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Dienstwagen im Homeoffice: Geht das überhaupt?

© Dima Sidelnikov – Shutterstock
Dienstwagen im Homeoffice

Ein Dienstwagen dient in vielen Unternehmen nicht nur der Mobilität der Arbeitnehmer, sondern auch als Mittel der Motivation. Ein schicker Firmenwagen mit guter Ausstattung steht dabei ganz oben auf dem Wunschzettel – optimal kombiniert mit der Möglichkeit, dieses auch zur privaten Nutzung einzusetzen.

Wer im Homeoffice tätig ist, für den ergibt sich regelmäßig nicht die Notwendigkeit von Fahrten mit einem Dienstwagen. Doch was ist eigentlich, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nicht ausschließlich nur im Homeoffice einsetzt, sondern daneben auch noch andere Tätigkeitsstätten vorsieht?

Stichwort Tätigkeitsstätte: Wo wird gearbeitet?

Nicht nur arbeitsrechtlich, sondern gerade auch aus steuerrechtlichen Überlegungen heraus stellt sich häufig die Frage, wo überhaupt die Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers liegt. Das ist bei allen Fragestellungen rund um den Einsatz im Homeoffice relevant, aber auch bei Arbeitnehmern, die im Außendienst tätig sind – diesen fehlt nämlich regelmäßig der feste Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers.

Für den Gesetzgeber ist dabei die erste Tätigkeitsstätte ausschlaggebend. Diese definiert sich nach § 9 Abs. (4) des Einkommensteuergesetzes (kurz: EStG) als jede von der Wohnung getrennte ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers. Ebenfalls als erste Tätigkeitsstätte sind Einrichtungen von Kunden oder Tochterunternehmen zu verstehen, denen der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist.

Wichtig zu wissen: Im Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kann es nur eine einzige erste Tätigkeitsstätte geben – sowohl die Rechtsprechung als auch der Gesetzgeber schließen explizit aus, dass ein Arbeitnehmer mehrere erste Arbeitsstätten haben kann.

Kann das Homeoffice die erste Tätigkeitsstätte sein?

Was eine erste Tätigkeitsstätte sein kann, richtet sich primär nach den konkreten Regelungen im Dienst- bzw. Arbeitsvertrag und nach den Absprachen, die damit einhergehen. Fakt ist aber: Da sich das Homeoffice stets dem privaten Bereich des Arbeitnehmers zuordnen lässt, kann es regelmäßig nicht als erste Tätigkeitsstätte dienen. Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitnehmer ausschließlich im Homeoffice tätig ist: Auch dann ist der häusliche Arbeitsbereich nämlich keine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers.

Anders verhält es sich, wenn der Arbeitnehmer nicht ausschließlich nur im Homeoffice tätig ist, sondern beispielsweise teils im Betrieb des Arbeitgebers und teils im häuslichen Arbeitszimmer tätig sind. Maßgeblich ist dann die dauerhafte Zuordnung der ersten Tätigkeitsstätte durch den Arbeitgeber. Fehlt diese im Rahmen der arbeitsvertraglichen Regelungen, sind andere Kriterien heranzuziehen.

Wichtig für Arbeitgeber: Die Entscheidung und die Kriterien, die zu der Entscheidung bzgl. der Tätigkeitsstätte führen, sind vom Arbeitgeber zu dokumentieren – hierdurch schließt der Gesetzgeber aus, dass „hinter verschlossenen Türen“ Vereinbarungen getroffen werden, die anschließend nicht mehr überprüft werden können.

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Beispiele aus der betrieblichen Praxis

So unterschiedlich die Konstellationen in Bezug auf das Homeoffice auch sein können – in der betrieblichen Praxis ergeben sich regelmäßig drei hauptsächliche Möglichkeiten:

  1. Der Arbeitnehmer arbeitet an mehreren Tagen in der Woche im Homeoffice: Wenn sich durch den Arbeitsvertrag nichts anderes ergibt, ergibt eine rein objektive Betrachtung, dass der Arbeitnehmer durch die Tätigkeit im Betrieb des Arbeitgebers an den restlichen Tagen auch eben diesem Betrieb zugeordnet werden kann. Der Betrieb ist damit die erste Tätigkeitsstätte des Arbeitnehmers.
  2. Der Arbeitnehmer arbeitet immer im Homeoffice und nur selten zu bestimmten Anlässen im Betrieb des Arbeitgebers: Ganz offensichtlich ist der Arbeitnehmer in dieser Konstellation dem Betrieb des Arbeitgebers nicht zugeordnet. Eine erste Tätigkeitsstätte ist somit nicht vorliegend.
  3. Der Arbeitnehmer arbeitet immer im Homeoffice und regelmäßig in wechselnden Einrichtungen des Arbeitgebers: Entscheidend ist bei der Bestimmung der ersten Tätigkeitsstätte, dass der Arbeitnehmer dort dauerhaft zugeordnet ist. In der genannten Konstellation sind daher die Umstände des Einzelfalles ausschlaggebend – oder eben die arbeitsvertraglichen Bestimmungen bzw. Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Besteuerung des Dienstwagens im Homeoffice

