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Elternzeit: Das müssen Personaler wissen

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Elternzeit Personaler

Die Elternzeit ist nicht nur für werdende Mütter und Väter eine spannende Zeit: Um die Personalplanung managen zu können, müssen auch Mitarbeiter der Personalabteilung über alle Daten und Fakten rund um die Elternzeit Bescheid wissen. In diesem Artikel lesen Sie, wer Elternzeit beantragen darf und Anspruch auf Elterngeld hat sowie welche Neuerungen es diesbezüglich gibt.

Elternzeit: Wichtige Infos im Blick

In Deutschland können nahezu alle erwerbstätigen Personen Elternzeit beantragen: Sowohl der Vater als auch die Mutter haben Anspruch auf Elternzeit. Mit dieser geburtsbedingten Pause geht zugleich auch der Anspruch auf Elterngeld einher. Dabei handelt es sich um eine Leistung, die nicht der Arbeitgeber, sondern der Staat zahlt.

Frühestens mit der Geburt eines Kindes kann die Elternzeit beginnen. Nicht zu verwechseln ist die Elternzeit jedoch mit dem Mutterschutz, der nur (werdenden) Müttern zusteht. Im Rahmen des Mutterschutzes dürfen Frauen 6 Wochen vor der Geburt und bis zu 8 bzw. 12 Wochen nach der Geburt nicht arbeiten. Viele Mütter entscheiden sich, unmittelbar nach dem Mutterschutz auch in Elternzeit zu gehen.

Wichtig: Der Arbeitgeber darf einen Antrag auf Elternzeit nicht ablehnen.

Elterngeld: Wer hat Anspruch darauf?

Antragsberechtigt sind neben Angestellten und Beamten, auch Selbstständige, Studenten und Auszubildende. Um den Anspruch auf Elterngeld geltend zu machen, gibt es jedoch einige Grundvoraussetzungen:

  • Der ständige Wohnsitz muss in der Bundesrepublik Deutschland sein. Es gibt jedoch Ausnahmen für Grenzgänger und Ausländer.
  • Die Person, die den Elternurlaub antritt, darf gleichzeitig nicht vollständig erwerbstätig Teilzeitbeschäftigte haben einen Anspruch auf Elterngeld.
  • Wenn die Betreuung des Kindes nicht von den leiblichen Eltern übernommen wird, können dies auch Angehörige bis zum dritten Verwandtschaftsgrad des Kindes übernehmen.
  • Keinen Anspruch auf Elterngeld haben Personen, die zu den Topverdienern gehören. Dazu zählen alleinstehende Personen mit einem zu versteuernden Einkommen von über 250.000 Euro. Bei einem zweiköpfigen Haushalt liegt die Grenze bei 500.000 Euro.

In puncto Elternzeit und Elterngeld gab und gibt es beständig neue Regelungen. Das liegt in einem Wandel der Gesellschaft begründet: Das traditionelle Familienmodell, bei dem der Vater einer Vollzeitbeschäftigung nachgeht und die Mutter für die Kinder sorgt, ist nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen sollen Teilzeit- und familienfreundliche Arbeitsmodelle die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Auch die jüngsten Neuerungen, die das Elterngeld betreffen, haben diese Intention.

Hier können Sie den Elternzeitanspruch Ihrer Mitarbeiter berechnen lassen.

Neuregelung: Was ist das ElterngeldPlus?

Seit dem 1. Juli 2015 ist ein Gesetz in Kraft, das zum Ziel hat, die Elternzeit sowohl für die Anspruchsberechtigten als auch für Unternehmen zu flexibilisieren. Während teilzeitarbeitende Eltern nach der alten Richtlinie noch den Anspruch auf die Auszahlung des gesamten Elterngeldes verloren hatten, ist dies nun anders geregelt.

Jetzt ist es für Eltern, deren Kinder nach dem 1. Juli 2015 geboren sind, nämlich möglich, gleichzeitig in Teilzeit zu arbeiten und Elterngeld zu beziehen. Dies ist eine weitreichende Neuerung, die auch für Personaler besonders wichtig ist.

