern. Das bedeutet nicht, dass Sie Auszubildende, die mehrfach zu spät kommen, gleich abmahnen müssen. Sie sollten das Problem aber offen ansprechen. Häufig ist das den Betroffenen so peinlich, dass sie in Zukunft immer pünktlich kommen.

Ist das nicht der Fall, können Sie immer noch mit einer Abmahnung drohen. Führt auch das nicht zu dem gewünschten Ergebnis, muss die angekündigte Abmahnung auch kommen. Nur ein solch konsequentes Verhalten führt dazu, dass auch Ihre Auszubildenden konsequent sind.

Den richtigen Führungsstil wählen

Für Führungskräfte gibt es eine große Zahl an Führungsstilen, aus denen sie wählen können. Diese bringen jeweils eigene Stärken und Schwächen mit sich. Wir stellen Ihnen drei dieser Führungsstile vor, die in vielen Betrieben Anwendung finden.

Autoritärer Führungsstil

Beim autoritären Führungsstil geben Sie als Führungskraft alles vor. Ihre Auszubildenden sind letztlich nur Erfüllungsgehilfen oder nützliche Werkzeuge. Sie haben keine eigene Entscheidungsgewalt, sondern müssen sich an Ihre Anweisungen und Vorgaben halten. Hierdurch behalten Sie als Führungskraft die Kontrolle. Sie halten alle Fäden in der Hand und wissen über alles Bescheid.

Allerdings schädigt diese Art der Führung die Motivation. Immerhin dürfen die Auszubildenden nicht selbstständig entscheiden. Entsprechend sehen sie keine Veranlassung, kreativ zu sein und Ideen einzubringen. Diese Ideen gehen dem Betrieb verloren und die Angestellten machen nur noch Arbeit nach Vorschrift.

Laissez-faire Führungsstil

Beim Laissez-faire Führungsstil lassen Sie einfach alles laufen. Ihre Auszubildenden dürfen alles so machen und handhaben, wie sie es für richtig halten. Das bringt den Vorteil mit sich, dass Ihre Schützlinge schnell sehr eigenständig arbeiten. Sie bekommen keine Anweisungen, sondern müssen eigene Lösungen für Probleme finden. Das weckt ihre Kreativität und ist bei Erfolg sehr motivierend.

Allerdings besteht die Gefahr einer Überforderung oder eines Missbrauchs. Auszubildende sind vielfach noch nicht in der Lage, fundierte, sachgerechte Entscheidungen zu treffen. Außerdem fehlt es ihnen gelegentlich an den Kenntnissen oder den Fähigkeiten, um ein Problem zu meistern. Hier macht sich auch die fehlende Berufserfahrung bemerkbar. Im schlimmsten Fall droht ein heilloses Durcheinander, weil Sie die Azubis sich selbst überlassen haben.

Kooperativer Führungsstil

Der kooperative Führungsstil ist eng mit dem demokratischen Führungsstil verwandt. Er stellt quasi eine Mischform der ersten beiden Führungsstile dar. Einerseits bekommen die Auszubildenden klare Vorgaben und einen festen Rahmen, in dem sie sich bewegen dürfen. Gleichzeitig stehen ihnen Freiräume offen, um kreativ zu sein und sich selbst zu verwirklichen.

Diese Art der Führung ist für Sie als Führungskraft am anstrengendsten. Sie müssen sich mit den Auszubildenden auseinandersetzen und genau das richtige Maß zwischen Eingreifen und Machenlassen finden. Auf lange Sicht lohnt sich diese Investition aber. Daher ist dieser Führungsstil für die Führung Auszubildender gut geeignet.

Empathie als Schlüssel zu erfolgreichem Führen

Eine gute Führung von Auszubildenden bedeutet immer, sich in die Azubis hineinversetzen zu können. Das ist besonders dann wichtig, wenn es mehrfach zu Problemen und Störfällen kommt. Warum ist es so, dass die Produktivität einzelner Auszubildender plötzlich massiv sinkt? Wieso machen Sie vermehrt Fehler oder beherrschen Techniken nicht mehr, in denen sie schon einmal geglänzt haben? Eine gute Führungskraft hat die Aufgabe, solchen Fragen auf den Grund zu gehen. Hierfür ist es wichtig, sich in die Lebenswelt der Azubis hineinversetzen zu können. Das gelingt nur durch soziale Kompetenz und Verständnis.

Ausbildende müssen daher immer ein gewisses psychologisches Talent mitbringen. Ist die sinkende Motivation eine natürliche Entwicklung aufgrund der langen Ausbildung? Oder stecken doch tiefer gehende Ursachen dahinter. Um dies herauszufinden, sind ausführliche Gespräche mit den betroffenen Auszubildenden wichtig.

