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Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat: Warum die erfolgreiche Kooperation so wichtig ist

© Erwin Wodicka/Fotolia
Betriebsrat

In einem regelmäßigen Turnus von vier Jahren wird in zahlreichen größeren deutschen Unternehmen ein neuer Betriebsrat gewählt. Was einst für den Durchbruch der arbeitsrechtlichen Mitbestimmung von Beschäftigten stand und Standards in Sachen Arbeitsschutz setzte und sicherte, ist in großen Firmen mittlerweile Usus.

Der Betriebsrat – was ist das überhaupt?

Die Betriebsratsmitglieder stellen – einfach ausgedrückt – die Mitarbeitervertretung eines Unternehmens dar. Der Rat sichert die Mitbestimmung der Beschäftigten und vertritt deren Interessen in Bezug auf betriebliche Entscheidungen. Vor allem für Arbeitnehmer stellt der Betriebsrat ein wichtiges Organ dar, um Meinungen und Interessen im Betrieb deutlich zu machen. Der Betriebsrat hat verschiedene Aufgaben, die im Sinne der allgemeinen Arbeitnehmerinteressen liegen sollten.

Aufgrund der Vertreterfunktion des Rates werden dessen Mitglieder regelmäßig neu gewählt. Damit dabei alles geregelt abläuft, wird zunächst ein Wahlvorstand bestimmt, der die Wahl durchführt und vorbereitet. Bei der Wahl der Betriebsratsmitglieder ist darauf zu achten, dass die Zusammensetzung schlussendlich möglichst die gesamte Belegschaft widerspiegelt. Nur so kann sichergestellt werden, dass auch alle Abteilungen und Beschäftigten durch diese Vertretung repräsentiert werden. Ist die Wahl der Kandidaten abgeschlossen, folgt schließlich noch die Wahl der Betriebsratsvorsitzenden, die Betriebsratssitzungen leiten und eine Sprecherfunktion besitzen.

Die Aufgaben und Rechte des Betriebsrates

Die Aufgaben eines Betriebsrates in der unternehmerischen Praxis sind vielfältig und erfordern daher engagierte und mit Sachkenntnis ausgestattete Mitarbeiter. Um eine gelungene Kooperation zwischen Unternehmen und Betriebsrat herzustellen, muss zunächst beiden Parteien klar sein, was der jeweils andere tun darf und auch sollte.

Grundsätzlich sorgt der Betriebsrat dafür, dass seitens des Unternehmens geltende Gesetze, Verträge und Betriebsvereinbarungen gegenüber den Beschäftigten eingehalten werden. Es können verschiedene Maßnahmen beantragt werden, die in Verhandlung mit dem Arbeitgeber umgesetzt werden. Die Wichtigsten der konkreten Aufgaben des Betriebsrates umfassen:

  • Soziale Angelegenheiten: Gesundheitsschutz, Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie betriebliche Lohngestaltung, Einstellung von körperlich/geistig Behinderten
  • Arbeits- und Umweltschutz des Unternehmens
  • Einsatz für die Ausschreibung von Arbeitsplätzen
  • Berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Förderung der Arbeitnehmer
  • Betriebsänderungen konzipieren und vorschlagen (z. B. Stilllegung oder Verlegung des Betriebs, Zusammenschluss mit anderen Betrieben, grundlegende Änderungen)
  • Beisitzen von Mitarbeitergesprächen bei speziellen Sachverhalten
  • Übermittlung von und Einsatz für Vorschläge und Beschwerden von Mitarbeitern
  • Anhörungen bei Kündigungen von Mitarbeitern

Betriebsrat und Unternehmensführung: Warum überhaupt kooperieren?

Der Nutzen einer konstruktiven Zusammenarbeit von Betriebsrat und Personalabteilung liegt klar auf der Hand: Geht es dem Arbeitnehmer gut, geht es dem Unternehmen gut. Doch so einfach ist es nicht immer: Oftmals findet eine fruchtbare Kooperation nur teilweise statt, manchmal behindern sich gar beide Parteien gegenseitig. Warum genau ist der Betriebsrat nun also so wichtig für ein Unternehmen und inwiefern kann er sogar hilfreich sein?

Zunächst einmal liegt die grundsätzliche Aufgabe des Betriebsrates – wie oben bereits ausführlich dargestellt – in der Sicherstellung des Wohls der Arbeitnehmer im Betrieb. Das sollte nicht nur im Interesse der Arbeitnehmer, sondern auch des Arbeitgebers liegen. Denn: nur so kann auch das Unternehmen langfristig aufsteigen und erfolgreich werden. Zufriedene Beschäftigte empfehlen außerdem das Unternehmen weiter, was im Sinne des Employer Brandings von großer Relevanz ist. Der Betriebsrat nimmt also eine gewisse Vermittlerrolle zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten ein und versucht, dieses Verhältnis so gut wie möglich zu gestalten.

