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Duz-Kultur im Business: Siezen oder Duzen?

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Duz-Kultur

Immer öfter passiert es im täglichen Leben, das fremde Menschen mit „Du“ angesprochen werden. Daher stellt sich auch im Business-Umfeld die Frage, wann Siezen und Duzen professionell wirkt und welche Regeln es im Business-Knigge der Duz-Kultur gibt.

 

    Siezen oder Duzen? – Wissenswertes im Business aus der Duz-Kultur

    In immer mehr Unternehmen in Deutschland gibt es den Trend, dass sich das gesamte Unternehmen, vom einfachen Arbeiter bis zur Unternehmensführung duzt. Damit sollen zunächst die Hierarchieunterschiede abgebaut werden. Gerade in Unternehmen, in denen es sehr auf die Kreativität jedes einzelnen Mitarbeiters ankommt, geht man immer öfter dazu über, dass „Sie“ abzuschaffen und durch ein freundliches und herzliches „Du“ zu ersetzen.

    Erwähnt sei zum Beispiel ein mittelständischer deutscher Pharmahersteller, der nicht nur im Unternehmen, das „Du“ komplett eingeführt hat. Auch seine Bewerber bittet er, schon in der Bewerbung mit einem freundlichen „Du“ zu beginnen. Dies ist für Bewerber sicherlich zunächst ungewohnt, da gerade bei einem Bewerbungsgespräch die Umgangsformen sehr hoch angesiedelt sind. Dazu gehört auch die Anrede und die Begrüßung. Hält sich der Bewerber an die veränderten Umgangsformen, so zeigt es dem Unternehmen aber auch, wie anpassungsfähig und flexibel der Bewerber ist. Auch sehr große, internationale Unternehmen wie Ikea oder Google sind wie selbstverständlich beim „Du“ und zeigen dies auch öffentlich in ihrer Unternehmenskultur und in ihren Unternehmenswerten.

    Die Vorteile beim Duzen

    Die Vorteile des Duzen im Job liegen sowohl für Mitarbeiter, als auch für die Unternehmen auf der Hand. Durch generelles Duzen wird natürlich mehr Vertrauen gezeigt und jeder Einzelne fühlt sich wertgeschätzt. Hierarchieebenen werden eingerissen und neue Kollegen fühlen sich in dieser offenen, frischen und modernen Kultur wohler und angenommener.

    Werden Sie von Ihrem Firmenchef auf dem Flur mit einem Du angesprochen, so kann dies auch die Motivation und das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen verstärken. Wer motiviert ist und sich mit dem Unternehmen und seinen Menschen identifiziert, bringt in der Regel mehr Leistung. Zudem ist er

    • pünktlicher
    • weniger krank
    • und belastbarer.

    Das partnerschaftliche „Start-Up“ Klima bringt in den meisten Fällen einen höheren „Output“ und hilft, Unternehmensziele besser und schneller zu erreichen. Natürlich reicht nur das Duzen allein dazu nicht aus. Auch alle anderen Parameter für ein erfolgreiches Unternehmen müssen erfüllt sein. Ansonsten kann auch eine Duz-Kultur nicht helfen, die Zufriedenheit und Motivation zu fördern. Besteht zum Beispiel ein eklatantes Missverhältnis der Work-Life-Balance oder in der allgemeinen Bezahlung der Mitarbeiter, kann auch eine Duz-Kultur dieses „Gap“ nicht ausgleichen.

    Die Nachteile beim Duzen

    Viele Kommentare sprechen davon, dass es auch negative Folgen des Duzen im Job gibt. Zu große Nähe kann auch zu falscher Vertrautheit führen. Es handelt sich trotz eines Du noch immer um den Vorgesetzten, der eine Weisungskompetenz gegenüber den Arbeitnehmern hat. Führt fehlende Distanz dazu, dass vermeintliche Vertrautheit ausgenutzt wird, kann dies zu einem Kultur-Problem des Unternehmens führen. Auch in der Streitkultur einer Firma kann es durch zu viel Nähe ein Problem geben. Entweder eskalieren Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten viel schneller oder Worte und negative Punkte werden durch das Du als sehr viel persönlicher empfunden.

