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Betriebliche Altersvorsorge: Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität

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betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (kurz: bAV) ist für viele Arbeitnehmer eine weitere Möglichkeit, die Versorgung im Lebensabschnitt nach der Erwerbstätigkeit zu sichern. Was die Zusatzrente, die klassischerweise über den Arbeitgeber angespart wird, auszeichnet, lesen Sie in diesem Artikel. Erfahren Sie außerdem, zu welchen Ergebnissen die aktuelle Deloitte-Studie bAV auf dem Weg in die Zukunft – Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2018 kam und was die Erkenntnisse für Arbeitgeber und Personalabteilung bedeuten.

Die betriebliche Altersvorsorge im Detail

Wenn es um die Altersvorsorge geht, haben Arbeitnehmer ebenso wie Selbstständige verschiedenste Möglichkeiten zur Auswahl. Unterschieden wird generell zwischen drei Grundpfeilern der Rente:

  • Gesetzliche Rente: Arbeitnehmer erwerben gesetzliche Rentenansprüche. In das staatliche System zahlen nicht nur angestellte Erwerbstätige ein, sondern zum Teil auch Selbstständige.
  • Private Altersvorsorge: Rentenversicherung, Riester-Rente, Rürup und wie sie alle heißen. Es gibt zahlreiche Versicherungen sowie Wege, privat fürs Alter vorzusorgen. Auch die Investition in Immobilien oder Wertpapiere ist eine Möglichkeit, die private Altersvorsorge zu gestalten.
  • Betriebliche Altersvorsorge: Hierbei handelt es sich um eine Zusatzrente, die der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter aufbaut.

Klassischerweise ist die bAV arbeitgeberfinanziert. Das bedeutet, dass allein der Betrieb Zahlungen für die Altersvorsorge seiner Mitarbeiter abführt. Anders als beim staatlichen Modell muss der Arbeitnehmer hier keine weiteren Beiträge zahlen – und profitiert dadurch von der Zusatzleistung des Arbeitgebers. Eine weitere Variante der bAV ist das arbeitnehmerfinanzierte Modell. Hierbei können Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttogehalts abgeben und in die betriebseigene Altersvorsorge einbezahlen.

Wichtiger Hinweis: Arbeitnehmer müssen Betriebsrenten bei Erhalt versteuern. Wer als Rentner Bezüge einer bAV erhält, muss zudem den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung abführen.

Was zeichnet die bAV aus: Daten, Fakten und Hintergründe

Eine betriebliche Altersversorgung kann sich unter den meisten Umständen lohnen – und das nicht nur für die Arbeitnehmer, sondern auch für die Unternehmen selbst. Denn: Gerade in Zeiten, wo Fachkräftemangel und der demografische Wandel ihre Spuren hinterlassen, werden Kandidaten bei der Berufssuche wählerischer.

Firmen müssen nicht nur mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, sondern auch mit Corporate Benefits und Zusatzleistungen punkten. Eine Betriebsrente bietet eine gute Möglichkeit, um den Mitarbeitern gegenüber Wertschätzung zu bekunden. Einer Meldung der Deutschen Rentenversicherung zufolge tun das immerhin schon zahlreiche Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer – 57 Prozent der Beschäftigten in Deutschland – haben eine sogenannte Anwartschaft auf eine bAV.

Dabei gibt es noch einmal intern unterschiedliche Möglichkeiten, wie bzw. worüber die betriebliche Altersvorsorge angespart und schließlich ausgezahlt werden kann:

  • Direktversicherung
  • Pensionskasse
  • Unterstützungskasse
  • Pensionsfonds
  • Direktzusage vonseiten des Unternehmens

Um die unternehmensinterne Altersvorsorge nochmals zu stärken und auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen voranzutreiben, trat zum 01. Januar 2018 das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) in Kraft. Es beinhaltet steuerliche Förderungsmöglichkeiten sowie einen verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss – mit dem Ziel, die bAV auch für Geringverdienende attraktiver zu machen.

Doch hat diese Gesetzesänderung bereits Früchte getragen und was wünschen sich eigentlich Arbeitnehmer von der betrieblichen Altersvorsorge? Die Deloitte Studie bAV auf dem Weg in die Zukunft – Studie zur betrieblichen Altersversorgung 2018 ist eine der jüngsten Publikationen rund um die Betriebsrente in Deutschland.

Deloitte Studie: bAV auf dem Weg in die Zukunft

In zwei Befragungen aus dem Jahr 2017 und 2018 untersuchte die Unternehmensgruppe Deloitte die Kenntnisse, Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen deutscher Arbeitnehmer rund um das Thema betriebliche Altersvorsorge. In einer repräsentativen Umfrage wurden mehr als 1.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte befragt.