Grundsätzlich kann ein Firmenwagen im Rahmen der sogenannten Pauschalversteuerung oder aber über die Nachweismethode versteuert werden. Bei Anwendung der Pauschalversteuerung, die auch als 1-Prozent-Regelung bezeichnet wird, wird der geldwerte Vorteil berechnet, den der Arbeitgeber durch den Dienstwagen verzeichnet. Dieser ergibt sich zum einen aus 1 Prozent des Bruttolistenpreises des Autos. Zusätzlich kommen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit pro Monat pro Entfernungskilometer noch 0,03 Prozent des Listenpreises für das Fahrzeug hinzu.

Die Besteuerung für die Entfernungskilometer entfällt nur dann, wenn dem Arbeitnehmer keine erste Arbeitsstätte zugeordnet wird. Arbeitgeber sollten daher prüfen, ob dies zwingend erforderlich ist – oder ob sie im Sinne der steuerlichen Entlastung des Mitarbeiters entbehrlich ist.

Praxisbeispiel 1 Dienstwagen im Homeoffice

Der Mitarbeiter Herr A fährt einen Firmenwagen und ist für seinen Arbeitgeber im Außendienst tätig. Mit dem Arbeitgeber ist vereinbart, dass Herr A den Dienstwagen auch zu privaten Zwecken nutzen darf. Da Herr A nicht dem Betrieb des Arbeitgebers zugeordnet werden kann, entfällt eine erste Tätigkeitsstätte nach den aktuellen Vorschriften. Steuerrechtlich hat das weitreichende Konsequenzen, denn für Herrn A entfällt somit auch die zusätzliche 0,03-Prozent-Versteuerung für die Entfernungskilometer zwischen Arbeitsstätte und Wohnung.

Der Dienstwagen von Herrn A hat einen Bruttolistenpreis von 49.500 Euro. Eine Versteuerung der Privatnutzung erfolgt über die Pauschalmethode. Damit ergibt sich ein monatlicher geldwerter Vorteil für die Privatnutzung in Höhe von 1 Prozent des Bruttolistenpreises = 495 Euro. Ein weiterer geldwerter Vorteil für die Fahrten zur Arbeitsstätte entfallen.

Achtung: In einer anderen Konstellation, bei der Herr A dem Betrieb des Arbeitgebers zugeordnet würde, käme der geldwerte Vorteil für die Entfernungskilometer hinzu.

Praxisbeispiel 2 Dienstwagen im Homeoffice

Die Mitarbeiterin Frau B hat aufgrund ihrer familiären Situation mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung getroffen, durch die sie an drei Tagen in der Woche im Homeoffice arbeitet. An den anderen beiden Tagen arbeitet sie im Betrieb mit und steht dort für die anfallenden Aufgaben zur Verfügung. Durch eine Dienstwagenvereinbarung verfügt Frau B. über einen Dienstwagen, den sie auch für private Fahrten nutzen darf. Richtigerweise ist der Betrieb des Arbeitgebers die erste Tätigkeitsstätte von Frau B.

Der Dienstwagen von Frau B hat einen Bruttolistenpreis von 55.000 Euro. Eine Versteuerung der privaten Nutzung des Dienstwagens erfolgt nach der Pauschalmethode. Damit ergibt sich ein monatlicher geldwerter Vorteil für die Privatnutzung in Höhe von 1 Prozent des Bruttolistenpreises = 550 Euro. Ebenfalls ergibt sich ein geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Dieser beträgt 0,03 Prozent von 55.000 Euro x 50 km = 825 Euro. Damit kommt es zu einem Gesamtvorteil in Höhe von 1.375 Euro pro Monat.

Wissenswertes rund um die Besteuerung der Entfernungskilometer

Für die Besteuerung der Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist die einfache Entfernung zwischen diesen beiden Punkten maßgeblich. Diese ist der Einfachheit halber auf den nächsten vollen Kilometer abzurunden.

Wichtig dabei: Für das Finanzamt ist die kürzeste Verbindung ausschlaggebend – und nicht die Verbindung, die tatsächlich gefahren wird. Arbeitnehmer, die zum Beispiel einen Umweg über die Landstraße fahren, um dem Stau auf der Autobahn zu entgehen, müssen diesen Umweg somit nicht noch zusätzlich versteuern.

Autor: Redaktion Personalwissen

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