    Im Endeffekt entscheiden Vorgesetzte oder das komplette Unternehmen, wie es mit dem Duzen im Job umgehen möchte. Trotzdem gibt es nach wie vor klare Business-Knigge-Regeln. Diese können helfen, richtig mit Sie und Du umzugehen und eine gute Richtschnur für Entscheidung geben, wann Sie ein DU anbieten oder akzeptieren sollten.

    Richtig Duzen nach Business-Knigge-Regeln

    In den Knigge-Regeln ist festgeschrieben, dass der Höherrangige immer demjenigen mit niedrigerer Position das Du anbietet. Übersetzt bedeutet dies, dass man immer darauf warten muss, ob der Vorgesetzte das Du anbietet, bevor man diesen duzt. Das gilt auch dann, wenn der Vorgesetzte schon alle anderen Kollegen mit Du begrüßt und Sie noch immer siezt. Manchmal kommt es in solch einem Fall zu komischen Situationen, die Sie aber aushalten sollten. Es ist die Entscheidung des Vorgesetzten, wann er seine Mitarbeiter duzt und es kann aus seiner Sicht gute Gründe dafür geben, noch beim Sie zu bleiben. Nicht selten führt dieses Verhalten von Vorgesetzten aber auch dazu, das in der Belegschaft der Eindruck entsteht, das einzelne Mitarbeiter bevorzugt werden. Daher empfiehlt es sich auch für Vorgesetzte, hier sehr genau zu überlegen wie sie generell mit dem Duzen umgehen und welchen Eindruck ihr Verhalten und ihre Entscheidung auf andere macht.

    Wer darf wem das DU anbieten?

    Generell gilt auch, dass eine Dame einem Herrn das Du zuerst anbietet und ein älterer Mitarbeiter einem jüngeren Mitarbeiter. Auch hier sollte man nicht vorpreschen und allen Altersgruppen im Unternehmen sehr schnell das Du anbieten. Viele ältere Semester kennen und schätzen die Knigge Verhaltensregeln noch sehr gut und möchten selbst entscheiden, wann Sie mit einem Du beginnen und wem sie das Du anbieten. Denn: Jeder, der sich mit den Business-Knigge-Regeln auskennt, weiß auch, dass man ein DU nicht wieder zurücknehmen kann.

    Wichtiger Hinweis: Ein Du gilt das gesamte Leben, egal in welche Position jemand aufsteigt oder ob es Streitigkeiten und Missverständnisse gab.

     

    Auch aus diesem Grund ist es im Job immer wichtig, nicht zu voreilig ein Du anzubieten und auch immer an die professionelle Distanz zu Kollegen oder Vorgesetzten zu denken.

    Aus diesem Grund ist es durchaus vorstellbar, dass ein Angebot zum Duzen auch abgelehnt werden kann. Möchte zum Beispiel ein älterer Kollege generell kein DU am Arbeitsplatz und erhält das Angebot von seinem Chef, so darf er freundlich und höflich das Angebot ablehnen. Er sollte sich für die Chance bedanken und dann respektvoll erklären, warum er ein DU ablehnt und dass dies keine Wertung der Person ist, sondern rein formelle Gründe hat.

    Doch egal wie freundlich und respektvoll man ein Du ablehnt, so kann dies trotzdem beim anderen zu

    • Kränkungen
    • und Verwirrungen führen.

    Gerade das DU von seinem Chef abzulehnen kann sehr heikel sein. Trotzdem kann es, auch mittels guter und nachvollziehbare Erklärung dazu führen, dass man in der Gunst des Chefs sinkt. Trotzdem sollten Sie jederzeit authentisch bleiben und sich nicht verbiegen. Wenn Sie ein SIE mehr schätzen als ein DU und die professionelle Distanz im Job wahren möchten, dann erklären Sie dies so offen und klar – aber freundlich, dass man dies akzeptiert.

