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Crowdworking: Definition sowie Vor- und Nachteile im Blick

© Robert Kneschke/Fotolia
Crowdworking

Crowdworking gilt als eine neue Möglichkeit, um bestimmte Aufgaben gezielt auszulagern. Doch welches Potenzial bietet diese Option und welche Rolle spielen dabei spezielle Plattformen? In diesem Artikel lesen Sie, was Crowdworking ist, wodurch es sich auszeichnet und wie Unternehmen davon profitieren können. Doch zugleich sind dem Crowdworking-Prinzip auch Grenzen gesetzt, die der vorliegende Beitrag ebenfalls anschneidet.

Was ist Crowdworking eigentlich?

Der Begriff „Crowdworking“ ist per se selbsterklärend, setzt er sich doch aus zwei bekannten englischen Worten zusammen: Crowd (zu Deutsch: Menge) und Working (zu Deutsch: arbeiten). Es handelt sich bei diesem Modell also um die Arbeit der Menge. Was zunächst abstrakt klingt, ist schnell erklärt.

Insbesondere im digitalen Umfeld bietet es sich an, bestimmte Aufgaben oder Arbeiten auszulagern. Dinge, die früher noch die klassischen Freelancer übernahmen, werden einem Pool an Menschen zur Auswahl angeboten. Die Menge – ein Konglomerat an vielen Crowdworkern – hat die Möglichkeit, bestimmte ausgeschriebene Aufgaben anzunehmen und auszuführen. Die einzelnen Arbeiten und ihr Aufwand weichen stark voneinander ab, wie diese Beispiele zeigen:

  • Geodaten sammeln: Crowdworker, die national oder sogar international entsprechende Daten sammeln, tragen dazu bei, zeitnah eine umfassende Datenbasis zu erarbeiten.
  • Preisvergleiche anstellen: Selbiges gilt für Preisvergleiche. Wenn viele Crowdworker Preise vergleichen, entsteht ein breit gefächertes Bild.
  • Tests durchführen: Egal, ob Software- oder App-Testing – auch hier ist Crowdworking beliebt.

Die Ausschreibungen für solche Aufgaben werden meistens über spezielle Plattformen an die Öffentlichkeit herangetragen. Interessierte haben die Möglichkeit, sich auf Projekte zu „bewerben“ oder direkt mit der Arbeit zu beginnen.

Crowdworker: Ersetzen sie bald schon Freelancer?

Was zeichnet nun den typischen Crowdworker aus? Ein wesentlicher Aspekt ist der Verdienst, der meistens auf Honorarbasis ausgezahlt wird. Je nach Auftrag lässt sich in aller Regel mit einem Crowdworking-Projekt keine Million verdienen. Aus diesem Grund werden Crowdworker auch Microtasker genannt. Und nicht selten sind sie Personen, die von einem kleinen Nebenverdienst profitieren, ihn aber nicht zwangsläufig brauchen, um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten:

  • Schüler und Studenten
  • Hausfrauen
  • (Früh-)Rentner

Anders als in einem Kollegium läuft das Arbeiten der Menge ohne Kontakt zu den anderen Crowdworkern ab. Das bedeutet, dass jeder Microtasker für sich selbst arbeitet – und das ohne räumlich oder persönlich mit den anderen zusammenarbeiten zu müssen.

Das ist auch genau der Punkt, worin sich Freelancer und Microtasker unterscheiden. Während der externe Mitarbeiter meistens im engen Kontakt mit dem Team oder zumindest einem Ansprechpartner steht, gerade auch, um sich fachlich abzustimmen, ist das bei Crowdworkern anders. Und das hängt auch mit der Art der Aufträge zusammen.

Denn: Microtasks, also beispielsweise die Online-Recherche von Preisen, braucht weniger Fachexpertise, denn die freiberufliche Unterstützung, zum Beispiel im Bereich Grafik. Das bedeutet wiederum: Nur in Ausnahmefällen ersetzen Crowdworker die freiberufliche Unterstützung. Aber auch hier kommt es ganz auf die Art des Auftrags an. Einige Portale vermitteln ausschließlich Experten, wo der Übergang von Crowdworker zu Freelancer fließend ist.

Crowdworking: Wie können Unternehmen davon profitieren?