Gehen Sie hierbei aber behutsam um und arbeiten Sie nicht mit der Holzhammermethode. Jugendliche mögen es zumeist gar nicht, wenn man in ihrem Seelenleben herumdoktert. Seien Sie daher subtil, aber beharrlich auf der Suche nach den Ursachen. Und lassen Sie nicht nach, bis Sie diese gefunden haben.

Empathie, Mitgefühl
© Pressmaster – shutterstock

Gängige Fehler im Umgang mit Azubis

Einige Fehler treten bei der Führung von Auszubildenden immer wieder auf. Das liegt häufig daran, dass die Ausbilder selbst noch unerfahren oder unsicher sind. Häufig führen diese Fehler zu einer gestörten Zusammenarbeit mit den Auszubildenden. Damit Sie diese Fehler vermeiden können, stellen wir Sie Ihnen im Folgenden genau vor:

Sie sind der beste Freund Ihrer Auszubildenden

Als Führungskraft müssen Sie eine gewisse Distanz zu Ihren Schützlingen wahren. Es spricht nichts dagegen, dass Sie sich gut verstehen und gemeinsam Witze machen. Sie dürfen sich aber nicht mit ihnen verbrüdern. Ansonsten ist es unmöglich, zu einer Respektsperson zu werden und ein konsequentes Handeln einzufordern. Buhlen Sie also nicht um die Gunst Ihrer Auszubildenden, sondern seien Sie das, was Sie sind: ihr Mentor, Vorgesetzter, Ansprechpartner und Ausbilder.

Sie verbieten Ihren Auszubildenden die Eigenständigkeit

Ein zu ausgeprägter autoritärer Führungsstil ist Gift für die Kreativität und damit für die Führung von Auszubildenden. Ebenso ist Angst bei der Führung von Auszubildenden ein schlechter Ratgeber. Einige Ausbilder fürchten, dass ihre Schützlinge etwas falsch machen oder sich verletzen könnten. Um dies zu verhindern, geben sie ihnen keine großen Aufgaben und sprechen ihnen keine Verantwortung zu. Die Azubis haben also keine Chance, eigenständig zu werden und unabhängig von ihrer Führungskraft zu arbeiten.

Sie sprechen Probleme nicht an

Probleme totzuschweigen löst sie nicht. Im Gegenteil, sie verschlimmern sich noch. Wenn Sie es nicht ansprechen, dass ein Azubi immer zu spät kommt, ändert sich nichts an der Situation. Sie ärgern sich bloß im Stillen und die Qualität der Zusammenarbeit leidet. Schlucken Sie Ihren Ärger also niemals hinunter, sondern sprechen Sie an, was Sie stört. Sie müssen keine Angst haben, das Verhältnis zu Ihren Schützlingen zu zerstören. Vielmehr stärken Sie es durch Ihre Ehrlichkeit und dadurch, dass Sie dem Problem proaktiv und ohne Vorwürfe begegnen.

Sie geben kein Feedback

Um sich entwickeln zu können, brauchen Azubis Feedback. Sie müssen wissen, wenn sie eine Aufgabe gut gemacht haben. Nur dann prägen sie sich ein, wie sie das geschafft haben. Ebenso wichtig ist es, dass Sie sie auf Fehler und Schwächen aufmerksam machen. Nur dann können sie daran arbeiten und diese aus der Welt schaffen. Nehmen Sie sich also die Zeit für regelmäßiges Feedback. Dieses kann mündlich erfolgen, schriftliches Feedback ist aber meist nachhaltiger. Die Auszubildenden können dann alle Punkte jederzeit in Ruhe nachlesen. Es empfiehlt sich, den einzelnen Azubis ihr Feedback einzeln zu geben. So stellen Sie niemanden vor der Gruppe bloß.

Sie lassen Ihre Auszubildenden alleine

Egal ob Sie es gut meinen oder zu bequem sind, es ist niemals gut die Auszubildenden allein zu lassen. Das gilt bei der Arbeit ebenso wie in Konfliktsituationen. Bei Streits mit Kollegen oder Mobbing wollen die Auszubildenden Vorgesetzte, auf die sie zählen können. Das bedeutet nicht, dass Sie sich immer auf die Seite der Auszubildenden schlagen müssen.

Es heißt aber, dass Sie als Ansprechpartner und Schlichter zur Verfügung stehen. Hören Sie sich beide Seiten an und treffen Sie erst danach eine wohlüberlegte Entscheidung. Diese muss konsequent sein und Sie müssen sie erläutern. Dann sind die Betroffenen vielleicht nicht mit der Entscheidung einverstanden, respektieren Sie aber als verlässliche Person. Dieser Respekt ist im täglichen Umgang miteinander viel wert.

