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Diebstahl am Arbeitsplatz – Wie Arbeitgeber reagieren sollten

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Diebstahl am Arbeitsplatz

Diebstahl im Büro oder an einem anderen Arbeitsplatz ist für jeden Arbeitgeber eine Herausforderung. Wie sollten Sie auf ein derartiges Vorkommnis reagieren, reicht für eine Anzeige lediglich der Verdacht aus oder wird Nachweisbarkeit verlangt? Gibt es Kriterien, die den Dieb vor Strafe schützen könnten und wer steht für entwendete Gegenstände in der Haftung? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie im nachfolgenden Artikel ebenso wie Tipps von juristischer Seite.

Diebstahl am Arbeitsplatz – verbreiteter als gedacht

Der Büroartikel-Onlineshop Papersmart.de hat bei einer Umfrage herausgefunden, dass jeder vierte Beschäftigte bereits einmal einen Diebstahl am Arbeitsplatz begangen oder in Erwägung gezogen hat. Meist wurden dabei Dinge von geringem Wert entwendet, in Einzelfällen ergab sich jedoch ein Schaden in fünfstelliger Höhe.

Für Arbeitgeber stellt sich zunächst die Frage: Wie soll man damit umgehen? Das Strafgesetzbuch droht jedem Dieb mit Strafe in Form von Haft oder Geldbuße. Es macht jedoch Unterschiede hinsichtlich des entwendeten Wertes. Vereinfacht gesagt, können Bagatellen nicht zur Anzeige gebracht werden, erhebliche Eigentumsdelikte aber schon.

Als Bagatelle wird gewertet, wenn ein Mitarbeiter beispielsweise firmeneigene Lebensmittel ohne Bezahlung während der Arbeit verzehrt. Greift ein Kassierer in die Kasse seines Arbeitgebers, beschädigt er mit dem Diebstahl das Vertrauensverhältnis und muss über eine Anzeige hinaus mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen.

Kann nur der bewiesene Diebstahl zur Kündigung führen?

Einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 12.08.1999 (AZ 2 AZR 923/98) entsprechend, genügt bereits der dringende Verdacht auf ein Eigentumsdelikt für die Kündigung eines Mitarbeiters. Auf einen reinen Verdacht lässt sich jedoch schwer eine Anzeige aufbauen, weil nur ein hinreichend bewiesenes Delikt unter Strafe gestellt werden kann. Für die Kündigung eines dringend verdächtigten Arbeitnehmers ist es zudem nach Auffassung des BAG unerheblich, welchen Wert der mutmaßlich entwendete Gegenstand hat.

Wer übernimmt die Haftung beim Diebstahl am Arbeitsplatz?

Jedem Arbeitgeber obliegt gegenüber seinem Beschäftigten eine Fürsorgepflicht, die sich unter anderem auch auf den Schutz des persönlichen Eigentums erstreckt. Um dieser Pflicht nachzukommen und rechtlich abgesichert zu sein, stellen Unternehmer ihren Mitarbeitern verschließbare Spinde, Schubladen sowie Rollcontainer zur Verfügung.

Die Haftung ist allerdings auf Gegenstände beschränkt, die zur Erfüllung der Arbeitsleistung notwendig sind. Darunter fallen neben Werkzeugen und Arbeitsbekleidung auch Geldbeutel und Schlüssel. Ein Arbeitgeber haftet nicht für abhanden gekommene Dinge, die der Mitarbeiter zur Verwendung nach Feierabend mitgebracht hat.

Grundsätzlich ist jeder Gegenstand ohne Bezug zur Tätigkeit von der Haftung durch den Arbeitgeber ausgeschlossen. Entwendet ein Arbeitnehmer hingegen Firmeneigentum, haftet der selbst für den Schaden. In der Regel folgt einer Anzeige ein Gerichtsverfahren mit entsprechendem Urteil.

Wie können Arbeitgeber kriminelle Beschäftigte überführen?

Um den Diebstahl von Unternehmenseigentum oder unter Mitarbeitern zu verhindern, stehen Arbeitgebern nur wenige Möglichkeiten offen. Die von staatlichen Stellen gerne durchgeführte flächendeckende Videoüberwachung ist in Betriebsräumen und Büros nicht zulässig, weil damit die Persönlichkeitsrechte der Belegschaft verletzt werden. Damit ein Unternehmer zeitweise Videokameras in seinen Büros oder Werkhallen aufstellen kann, muss er einen begründeten Verdacht haben. Die Überwachungs-Maßnahme muss der Überführung dienen und in größeren Unternehmen ist die Zustimmung des Betriebsrats erforderlich.

Die Nachweisbarkeit ist beim Diebstahl am Arbeitsplatz das wesentliche Problem, Arbeitgebern sind vom Gesetz enge Grenzen gesetzt. In großen Firmen sind zur Prävention Taschenkontrollen vor dem Verlassen des Betriebsgeländes obligatorisch. Diese erfordern jedoch Personal und sind für kleinere Unternehmen zu aufwendig.

Was können Arbeitgeber im Einzelfall tun?

Fachanwälte raten Arbeitgebern, bei jedem Vorkommnis zu unterscheiden, ob es sich um einen bewiesenen Diebstahl oder einen mehr oder weniger begründeten Verdacht handelt.