    Duzen auf Partys und gesellschaftlichen Anlässen

    Auf Firmenfeiern bieten sich Kollegen unterschiedlichster Hierarchien oft schnell das „Du“ an. Meist geschieht dies aus einer Laune heraus oder weil die gute Stimmung und der lockere Abend dazu verleitet.  Seien Sie hier kritisch, ob das „Du“ auch später und in der gemeinsamen Arbeit im Unternehmen noch gilt. Manchmal wird das „Du“ ohne Nachdenken angeboten und gilt nur für diesen Abend. Wenn Ihr Chef Ihnen das „Du“ anbietet, achten Sie sehr genau darauf, wie er auf Sie wirkt und seien Sie vorsichtig. Denn wenn Sie ihn am nächsten Tag auch noch ganz locker „duzen“, kann das gehörig in die Hose gehen. Warten Sie also erst einmal ab, ob ein Du auch nach einer Feier gilt oder ob es nur für diesen Abend gedacht war. Besonders wenn Ihnen der Chef das „Du“ angeboten hat.

    Achtung: Merken Sie nach der Feier in der Begrüßung, dass die Nähe zum Gegenüber fehlt und dieser wieder gewohnt distanziert auftritt, dann machen Sie einfach beim „Sie“ weiter. Der Ranghöhere kann dann immer noch daran erinnern, dass Sie bereits beim „Du“ waren und Ihnen dies noch einmal im Rahmen des normalen Arbeitsalltags anbieten. Dieses Du ist dann verbindlich und gilt auf Lebenszeit.

    Was Sie unbedingt über die Duz-Kultur wissen müssen

    Insgesamt wandelt sich die Duz-Kultur in Deutschland radikal. Immer mehr Unternehmen schwenken komplett auf ein DU um und haben dafür gute Gründe. Auch die Globalisierung tut seinen Teil dazu. Durch die Globalisierung wird ein Unternehmen immer internationaler und Englisch wird immer wichtiger als Unternehmenssprache. Viele Worte und Begriffe sind mit englischen Begriffen unterlegt und auch Kollegen aus englischsprachigen Bereichen arbeiten in deutschen Unternehmen in hochrangigen Positionen. Da es im englischen Sprachgebrauch kein SIE gibt, ist es für einen amerikanischen Manager nicht vorstellbar, seine Mitarbeiter so anzureden. So ändert sich auch durch die Globalisierung die Unternehmens-Kultur und ein Du hält immer mehr Einzug.

    Fazit: Nach Business-Knigge-Regeln sollten Sie immer warten, bis Ihr Vorgesetzter als höherrangige Person Ihnen das Du anbietet. Damen entscheiden, wann sie einen Herrn duzen möchten. Auch ältere Mitarbeiter haben das Wahlrecht, den jüngeren Mitarbeitern das DU anzubieten. Wird Ihnen das DU angeboten, so können Sie dies

    • freundlich
    • und höflich

    annehmen. Ein Du zählt auf Lebenszeit, wobei die Rücknahme des DU schwierig ist und insgesamt sehr unhöflich wirkt.

    Die Duz-Kultur in Deutschland hat durchaus Vorteile, die Sie im Job nutzen können, um mehr Spaß und Erfolg zu haben. Dazu zählen unter anderem, die schnelle Vertrautheit untereinander und das Brechen von Hierarchieebenen für den gemeinsamen Erfolg. Firmen mit einer Duz-Kultur gelten als offener und innovativer. Arbeitnehmer suchen sich oft diese Unternehmen aus, da sie sich aus dem lockeren Umgang Vorteile versprechen. Das Gemeinschaftsgefühl und der Teamgeist werden gestärkt und das partnerschaftliche Klima kann zu mehr gemeinschaftlichem Erfolg führen, wenn auch die anderen Parameter im Unternehmen stimmen.

    Letztendlich entscheiden Sie ganz allein, wem Sie ein Du anbieten und in welchen Fällen Sie ein Du annehmen oder freundlich zurückweisen. Solange Sie dabei authentisch sind, hat dies in der Regel für Sie nur Vorteile.

    Autor: Redaktion Personalwissen

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