Das sind die Hard Facts rund um das ElterngeldPlus:

  • Dauer des Elterngeldes: Wenn Mitarbeiter gerne wieder früher in ihren Beruf zurückkehren wollen, können sie das ElterngeldPlus beantragen. Dabei erhalten Sie für jeden Monat, in welchem sie arbeiten, einen Benefit: Der Zeitraum für den ElterngeldPlus-Anspruch wird im Vergleich zum Elterngeld-Anspruch verdoppelt.
  • Gemeinschaftliche Teilzeitarbeit: Wenn beide Elternteile parallel für vier Monate in Teilzeit arbeiten, bekommen sie zusätzlich vier Monate ElterngeldPlus gutgeschrieben.
  • Elterngeld nach dem dritten Geburtstag des Kindes: Vom dritten Geburtstag bis zur Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes erhalten Eltern mit dem ElterngeldPlus 24 Monate anstatt der bisherigen zwölf Monaten Elterngeld. Der Antrag auf Elternzeit muss 13 Wochen vor dem Stichtag beim Arbeitgeber eingereicht werden.

Elterngeld: Wie hoch ist es überhaupt?

Bevor über die genaue Höhe des Elterngeldes gesprochen werden kann, muss zunächst differenziert werden: Handelt es sich um „Basiselterngeld“ oder das „ElterngeldPlus“? Damit gehen auch die Dauer der Auszahlung sowie die Höhe einher. Diese richtet sich nach dem Erwerbseinkommen eines Mitarbeiters – genauer beläuft sich das Basiselterngeld auf 67 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens. Dabei gelten jedoch einige Grenzen:

  • Mindestelterngeld: 300 Euro
  • Maximal auszuzahlendes Elterngeld: 1.800 Euro

Um das Nettoeinkommen zu ermitteln, wird das Einkommen des Arbeitnehmers der vergangenen 12 Monate in den Fokus genommen. Entscheiden sich Arbeitnehmer für das ElterngeldPlus, mindern sich die monatlichen Zahlungen, dafür ist die Laufzeit länger.

4 Tipps: Beratung zur Elternzeit

Wer werdende Mütter oder Väter berät, sollte natürlich nicht nur über aktuelle Neuerungen informiert sein. Auch in puncto Zeitmanagement sollte ein Personaler Bescheid wissen. Fragen, wie: „Ab wann sollte die Elternzeit geplant werden?“ oder „Wie stelle ich einen Elternzeitantrag“ sind wichtige Punkte, die ein Mitarbeiter der Personalabteilung beantworten können sollte.

Diese vier Tipps stecken einen zeitlichen und inhaltlichen Rahmen:

  1. Meeting vor der Elternzeit: Nach Bekanntgabe der Schwangerschaft sollte gemeinsam mit dem Arbeitnehmer ein Gespräch vereinbart werden. Es ist die Pflicht des Arbeitgebers, über bestehende Möglichkeiten des Elterngeldes und des ElterngeldPlus zu informieren. Hilfreich sind dabei Infopakete, die dem Mitarbeiter ausgehändigt werden können. Um auch seine Vertretung während der Abwesenheit zu regeln, bietet es sich an, das Know-how des Arbeitnehmers zu nutzen: Wer kann Aufgaben übernehmen und wie findet die Übergabe an die Vertretung statt?
  2. Anmeldung der Elternzeit: Spätestens sieben Wochen vor der Geburt muss der Mitarbeiter die Elternzeit beantragen, wenn der Elternurlaub direkt nach dem Mutterschutz bzw. nach der Geburt beginnen soll. Ist es vom Mitarbeiter gewünscht, die Elternzeit nach dem dritten Lebensjahr des Kindes anzutreten, beträgt die Anmeldefrist hierfür 13 Wochen vor Beginn der Elternzeit. In diesem Zeitraum sollten Sie als Personaler auch Teilzeitwünsche mit dem Mitarbeiter durchsprechen und planen.
  3. Rückkehr oder Elternzeit? Unabhängig davon, was sich die Angestellte nach dem Mutterschutz wünscht – ob Rückkehr zur Arbeitsstätte oder Elternzeit – sollte sie sich sieben Wochen davor schriftlich bei der Personalabteilung melden. Wenn das bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschehen ist, sollten Sie als Personaler bestehende Teilzeitwünsche klären.
  4. Ende der Elternzeit: Nachdem die Elternzeit beendet ist, sollte die Personalabteilung ein Rückkehrgespräch initiieren. In diesem gilt es zu klären, ob und wie der Antrag auf Teilzeit eingereicht wird. Hierbei kann es auch durchaus Sinn ergeben – wenn dies der Arbeitnehmer wünscht – Weiterbildungsmaßnahmen zu planen.

Generell ist es wichtig, im Kopf zu behalten, dass beide Seiten mit den vereinbarten Lösungen glücklich sein müssen. Denn: In aller Regel nimmt der Mitarbeiter nach seiner Kinderpause das Arbeitsverhältnis wieder auf und sollte sich natürlich auch danach in seinem Unternehmen wohlfühlen.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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