Ein beobachteter Diebstahl ist ein Fehlverhalten, dass sogar zur außerordentlichen Kündigung berechtigt. In dem Fall ist es unerheblich, ob der Dieb lediglich eine Schraube mitgenommen hat oder ein wertvolles Werkzeug. Das Strafrecht macht keinerlei Unterschiede in der Sache, lediglich bei der angedrohten Strafe.

Juristen raten Unternehmern, auch so bezeichnete Bagatellen strikt zu ahnden. Ansonsten könnte bei Mitarbeitern ein falscher Eindruck entstehen. Toleranz ist bei Diebstahl im Unternehmen nicht angebracht.

Hat der Arbeitgeber lediglich einen Verdacht, reicht dieser zu einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwar aus, aber es muss vorher eine Anhörung des verdächtigten Mitarbeiters erfolgen. In einem Gespräch zwischen Chef und Mitarbeiter kann sich der Verdacht so bestätigen oder wird widerlegt. Entkräftet der Arbeitnehmer den Diebstahls-Verdacht, kann das Arbeitsverhältnis weiterhin bestehen, andernfalls kann es zur Verdachts-Kündigung kommen.

Unabhängig vom geltenden Recht sollten Arbeitgeber jeden nachgewiesenen Diebstahl zur Anzeige bringen und mit Kündigung ahnden. Sie senden damit das richtige Signal an den Rest der Belegschaft aus. In der Regel kann in Kleinbetrieben nur eine ordentliche Kündigung erfolgen. Die außerordentliche Kündigung setzt immer einen wichtigen Grund voraus. Dies ist allerdings gegeben, wenn es sich um einen schweren Diebstahl handelt.

Eine außerordentliche Kündigung ist auch bei nicht physischen Gegenständen möglich. Handelt es sich bei einem Gegenstand zum Beispiel um Unternehmensgeheimnisse, ist dies mit einem schweren Diebstahl gleichzusetzen.

Wichtiger Hinweis! In größeren Betrieben schreibt das Kündigungsschutzgesetz vor, dass der ordentlichen Kündigung eine Abmahnung vorausgehen muss.

 

Vor jeder ordentlichen oder außerordentlichen Kündigung sollte eine Abwägung der Interessen erfolgen. Langjährige Betriebszugehörigkeit kann für eine mildere Maßnahme sprechen, ebenso ein bisher tadelloses Auftreten des Mitarbeiters. Es handelt sich bei Diebstahl am Arbeitsplatz jedoch nicht um ein Kavaliersdelikt, daran sollte ein Arbeitnehmer bei seiner Entscheidung denken.

Problematische Beweisführung

Hat ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiter beim Diebstahl erwischt, bedarf die Angelegenheit keiner weiteren Beweise. Melden die Kollegen einen Beschäftigten beim Chef, muss der Verdacht durch Beweise erhärtet werden. Hierbei stehen relativ wenige Möglichkeiten in Option. Die einfachste Vorgehensweise wäre beispielsweise, den Spind oder Arbeitsplatz des Beschuldigten zu durchsuchen.

Ohne dessen Einwilligung bewegt sich der Chef jedoch am Rande der Legalität, weil er damit die Persönlichkeitsrechte seines Mitarbeiters verletzt. Kämen bei einer derartigen Untersuchung Beweise zutage, ist eine Verwertung in einer Anzeige nicht zulässig. Dem Arbeitgeber bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss seinen Mitarbeiter um Einverständnis zur Spind-Kontrolle bitten und den Schrank in Anwesenheit des Verdächtigten durchsuchen.

Der Einsatz von Videotechnik ist aus rechtlichen Gründen nur in Fällen mit hinreichendem Verdacht temporär statthaft. Insbesondere die heimliche Überwachung mit Videokameras darf nur unter strengsten Voraussetzungen erfolgen. Bei einer unzulässigen Videoüberwachung ist die Nutzung des aufgenommenen Videomaterials als Beweis ausgeschlossen.

Einsatz einer Detektei bei schweren Delikten

Unternehmen entscheiden sich im Falle eines Diebstahls zunehmend für die Inanspruchnahme spezieller Detekteien. Diese sind auf Unternehmensdelikte ausgerichtet und bieten ihre Dienstleistungen Firmen in jeder Größenordnung an. Wer seine Mitarbeiter durch Detektive überwachen lässt, verletzt unter Umständen deren Persönlichkeitsrecht. Gleichwohl ist die Einschaltung einer Detektei in bestimmten Fällen sinnvoll, der finanzielle Aufwand muss aber in Relation zum Ergebnis stehen.

Fazit: Diebstahl am Arbeitsplatz ist ein um sich greifendes Phänomen, das vom Arbeitgeber konsequent und mit allen verfügbaren Mitteln geahndet werden sollte. Jeder Arbeitnehmer muss wissen, dass ihm bei Entwendung von fremdem Eigentum Kündigung, Anzeige und Strafe drohen. Arbeitgeber müssen bei der Kündigung jedoch zwischen Verdacht und bewiesener Tat unterscheiden sowie mildere Maßnahmen in Betracht ziehen. Außerordentlich zu kündigen, setzt eine schwere Pflichtverletzung voraus. Bei der ordentlichen Kündigung muss in größeren Unternehmen zunächst eine Abmahnung erfolgen. Sofern der Arbeitgeber seinen Beschäftigten nicht direkt beim Diebstahl beobachtet, ist eine Nachweisbarkeit schwierig. Gleichwohl hilft die Rechtsprechung beim Schutz des Eigentums, indem sie jedes zur Anzeige gebrachte Delikt mit Strafe belegt.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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