• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Duz-Kultur im Unternehmen einführen – Vorteile und Nachteile

© LUNAMARINA/Fotolia
Duz-Kultur

Ein freundliches „Du“ baut Brücken, verkleinert persönliche Distanzen und motiviert zu mehr Leistung im Büro. Die neue Duz-Kultur hat jedoch nicht nur Vorteile, sondern auch oftmals nicht auf den ersten Blick erkennbare Tücken. In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Vorteile der neuen, persönlichen Unternehmenskultur näher erläutern und dabei auch aufzeigen, dass das „Du“ nicht immer optimal ist. Die Nachteile sollte man nicht unterschätzen und genauestens abwägen, ehe Sie zur Duz-Kultur übergehen und eine Einbahnstraße in der Hierarchie in Ihrem Unternehmen beschreiten.

    Eine Veränderung der Unternehmenskultur – Du ist das moderne Sie

    In jungen Unternehmen und Startups ist das Du als Anrede zwischen den Kollegen und der Chefetage üblich. Die Unternehmenskultur hat sich gewandelt und kommt mit neuer Frische. Das Duzen soll das Wir-Gefühl stärken und jedem Mitarbeiter zeigen, dass er Verantwortung trägt und ein wichtiger Bestandteil der Firma ist. Modern ist die Duz-Kultur allemal, doch passt sie primär in Unternehmen mit eben dieser Ausrichtung. In einigen Branchen würde ein Du vom Arbeitnehmer ans Management Kompetenzen verschieben und sich als weniger positiver Einfluss erweisen.

    Tipp: Im Bereich der Teamstärkung und für ein größeres Wir-Gefühl sollten Sie sich die Veränderung der Ansprache überlegen. Wägen Sie genau ab, ob diese Unternehmenskultur zu Ihrer Philosophie passt und Ihnen auch in einigen Jahren noch gefällt.

     

    Die Abflachung der Hierarchie in jungen Unternehmen

    In kleineren Unternehmen ist die Hierarchie von Haus aus abgeflachter als in großen Konzernen. Daher bietet sich die Duz-Kultur auch viel besser an, als es zum Beispiel in einer seriösen, traditionellen Versicherungsagentur oder im Finanzgeschäft mit mehreren hundert Mitarbeitern und globalen Filialen der Fall ist. Vor allem Startups profitieren von dieser flachen Hierarchie und arbeiten im kleinen Team mit größter Passion. Leider ist der Übergang vom Du zu einem generell lockeren und in einigen Branchen nicht angebrachten Umgangston fließend.

    Achtung! Die Duz-Kultur ist nichts, was Sie vorübergehend einführen können. Sind Sie diesen Schritt erst einmal gegangen, gibt es keinen Weg zurück. Am besten ziehen Sie diesen Schritt in Erwägung, wenn die Duz-Kultur zum Alter der Mitarbeiter und zu Ihrer Unternehmensform passt.

     

    Das persönliche Du und seine Vorteile

    Es lässt sich nicht von der Hand weisen. Ein persönlicher Umgangston, den die Duz-Kultur mit sich bringt, sorgt für mehr Motivation und Identifikation der Mitarbeiter. In Unternehmen in denen geduzt wird, werden Barrieren beseitigt und Synergien zwischen allen Mitarbeitern geschaffen. Die Duz-Kultur fungiert als Eisbrecher und führt dazu, dass die einzelnen Mitarbeiter anders miteinander umgehen als beim steifen Sie. Letztendlich führt diese Unternehmenskultur auch zu steigenden Umsätzen, wie Beispiele aus der Wirtschaft zeigen.

    Tipp: Möchten Sie sich als junges, dynamisches Unternehmen auf dem Markt etablieren und das staubige Image der Distanz zwischen Hierarchien ablegen? Dann ist die Duz-Kultur eine gute Möglichkeit für Ihr Unternehmen.

     

    Die Nachteile der Duz-Kultur

    Wenn sich alle Mitarbeiter, inklusive des Managements mit Du anreden, wird es spätestens bei Verhandlungen zur Gehaltserhöhung oder einer Kündigung schwierig. Der bis dato geduzte Mitarbeiter kann nicht auf einmal mit Sie angesprochen und plötzlich durch die Wahl der Anrede „zurückgestuft“ werden. Schwierigkeiten sind also vorprogrammiert, da sich eine finanzielle Verhandlung oder das Gespräch über das Ausscheiden aus der Firma nicht auf persönlicher Ebene mit Du führen lässt. Auch bei Differenzen im Team kann sich das Du als problematisch herausstellen und zu einer ungewollten Annäherung im Konfliktgespräch führen.