Unterschätzen Sie Ihre Vorbildfunktion nicht

Viele Ausbildende wollen es nicht wahrhaben, aber Sie sind die Vorbilder Ihrer Schützlinge. So wie Sie mit der Arbeit umgehen und diese meistern, so tun es auch die Jugendlichen. Deswegen ist es zum Beispiel wichtig, dass Sie Ihre Werkzeuge pfleglich behandeln und mit Ihren Arbeitsutensilien sorgsam umgehen. Ebenso sollten Sie ein kollegiales Verhalten an den Tag legen und Ihren Auszubildenden und Mitarbeitern helfen. Teamfähigkeit entsteht nicht von selbst, sondern Sie müssen sie sich hart erarbeiten.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, authentisch zu sein. Bleiben Sie sich selbst treu und verbiegen Sie sich nicht. Ansonsten tun es Ihre Auszubildenden Ihnen nach. Weitere wichtige Aspekte sind, dass Sie pünktlich zur Arbeit erscheinen und immer alle Sicherheitsbestimmungen einhalten. Wenn Sie es tun, sehen die Azubis einen Grund es ebenfalls zu tun. Unterschätzen Sie niemals die Macht der Vorbildfunktion. Das gilt für positives wie negatives Verhalten gleichermaßen.

Die Pflichten eines Ausbilders

Sobald ein Ausbildungsvertrag von allen Seiten unterzeichnet wurde, verpflichten sich die Parteien, die vertraglichen Bedingungen zu akzeptieren und auszuführen. Der Ausbilder hat ebenso wie der Auszubildende eine Reihe an Pflichten zu erfüllen. Diese beschränken sich nicht nur auf die korrekte Führung von Auszubildenden im Sinne von Arbeitsanleitungen, sondern auch auf weitere Punkte.

Besonders die ärztlichen Untersuchungen sind ein wichtiger Teil davon. Diese müssen bereits vor einem Beginn der Ausbildung erfolgen. Möchte ein Ausbilder jugendliche Auszubildende ausbilden, so ist eine Erstuntersuchung laut den §§ 32 und 33 des JArbSchG notwendig. Oftmals muss auch vor dem Ablauf des ersten Lehrjahres eine entsprechende Nachuntersuchung erfolgen.
Genauso wie medizinische Voraussetzungen spielen bei der Führung von Auszubildenden aber auch korrekte Verträge eine Rolle. So ist ein Ausbildender gemäß des § 10 des Berufsbildungsgesetzes verpflichtet, mit dem Auszubildenden einen Berufsausbildungsvertrag zu schließen.

Zudem muss laut dem § 11 des BBiG auch der ausbildungsrelevante Vertragsinhalt direkt nach dem Vertragsabschluss schriftlich festgehalten werden. Eine Ausfertigung des unterzeichneten Vertrags ist dem Auszubildenden und dessen gesetzlichen Vertreter auszuhändigen. Dies betrifft ebenso auch etwaige Vertragsänderungen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Eintragung bei den zuständigen Stellen vom Ausbildenden schnellstmöglich erfolgen muss. Hier sind der schriftliche Vertrag sowie etwaige Änderungen des Inhaltes laut dem § 36 des BBiG unverzüglich beizufügen.

Des Weiteren muss der Ausbildender noch vor dem Start der Ausbildung gemäß der Ausbildungsordnung und im Rahmen seiner Verpflichtung zur Führung von Auszubildenden einen betrieblichen Ausbildungsplan anfertigen. Dieser ist dem Auszubildenden kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise ist laut § 14 BBiG gewährleistet, dass die strukturierten Inhalte sachlich, zeitlich und planmäßig vermittelt werden und das Ausbildungsziel optimal erzielt wird.

Die Kriterien der Ausbildungspflicht

Dieser Punkt betrifft die Führung von Auszubildenden im engeren Rahmen bezogen auf Anleitungen und der Vermittlung von Ausbildungsinhalten. Denn laut § 14 Abs. 1 Nr. 1 BBiG besteht für den Ausbildenden eine Ausbildungspflicht. Demnach muss der Ausbildende dem Auszubildenden sämtliche Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die auf das Erreichen des Ausbildungsziels abzielen.
Der Ausbildende muss die Ausbildung sachlich, planmäßig sowie zeitlich gliedern, um das Erreichen des Ausbildungsziels in der vorher vereinbarten Ausbildungszeit zu gewährleisten. Dies umfasst auch Ausbildungsinhalte, die im Normalfall nicht im Unternehmen vermittelbar sind. In so einem Fall muss der Ausbildende dafür sorgen, dass geeignete außerbetriebliche Lernorte für die Auszubildenden zur Verfügung stehen.