Wie bereits beschrieben, hat Crowdworking einige wesentliche Vorteile – so vor allem die raumübergreifende und zeitlich unabhängige Komponente. Zeitliche Flexibilität nimmt in der Arbeitswelt einen immer größeren Stellenwert ein, gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und im Hinblick auf familienfreundliche Maßnahmen. Entsprechend können sich Unternehmen und ihre eigene Arbeitgebermarke positionieren.

Der weitaus schwerwiegendere Vorteil ist jedoch die räumliche Flexibilität. Betriebe müssen nicht mehr extra Mitarbeiter in ganz Deutschland rekrutieren bzw. sogar internationales Personal finden oder auf Dienstreise senden, wenn über diverse Plattformen kleinere Jobs einfach vor Ort vergeben werden können. Bestes Beispiel ist hier die Supermarktkette REWE: Um die Attraktivität der Gemüseabteilungen unterschiedlichster Märkte im Auge zu behalten, kooperiert das Unternehmen mit Crowdworkern – mit digitalen Tagelöhnern, die bequem via Smartphone-Kamera einige Euros dazu verdienen können.

Was heißt das nun für Unternehmen? Eine Stärke des Crowdworkings ist ganz klar der verhältnismäßig einfache und somit günstige Einsatz von externem Personal. Und das fällt in das traditionelle Aufgabenfeld der Human Resources.

Mangelnde Beliebtheit: Weniger als 5 Prozent der Unternehmen nutzen Crowdworking

Die Zahlen sprechen für sich: Einer Befragung des Europäischen Zentrums für Wirtschaft (ZEW) zufolge, nutzen bislang weniger als 5 Prozent der deutschen Unternehmen die Möglichkeiten des Crowdworkings. Zwar wurde das Konzept per se bekannter – vor allem in den digitalaffinen Branchen, wie der Informations- und Kommunikationstechnologie – dennoch hegen die meisten Unternehmen Zweifel am Einsatz von Crowdworking.

Viele Firmen sind der Auffassung, dass unternehmensinterne Aufgaben nicht outgesourct werden könnten. Eine weitere Befürchtung ist der Erhebung zufolge, dass unternehmensspezifisches Know-how abfließen könne. Der dritte Punkt, den viele Unternehmen nennen, ist die mangelnde Qualitätskontrolle. Denn: Werden Aufgaben weitestgehend anonym per Crowdworking Plattformen vergeben, ist es nur schwer möglich, die Bearbeiter zu kontrollieren. Letztlich wird erst beim Endergebnis sichtbar, ob der Crowdworker gut gearbeitet hat. Das stellt ein nicht unwesentliches Risiko dar – der Einsatz von Crowdworking ist also nur zu einem geringen Teil planbar.

Crowdworking Plattformen und Externe managen: Kann das die Personalabteilung noch leisten?

Die oben aufgeführte Studie hat gezeigt: Bislang gilt Crowdworking eher als eine Nische, denn als eine echte Alternative. Dennoch sollten HR-Manager die Möglichkeit des Crowdworkings nicht gänzlich außer Acht lassen. In Zeiten des Fachkräftemangels hat sich der Arbeitsmarkt gewandelt: Fähige Arbeitskräfte stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Auch flexible Arbeitszeiten gewinnen – insbesondere unter den jüngeren Generationen – zunehmend an Relevanz.

Das bedeutet: Womöglich können Microtasker bzw. Crowdworker, die größere bzw. fachspezifischere Aufgaben übernehmen, den Mitarbeiter-Pool sinnvoll ergänzen.

 

Dafür muss aber gerade die Personalabteilung „digitale Nachhilfe“ nehmen. In vielen HR-Abteilungen sind Zettel und Papier die bevorzugten Tools. Digitale Möglichkeiten, Software und Automatisierung sind noch nicht überall angekommen. Aber vor allem bei der Kooperation mit digitalen Tagelöhnern ist das Pflicht: Ortsunabhängige Crowdworker lassen sich meistens nur über spezifische Online-Plattformen finden. Diese wollen entsprechend bedient werden. Und dafür braucht es digitales Know-how oder zumindest eine offenes Mindset, das den verschiedenen technologischen Möglichkeiten gegenüber aufgeschlossen ist.

Autorin: Johanna Wirsing

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