Staatliche Rentenansprüche nicht ausreichend

Der Umfrage zufolge sehen deutsche Arbeitnehmer die Vorsorgesituation fürs Alter mehr als kritisch. Viele befürchten, dass die Leistungen des staatlichen Rentensystems nicht ausreichen werden, um im Alter in einer wirtschaftlich ausreichend guten Lage zu sein. Die Studie kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die meisten Arbeitnehmer individuelle Vorkehrungen fürs Alter träfen – diese weichen aber stark voneinander ab.

Und gerade hier spielt die Betriebsrente eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn sie als durchaus beliebt gilt. Die betriebliche Altersvorsorge wird nur von wenigen als Mittel zur Sicherung des Alterseinkommens genutzt. Das ist der Fall, obwohl knapp die Hälfte der Befragten von ihrem Arbeitgeber Bezüge zum Aufbau einer betrieblichen Altersvorsorge bzw. Pensionszusagen erhält.

Ob die Kommunikation der zur Verfügung stehenden bAV-Angebote vonseiten der Unternehmen dabei eine Rolle spielt, beantwortet die Studie nicht. Die Befragung kam jedoch zu dem Ergebnis, dass sich weniger als ein Drittel der Teilnehmer rund um die Betriebsrente gut informiert fühlt. Dabei geht es nicht nur um grundsätzliche Informationen, sondern auch um die Vertrauenswürdigkeit eines bAV-Angebots – wie sicher sind die Renten also wirklich?

Die betriebliche Altersvorsorge muss flexibler werden

Der Tenor der Befragten: Insgesamt müsse sich die bAV zukunftsorientierter und flexibler zeigen. Der Wunsch vieler Arbeitnehmer besteht darin, Betriebsrentenmodelle zu modifizieren und im Rahmen dessen auf die Bedürfnisse der einzelnen Arbeitnehmer auszurichten – standen bisher noch stark die Vorgaben des Arbeitgebers im Vordergrund.

Wichtige Erkenntnis: Gelingt es, die bAV moderner zu gestalten, haben Unternehmen die Chance – und das ist gerade im Hinblick auf den bereits erwähnten Fachkräftemangel wichtig – sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

 

Doch was erwarten Arbeitnehmer denn nun konkret von der betrieblichen Altersvorsorge? Zum einen legen Beschäftigte großen Wert auf die Sicherheit des Angebots. Logisch: Wer Beiträge einzahlt, möchte diese am Ende des Erwerbslebens bzw. im Ruhestand entsprechend angerechnet und auch ausgezahlt sehen. Der zweite wichtige Punkt ist mehr Flexibilität. Wie diese ausgestaltet werden kann, reißt der folgende Absatz an.

Wie kann eine flexible betriebliche Altersvorsorge aussehen?

Sowohl der Arbeitsmarkt als auch die Bedürfnisse der arbeitenden Generation haben sich gewandelt. War es bei den Babyboomern noch vollkommen normal, nach der Ausbildung bei einem etablierten Unternehmen anzufangen und dort dann bis zum Ende des Erwerbslebens zu verbleiben, sind heute mehrere Stationen im Lebenslauf gängig. Und spätestens seit der Generation Y wird klar: Arbeit ist nicht mehr alles. Freizeit, persönliche Weiterentwicklung und Privatleben nehmen einen immer größeren Stellenwert ein.

Diesen beiden wesentlichen Punkten muss auch die betriebliche Altersvorsorge nachkommen. Flexible Vorsorgemodelle haben das Potenzial, der verstaubt wirkenden Betriebsrente einen neuen Anstrich zu geben:

  • Flexible Einzahlungsmöglichkeiten: Können Arbeitnehmer selbst entscheiden, wann sie wie viel einzahlen möchten bzw. wann sie vielleicht mehr Lohnauszahlung brauchen, um die eigene Liquidität zu sichern (Hausbau, Kinder etc.), würde das die Attraktivität der betrieblichen Altersvorsorge steigern.
  • Auszahlungsoptionen: Sinnvoll ist es auch, die Auszahlungsmöglichkeiten zu flexibilisieren. Wünschen sich die einen eine lebenslange Rente, ist für die anderen eine einmalige Auszahlung attraktiver.
  • Zeitwertkonten: Die Koppelung von Altersvorsorge und Corporate Benefits ist eine weitere Möglichkeit, um die Betriebsrente zu modernisieren. Können beispielsweise bestimmte Beträge für einen Langzeit- oder einen Bildungsurlaub vom Guthabenkonto entnommen werden, bietet das weitere Zusatzoptionen.

Solche Möglichkeiten kommen den Wünschen der Arbeitnehmer nach, behalten aber zugleich den sich wandelnden Arbeitsmarkt im Blick. Was jedoch letztlich umgesetzt werden kann, hängt nicht nur von Unternehmen und Mitarbeitern ab, sondern schlussendlich auch von kooperierenden Versicherungen und Pensionskassen.

Autorin: Johanna Wirsing

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