    Achtung! Die Nachteile sollten keinesfalls heruntergespielt werden. Gerade ältere Mitarbeiter finden es despektierlich, von den neuen im Team geduzt zu werden. Sie können dieses Problem umgehen, in dem Sie eine Umfrage in der Firma starten und die Mehrheitsmeinung als Entscheidungsgrundlage nehmen.

     

    Duzen ist ein Trend

    Ikea hat es vorgelebt. Viele Firmen sind dem Beispiel gefolgt und haben die Duz-Kultur zum festen Bestandteil des Umgangs miteinander gemacht. In rund jedem fünften Unternehmen wird selbst der Arbeitgeber nicht mit Sie angesprochen, was eine deutliche Tendenz für den Boom des Duzens aufzeigt. Generell spricht dem freundlichen Du nichts entgegen, solange es nicht zu einem zu lockeren Umgangston führt und zur Unternehmenskultur passt. Was keinesfalls in die Firma gehört, ist die Anrede mit Spitznamen. Auch wenn sich die Mitarbeiter duzen, sollten Namensabkürzungen oder Spitznamen aus dem Privatleben nicht aufs Business übergreifen.

    Wichtiger Hinweis! Der Trend lässt sich nicht mehr aufhalten. Als Unternehmer müssen Sie dennoch nicht jeden Trend mitmachen und können für sich entscheiden, ob die Duz-Kultur zu Ihrer Unternehmenskultur passt und ob Sie selbst diese Abflachung der Hierarchie befürworten.

     

    Die Gefahr der Nähe und Persönlichkeit im Business

    In der Duz-Kultur liegen Chance und Risiko sehr dicht beieinander. Eine gute und häufig praktizierte Kombination basiert auf der Anrede mit Du und dem Ansatz Herr oder Frau „Mustermann“. Durch die Melange lässt sich ein zu persönlicher Umgangston mit zu viel unerwünschter Nähe vermeiden, ohne dass Gespräche steif verlaufen und ein unangenehmes Gefühl erzeugen. Die Duz-Kultur eignet sich nicht für Unternehmen, in denen Spannungen in der Belegschaft bekannt sind. Denn Duzen löst keine Spannungen, sondern wird in diesem Fall eher als Eingriff in die persönliche „Wohlfühlzone“ empfunden und von einigen Mitarbeitern abgelehnt.

    Tipp: Wenn auch nur einige Ihrer Mitarbeiter dem Du nicht zugetan sind, sollten Sie zugunsten des Unternehmensfriedens von einer Umstellung auf die Duz-Kultur absehen.

     

    Kein „Du“ bei Gehalts- und Kündigungsgesprächen

    „Du könntest mir ruhig eine Gehaltserhöhung geben.“ Können Sie sich vorstellen, von einem Ihrer Mitarbeiter in diesem Ton um mehr Lohn gebeten zu werden? Bei derartigen Gesprächen erweist sich die Duz-Kultur als äußerst problematische Entscheidung. Denn Fakt ist: Haben Sie das Du erst einmal angeboten, wird der Mitarbeiter nicht bei Gehaltsgesprächen zum Sie übergehen. Schon haben Sie eine Basis, die sowohl für den Arbeitgeber, wie für den um eine Gehaltserhöhung ersuchenden unangenehm ist. Auch bei einer Kündigung kann die Duz-Kultur einen ganz anderen Beigeschmack haben als ein Gespräch, das mit der Distanz des „Sie“ geführt wird.

    Wichtiger Hinweis! In einigen Unternehmen wird der Chef gesiezt und die Duz-Kultur gilt nur in der Belegschaft. Das wird von den meisten Arbeitnehmern als Respektlosigkeit empfunden und wirkt sich daher immer nachteilig auf Ihre Beliebtheit als Arbeitgeber aus.

     

    Gibt es einen Rückweg aus der Duz-Kultur?

    Diese Frage lässt sich nur mit einem ganz klaren Nein beantworten. Ist die Duz-Kultur erst einmal eingezogen, bleibt der Weg zurück versperrt. Wenn Sie freundschaftlichen Ton in Ihrer Unternehmenskultur eingeführt haben, können Sie nicht wieder zum Sie übergehen. In diesem Fall würden Ihre Mitarbeiter glauben, dass sie einen Fehler gemacht und an Vertrauen verloren haben. Die Duz-Kultur ist eine tiefgreifende Entscheidung ohne Umkehr oder Abzweig.
    Hinweis: Bedenken Sie auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter nicht mit einem Duz-Zwang belegen sollten. Wer die persönliche Anrede ablehnt, sollte ohne Ausgrenzung beim Sie bleiben dürfen.

    Wichtiger Hinweis! Bedenken Sie auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter nicht mit einem Duz-Zwang belegen sollten. Wer die persönliche Anrede ablehnt, sollte ohne Ausgrenzung beim Sie bleiben dürfen.

    Siegel

    Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
    0228 / 95 50 160