Ebenso sieht es mit erforderlichen Ausbildungsmitteln aus. Eine korrekte Führung von Auszubildenden sieht auch vor, diesen die erforderlichen Mittel an die Hand zu geben. Diese sind gemäß § 14 Abs. 1 Nr. 3 des BBiG den Auszubildenden kostenlos zur Verfügung zu stellen. Insbesondere für Werkstoffe und Werkzeuge trifft dieser Aspekt zu, wenn sie für die Ausbildung sowie für die Absolvierungen der Zwischen- und Abschlussprüfungen notwendig sind.

Die kostenlose Bereitstellung dieser Mittel muss auch dann erfolgen, wenn die Prüfungen nach dem Ende des Ausbildungsverhältnisses stattfinden. Dies ist von den Ausbildern bei der Führung von Auszubildenden zu beachten und sicherzustellen. Je nach Ausbildungsberuf sind im Allgemeinen natürlich verschiedene Ausbildungsmittel relevant. Allerdings haben die Auszubildenden keinen Anspruch auf Eigentum oder Besitz. Lediglich ein bestimmungsgemäßer Ver- bzw. Gebrauch wird beschlossen.

Die kostenlose Bereitstellung gilt jedoch nicht für Lernmittel der Auszubildenden. Ein Unternehmen ist demnach nicht verpflichtet, seinen Lehrlingen entsprechende Lernmittel für die Berufsschule zur Verfügung zu stellen. Diese Mittel müssen die Lehrlinge aus eigener Tasche finanzieren. Ähnlich sieht das auch bei Lernmitteln aus, die parallel für den Betrieb sowie für die Berufsschule notwendig sind. Als gutes Beispiel wäre hier ein Taschenrechner zu nennen.

Die Kontrolle des Ausbildungsnachweises

Eine weitere wichtige Pflicht eines Ausbilders bei der Führung von Auszubildenden betrifft das Ausbildungsnachweisheft. Denn laut § 14 Abs. 1 Nr. 4 des BBiG ist das Anhalten der Lehrlinge zum Führen eines Ausbildungsnachweisheftes Aufgabe des Ausbilders. Auch die Durchsicht des Berichtsheftes zählt hierzu. In den Ausbildungsverordnungen wird das Führen eines schriftlichen Ausbildungsnachweises sogar vorgeschrieben.

Darüber hinaus ist in diesen Verordnungen auch festgelegt, dass den Lehrlingen während der Arbeitszeit die Gelegenheit zum Führen des Nachweises einzuräumen sind. Der Ausbildender muss hierbei eine aktive Begleitung bei der Führung des Nachweises sein und im Bedarfsfall auf entsprechende Mängel hinweisen.

Das Ausbildungsnachweisheft ist ein Ausbildungsmittel, das den Lehrlingen kostenlos zur Verfügung zu stellen ist. Entsprechende Nachweise können aber auch auf dem Internetauftritt der IHK kostenlos heruntergeladen werden.

Die Freistellungspflicht und die erweiterte Fürsorgepflicht

Zur Erreichung des optimalen Ausbildungsziels müssen die Auszubildenden neben dem praktischen Einsatz auch die Berufsschule regelmäßig besuchen. Die Überwachung und Kontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Aufgaben einer Führung von Auszubildenden.

Laut § 15 des BBiG muss der Ausbildende seine Lehrlinge für den Berufsschulunterricht freistellen. Darüber hinaus ist der Ausbildende gemäß § 14 Abs. 1 Nr. 4 BBiG auch verpflichtet, die Lehrlinge zu dem Besuch der beruflichen Schule anzuhalten. Dasselbe gilt auch für sämtliche Maßnahmen außerhalb eines Berufsschuleinsatzes, sofern diese vorgeschrieben beziehungsweise im Vorfeld vertraglich vereinbart wurden.

Des Weiteren hat ein Ausbildender eine sogenannte erweiterte Fürsorgepflicht. Da ein Ausbildungsverhältnis nicht nur ein begründetes Arbeitsverhältnis darstellt, sondern vor allem auch ein gewisses Erziehungsverhältnis, ist hierbei im Rahmen der Führung von Auszubildenden einiges zu beachten. Denn neben einer beruflichen Entwicklung muss auch eine charakterliche Förderung durch den Ausbildenden erfolgen.

