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Unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz – Maßnahmen und Konsequenzen (inkl. Musterabmahnung)

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unentschuldigtes Fehlen

Es gehört zu den größten Ärgernissen für Arbeitgeber, wenn ein Mitarbeiter unentschuldigt dem Arbeitsplatz fernbeleibt. Nicht nur, weil er für seine Präsenz und Leistung bezahlt wird, sondern auch weil seine Abwesenheit vielfach unabdingbar ist. Um bei solch gravierenden Verstößen gegen den Arbeitsvertrag ein deutliches Zeichen zu setzen, sind sofortige Maßnahmen notwendig. Damit halten Sie sich für den Wiederholungsfall zudem die Konsequenz der fristlosen Kündigung offen. Was Sie unternehmen müssen, wenn der Arbeitnehmer durch Fehlen am Arbeitsplatz glänzt, erfahren Sie im Folgenden.

Fehlen kann zu Imageschaden und Umsatzverlust führen

Wenn ein Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheint, ist das im besten Falle ärgerlich. Vielleicht bleibt etwas im Büro liegen, aber die Kollegen können die Abwesenheit halbwegs ausgleichen. Mehr als ärgerlich ist es jedoch, wenn der Arbeitnehmer an einer kritischen Position im Unternehmen eingesetzt wird.

Beispiel: Erscheint ein Tankstellenmitarbeiter nicht zur Frühschicht, kann die oftmals mit nur einer Person besetzte Tankstelle nicht öffnen. Meldet dieser seine Abwesenheit nicht einmal beim Vorgesetzten, dauert es möglicherweise Stunden, bis dieser von der geschlossenen Tankstelle überhaupt erfährt.

In der Zwischenzeit wurden zahlreiche Kunden verärgert, die hier tanken, ihre Zeitung und ihren Kaffee kaufen wollten. Doch beim Imageschaden bleibt es nicht. Die verärgerten Kunden wenden sich gezwungenermaßen an die Konkurrenz. Während die Tankstelle geschlossen bleibt, können keine Umsätze erwirtschaftet werden. Ersatzpersonal muss aufwendig organisiert werden.

Verletzung der arbeitsvertraglichen Hauptpflichten

Dieses Beispiel macht deutlich, warum das unentschuldigte Fehlen am Arbeitsplatz eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Hauptpflichten darstellt. Es ist also alles andere als ein Kavaliersdelikt, den Urlaub eigenmächtig um ein paar Tage zu verlängern oder sich ohne Information an den Arbeitgeber einfach mal selbst krankzuschreiben. Juristen sprechen beim eigenmächtigen Freistellen von der Arbeit von Störungen im Leistungsbereich.

Auch wenn es sich um einen Verstoß gegen die Pflichten des Arbeitsvertrags handelt, können Sie den Mitarbeiter nicht einfach so entlassen. Das Arbeitsrecht setzt hohe Hürden für eine Kündigung. Voraussetzung ist vor allem, dass der Arbeitnehmer auf seine Pflichtverletzung und die möglichen Konsequenzen klar und deutlich hingewiesen wird.

Wichtigste Maßnahme: Abmahnen

Genau hierfür gibt es die Abmahnung. Sie dient nicht nur dazu, sich für die Zukunft juristisch abzusichern, sondern gibt Ihrem Arbeitnehmer auf die Chance zur Besserung. Diese fordert auch der Gesetzgeber. Gleichzeitig haben Maßnahmen wie die Abmahnung eine abschreckende Wirkung – auch im Kollegenkreis. Immerhin findet durch das unentschuldigte Fehlen oftmals auch eine Beeinträchtigung des Betriebsklimas statt, die den Unternehmenserfolg beeinträchtigen kann.

Wichtiger Hinweis: Alles, was hier über das unentschuldigte Fehlen am Arbeitsplatz geschrieben wird, gilt gleichermaßen für Auszubildende, die unentschuldigt in der Berufsschule fehlen. Auch unerlaubtes Entfernen vom Arbeitsplatz ist ein Vertrags- und Vertrauensbruch und hat in der Regel dieselben arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

 

Obwohl eine Abmahnung nicht an eine Form gebunden ist, sollte sie stets schriftlich erfolgen. So ist sichergestellt, dass ihr Inhalt auch später noch nachvollzogen werden kann. Beispielsweise wenn es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommt. Ein Exemplar erhält der Abgemahnte, also der Arbeitnehmer, und ein Exemplar verbleibt in der Personalakte.

Abmahnung wegen unentschuldigtem Fehlen am Arbeitsplatz

Inhaltlich gibt es einige Angaben, die in der Abmahnung nicht fehlen sollten, damit diese rechtlich Bestand hat und nicht von einem Rechtsanwalt oder ein einem Gericht beanstandet und für ungültig erklärt werden kann. Dazu zählen:

  • Grund für die Abmahnung
  • Darstellung des beanstandeten Sachverhaltes, inkl. Datum, Zeit und Ort
  • Probleme/Schaden, die/der durch das Fehlverhalten entstanden sind/ist
  • Darstellung des zu unterlassenden Verhaltens
  • Konsequenzen im Wiederholungsfall
Musterabmahnung
Abmahnung wegen unentschuldigtem Fehlen am Arbeitsplatz

Sehr geehrte/-r Frau/Herr …,

entgegen Ihrer arbeitsvertraglichen Verpflichtung sind Sie am … (Datum) um … (Zeit) nicht zur Arbeit am/in … (Standort, Filiale, etc.) erschienen. Über Ihr Fernbleiben vom Arbeitsplatz haben Sie Ihren Vorgesetzten weder im Vorfeld noch im Nachhinein informiert. Ferner fehlt bis heute jegliche Erklärung Ihrerseits zu dem Fehlverhalten.