Obwohl der Schutz der Mitarbeiter für beide Seiten wichtig ist, ist das Verhältnis von Unternehmensleitung und Betriebsrat oftmals schwierig und von gegenseitigen Forderungen geprägt. Hier gilt es, bereits von Anfang an auf Transparenz zu setzen. Wenn die Personalabteilung als verlängerter Arm der Geschäftsleitung den Betriebsrat aktiv in relevante Entscheidungen einbindet, fühlen sich Betriebsratsmitglieder ernstgenommen und wertgeschätzt.

Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat, ja – aber wie?

Wenn Sie als Personaler nun entschieden haben, eine möglichst positive Kooperation mit dem Betriebsrat zu entwickeln, stehen Sie als Nächstes vermutlich vor der Frage, wie diese Aufgabe denn am geeignetsten zu bewältigen ist. Für eine fruchtbare Zusammenarbeit gibt es einige grundlegende Voraussetzungen:

  • Gegenseitiges Vertrauen
  • Klare Absprachen und Ziele
  • Gegenseitige Wertschätzung
  • Partnerschaftlicher Verhandlungsstil

Außerdem kommt es dem Zusammenspiel von Unternehmensleitung und Betriebsrat zu Gute, wenn der Mitgliederstamm und vor allem der Vorstand des Betriebsrates aus „fähigen“ Mitarbeitern mit Führungsqualitäten und ausreichendem Hintergrundwissen über den Betrieb besteht. Dies kann in gewissem Maße dadurch begünstigt werden, dass den Mitarbeitern durch die Tätigkeit im Betriebsrat keine beruflichen Chancen verbaut werden.

Wenn Betriebsrat und Vorsitzende also gewählt sind, geht es darum, die Beziehungen auszubauen und regelmäßige Kontakte zu pflegen. Dies kann beispielsweise über turnusmäßig stattfindende Gespräche geschehen. In diesen sollte es neben aktuellen Problemen und grundlegenden sachlichen Themen auch um unternehmenspolitische Entwicklungen gehen. Ein anderes Mittel für ein positives Verhältnis der beiden Parteien sind regelmäßig durchgeführte Workshops oder Coaching-Tage. Dies fördert vor allem die interne Harmonie, die Klärung von Konflikten und die Kommunikation von Zielen und Erwartungen.

Kommunikation – der Schlüssel zum Erfolg

Das Wichtigste an einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Betriebsrat und Personalabteilung ist also grundsätzlich die erfolgreiche Kommunikation miteinander. Diese basiert vor allem auf gegenseitigem Respekt, aber auch Vertrauen und Kritikfähigkeit auf beiden Seiten.

Betrachten Sie den Betriebsrat nicht als einen zusätzlichen Verhandlungspartner, sondern als eine Möglichkeit, Ihr Unternehmen durch und mit Ihren Mitarbeitern noch effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten. Wo immer es möglich ist, sollte die Kommunikation mit dem Personalrat also konkrete Vereinbarungen zur Folge haben, die am besten niedergeschrieben werden.

Tipp: Versuchen Sie, Missverständnisse so gut es geht zu vermeiden. Wo auch immer Missverständnisse entstehen, folgen in der Regel Unsicherheit und Misstrauen gegenüber der Unternehmensleitung. Aus diesem Misstrauen heraus können schließlich Ängste entstehen, die die Beschäftigten entweder zur Flucht aus dem Betrieb verleiten oder zum Kampf gegen vermeintliche Ungerechtigkeiten motiviert.

Eine deutliche, aber dennoch respektvolle und freundliche Kommunikation sowie Transparenz, beispielsweise durch das betriebsinterne Bekanntmachen von Firmen-News, sind daher unvermeidlich.

Kommunizieren Sie Ihre Ansichten und Standpunkte also klar und seien Sie trotzdem offen für Verbesserungsvorschläge und neue Ansätze aus einem anderen Blickwinkel. Zeigen Sie sich als Mitarbeiter der HR-Abteilung selbst kritikfähig und lassen Sie sich auf Forderungen ein. Verfolgen Sie aber dennoch eine klare Linie. So sichern Sie sich zum einen den Respekt sowohl der Arbeitnehmer als auch des Betriebsrates und fördern außerdem die Kritikfähigkeit selbiger. Letztlich können Sie und Ihr Unternehmen von einer harmonischen Beziehung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber also nur profitieren.

Autor: Redaktion Personalwissen

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