Weiterhin ist der Ausbildende laut § 14 Abs. 1 Nr. 5 BBiG dafür verantwortlich, dass die Lehrlinge in keiner Weise einer sittlichen oder körperlichen Gefahr ausgesetzt sind. Auch ist es verboten, den Auszubildenden ausbildungsfremde Tätigkeiten zu übertragen. Im § 14 Abs. 2 BBiG steht hierzu, dass nur Aufgaben übertragen werden dürfen, die dem Ausbildungszweck dienlich und den körperlichen Kräften der Auszubildenden angemessen sind. Ein grober Verstoß gegen diesen Paragrafen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer entsprechenden Geldbuße bis zu 5.000,00 Euro geahndet wird.

Die Vergütungspflicht, Prüfungsanmeldung und Zeugniserstellung

Eine weitere wichtige Pflicht bei der Führung von Auszubildenden ist es, die Auszubildenden in einer angemessenen Höhe zu vergüten. Dabei richtet sich Vergütung nach dem Alter des Lehrlings. Im Laufe der Ausbildung muss die Vergütung nach dem § 17 Abs. 1 BBiG mindestens jährlich ansteigen.

Entsprechende Sachleistungen können in diesem Zusammenhang in der Höhe der festgelegten Sachbezugswerte angerechnet werden. Allerdings dürfen sie nicht mehr als 75 % der Bruttovergütung betragen. Falls eine über die vertraglich vereinbarte tägliche Arbeitszeit hinausgehende Mehrarbeit stattfindet, so muss diese besonders vergütet oder aber durch Freizeit ausgeglichen werden.

Weiterhin sind bei der korrekten Führung von Auszubildenden gemäß § 15 BBiG Lehrlinge rechtzeitig für die jeweiligen Zwischen- und Abschlussprüfungen anzumelden und freizustellen. Nach dem Ende der Ausbildung ist der Ausbildende verpflichtet, seinen Lehrlingen ein schriftliches Zeugnis zu erstellen und auszuhändigen. In diesem Zeugnis müssen die Dauer, Art sowie das Ziel der Ausbildung formuliert sein. Aber auch die erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse innerhalb der Ausbildung müssen schriftlich festgehalten werden.

Der Auszubildende kann überdies verlangen, dass Angaben über die Leistung, Führung oder weitere besondere berufliche Fähigkeiten im Zeugnis aufgenommen werden. Das Zeugnis muss schriftlich ausgehändigt werden und darf laut dem §16 BBiG nicht in elektronischer Form vermittelt werden.

5 To-dos im Umgang mit Azubis

Die nachfolgenden 5 Tipps und Tricks geben Ihnen erste Impulse für die erfolgreiche Führung von Auszubildenden im eigenen Betrieb.

1. Es gibt keine dummen Fragen!

Stellen Azubis proaktiv sinnvolle und weiterführende Fragen, ist das ein sehr gutes Zeichen. Der Auszubildende interessiert sich für seine Tätigkeit, wendet Transferwissen an und will mehr wissen. Hier sollten Führungskräfte und Ausbilder geduldig antworten – vorausgesetzt, es handelt sich um echtes Interesse und nicht darum, Arbeit zu vermeiden.

2. Ehrlich währt am längsten

Sind Sie mit der Leistung Ihrer Nachwuchskraft nicht zufrieden, sollten Sie das sachlich thematisieren. Eine ebenso offene und respektvolle Gesprächskultur darf auch der Azubi nutzen, um Ihnen Feedback zu geben. Hier sollte keine Angst vor Sanktionen vorherrschen.

3. Feedback zur Regel werden lassen

Regelmäßige Feedback-Runden werden gerade von jüngeren Arbeitnehmern gerne angenommen. Sprechen Sie hierbei nicht nur Tadel, sondern auch Lob aus. Wer sich unsicher ist, kann im Rahmen von Seminaren und Weiterbildungen verschiedene Feedback-Methoden erlernen.

4. Teambuilding? Gerne!

In viele Betrieben – gerade dort, wo es mehrere Azubis gibt – erfreuen sich Teambuilding-Events immer größerer Beliebtheit. Ob gemeinsames Kochen, ein Ausflug im Kanu oder doch der Besuch einer Fachmesse: Wenn sich die Auszubildenden auch außerhalb ihrer Tätigkeit im Job kennenlernen, hat das positive Effekte auf den firmeninternen Zusammenhalt.

5. Selbst als bestes Beispiel vorangehen

Wer selbst mit einem guten Beispiel vorangeht, beeindruckt durch Authentizität. Stichworte sind hier kollegiales Verhalten, Pünktlichkeit sowie ein achtsamer Umgang mit anderen.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160