Ihr unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz hat zu erheblichen Störungen im Betriebsablauf geführt, weshalb ich Sie hiermit abmahne. Ein solches Verhalten können und wollen wir in Zukunft nicht mehr dulden.

Zu Ihren arbeitsvertraglichen Pflichten gehört das pünktliche Erscheinen am Arbeitsplatz. Sollten Sie aus wichtigem Grund, zum Beispiel Krankheit, verhindert sein, haben Sie Ihren Vorgesetzten darüber unverzüglich zu informieren.

Sollte sich ein solcher Vorfall in Zukunft wiederholen, behalten wir uns das Recht einer – gegebenenfalls auch fristlosen – Kündigung des Arbeitsverhältnisses vor.

Eine Kopie dieser Abmahnung findet Eingang in Ihre Personalakte.

Mit freundlichen Grüßen

(Ort, Datum und Unterschrift Arbeitgeber)

 

Lassen Sie sich den Erhalt der Abmahnung von Arbeitnehmer stets unterschreiben, um im Zweifelsfall nachweisen zu können, dass Sie ihn tatsächlich über die Konsequenzen im Wiederholungsfall aufgeklärt und ihm die Möglichkeit zur Besserung gegeben haben.

Wichtiger Hinweis: Als Arbeitgeber müssen Sie nicht nachweisen, zu welchen konkreten Problemen oder zu welchem konkreten Schaden das unerlaubte Fernbleiben Ihres Arbeitnehmers geführt hat. Stattdessen wird davon ausgegangen, dass das Fehlen eines vollen Arbeitstages oder zumindest eines Großteils des Arbeitstages automatisch zu einer Störung oder zu einem Schaden führt.
Beweispflichtig sind Sie dann, wenn Sie von Ihrem Arbeitnehmer Schadensersatz wegen seines Fehlverhaltens fordern. Dieser kann jedoch nur durchgesetzt werden, wenn das Verhalten des Arbeitnehmers schuldhaft (vorsätzlich oder fahrlässig) war und der eingetretene Schaden auf die Pflichtverletzung des Arbeitnehmers zurückzuführen ist.

Fristlose Kündigung wegen eigenmächtiger Freistellung

Möchten Sie Ihrem Arbeitnehmer wegen des Nichterscheinens am Arbeitsplatz fristlos kündigen, muss gemäß § 626 Abs. 1 BGB ein wichtiger Grund dafür vorliegen. Ferner müssen alle Umstände des Einzelfalls berücksichtigt und die Interessen beider Seiten sorgfältig abgewogen werden. Entscheidend ist, ob Ihnen eine Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zur vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses zugemutet werden kann.

Handelt es sich um einen Großbetrieb mit zahlreichen Mitarbeitern, die das Fehlen eines Einzelnen zumindest temporär auffangen können, ist eine fristlose Kündigung vermutlich nicht verhältnismäßig, da die Weiterbeschäftigung bis zum Ende der Kündigungsfrist zumutbar ist.

In einem kleinen Handwerksbetrieb hingegen, in dem es durch das unentschuldigte Fehlen zu Verzögerungen bei der Abarbeitung von oder der Gefährdung ganzer Kundenaufträgen kommt, kann eine fristlose Kündigung verhältnismäßig sein. Vorausgesetzt der Angestellte wurde im Vorfeld aus gleichem Grund mindestens einmal, besser zweimal abgemahnt.

Eine fristlose Kündigung kann gemäß § 626 Abs. 2 BGB nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Lassen Sie diese Frist verstreichen, können Sie den Arbeitgeber nicht mehr mit sofortiger Wirkung freisetzen. Es ist deshalb ratsam, in einer fristlosen Kündigung hilfsweise auch die ordentliche Kündigung zum nächstmöglichen Termin zu erklären. So sind Sie für den Fall abgesichert, dass eine außerordentliche Kündigung unwirksam ist.

Achtung: Ein Knackpunkt kann sein, dass sich der Mitarbeiter nicht über sein Fehlverhalten im Klaren ist. Beispielsweise dann, wenn er Urlaub haben möchte, es jedoch für die Wahl des Urlaubszeitraums Einwände vom Arbeitgeber gibt, die der Angestellte nicht wahrnimmt. Obwohl der Arbeitnehmer Anspruch auf Gewährung seines Urlaubs hat, möglichst auch im gewünschten Zeitraum, bedarf dieser vorab der Zustimmung des Arbeitgebers.
Ohne Zustimmung handelt es sich um unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz. Eine fristlose Kündigung ist dennoch nicht möglich, da es weder einen wichtigen Grund gibt, noch eine vorherige Warnung in Form einer Abmahnung erfolgt ist.

Fazit: Grenzen aufweisen und Vorsorge treffen

Unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz sollte nicht ohne Konsequenzen bleiben, um den Mitarbeitern klar die Grenzen aufzuzeigen. Auch wenn es das erste Mal vorkommt, ist eine Abmahnung empfehlenswert, da diese einer Warnung gleichkommt. Vor allem sichern Sie sich damit aber für die Zukunft ab und können im Wiederholungsfall bei Bedarf auch eine Kündigung aussprechen. Ob eine außerordentliche Kündigung gerechtfertigt ist, entscheidet vor allem die Verhältnismäßigkeit und erfordert im Einzelfall eine genaue Abwägung.

Autor: Matthias Koprek

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