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Berufe ohne Zukunft: Warum bestimmte Jobs vom Aussterben bedroht sind und welche es am ehesten trifft

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Berufe ohne Zukunft

Automatisierung, Globalisierung, Digitalisierung, Dematerialisierung – All das sind Schlüsselwörter für eine neue Wirtschaftswelt und Gründe dafür, warum viele Berufe keine Perspektive mehr haben. Es wird längst nicht mehr darum gestritten, ob infolge von Industrie 4.0, Künstlicher Intelligenz und Co. Jobs wegfallen, sondern nur noch darüber, wann und wie viele. Wir nennen in diesem Artikel einige Berufe ohne Zukunft, die vom Aussterben bedroht sind sowie die Gründe dafür.

Es mangelt nicht an Studien, die untersucht haben, welche und wie viele Jobs in Zukunft der sich wandelnden Wirtschaftswelt zum Opfer fallen werden. Die Wissenschaftler scheinen sich nur noch in den Zahlen überbieten zu wollen. Das McKinsey Global Institute zum Beispiel spricht von 800 Millionen Jobs, die bis 2030 weltweit durch die Folgen der Automatisierung wegfallen werden.

    Fast 50 Prozent der Jobs könnten wegfallen

    Die renommierte University of Oxford prophezeit, dass in den nächsten 25 Jahren 47 Prozent der Jobs in den weit entwickelten Ländern dieser Erde verschwinden werden. Das deckt sich ziemlich gut mit der Zahl von McKinsey, wonach 45 Prozent der Tätigkeiten bald von Maschinen übernommen werden können.

    Die restlichen Arbeitsplätze bleiben ebenfalls nicht unangetastet. Bei rund 60 Prozent von ihnen könnten sich der Studie zufolge mindestens 30 Prozent der fundamentalen Arbeitsschritte automatisieren lassen. Vollständig automatisieren lassen sich nach aktuellen Erkenntnissen jedoch nur fünf Prozent aller Berufe.

    Die Gründe für den nahenden Jobschwund liegen in der technologischen Entwicklung. So übernimmt immer öfter die Software die Arbeit. Autonomes Fahren beispielsweise ist keine Science Fiction mehr. Jedes Tesla-Auto unterstützt diese Funktion mittlerweile serienmäßig. Und in den USA wird sie von den Besitzern längst genutzt. Bus-, LKW- und Taxifahrer werden dadurch über kurz oder lang ihre Arbeit verlieren. Gleiches gilt für Paketboten, die sich nicht nur vor selbstfahrenden Fahrzeugen, sondern auch vor Drohnen fürchten müssen.

    Kettenreaktion durch Dematerialisierung

    Die Dematerialisierung zeigt, wie weitreichend die Folgen der Digitalisierung sind. Die App Economy ersetzt quasi alles, was wir bisher bei uns trugen und berühren konnten. Das Bargeld, den Schlüssel, den Pass sowie die Eintrittskarten und Tickets werden nur nach auf dem Smartphone gespeichert.

    Wichtiger Hinweis: Wenn wir keinen Schlüssel mehr brauchen um das Auto zu starten oder ins Haus zu kommen, dann braucht es auch keine Maschine, die den Schlüssel produziert, keinen Maschineneinrichter mehr und keine Ersatzteile für die Produktion.

    Werden Tickets nicht mehr gedruckt, braucht es weder Drucker, Toner noch Papier. All das muss nicht mehr hergestellt werden. Die einst dafür benötigten Mitarbeiter bleiben Zuhause. Also braucht es auch keine Infrastruktur mehr – zumindest nicht im heutigen Ausmaße. So werden zum Beispiel kaum noch Autos und Straßen benötigt.

    Es fallen mehr Arbeitsplätze weg, als neue hinzukommen

    Die Dematerialisierung betrifft die gesamte Wertschöpfungskette und macht deutlich, dass in dem Ausmaß, in dem Arbeitsplätze wegfallen werden, nicht einfach neue dazukommen können. Doch genau das war bisher immer der Fall und hat dafür gesorgt, dass am Ende einer jeden ökonomischen Revolution alle wohlhabender waren.

    Damit das auch bei der digitalen Revolution wieder der Fall ist, müssen wir uns politisch neue Wege für den gesellschaftlichen Zusammenhalt überlegen. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist ein Lösungsansatz für die in Zukunft unweigerlich steigende Arbeitslosenrate.

    Um das Grundeinkommen finanzieren zu können, schlagen manche Ökonomen zum Beispiel eine Digital- oder Maschinensteuer vor. Eine große Herausforderung wird es zudem sein, die Kontrolle über die Künstliche Intelligenz zu behalten, die viele Chancen bietet, aber eben auch Gefahren birgt.

    Bestimmte Jobs werden wegfallen und nicht jeder Arbeitnehmer wird sich umschulen lassen können. Wie dramatisch das Ausmaß jedoch tatsächlich sein wird, muss man abwarten.

    Interessant: Als in den 1970er-Jahren die Computer in den Büros Einzug hielten, war schnell die Vision vom papierlosen Büro geboren. Realität ist es bis heute nicht.

    Digitalisierung trifft nicht nur unqualifiziertes Personal

    Die Zahlen wirken für viele so beängstigend, weil es eben nicht nur diejenigen trifft, die einen niedrigen Bildungsstand haben und monotone Tätigkeiten am Fließband verrichten. Es trifft alle Berufsbilder, deren Aufgaben sich in Zukunft durch Algorithmen erledigen lassen. Beispielsweise:

    • Steuerberater,
    • Rechtsanwälte
    • und Richter.

    Grundsätzlich ist der Wegfall von Arbeitsplätzen nicht unbedingt negativ zu sehen. Auch und erst recht nicht für Arbeitnehmer. Wegfallen werden schließlich trotz allem insbesondere unliebsame, schlecht bezahlte, routinemäßige Jobs. Die übrigbleibende Arbeit wird weniger anstrengend, besser bezahlt, aber nicht unbedingt einfacher sein. Im Idealfall bleibt allen mehr Zeit um sich mit privaten Dingen zu beschäftigen. Vor allem, wenn die Finanzierung des Lebensunterhalts trotz weniger Arbeit sichergestellt ist.

    Faustformel: Je mehr Ausbildung für einen Beruf notwendig ist und je höher das aktuelle Gehalt, desto niedriger ist die Gefahr, dass ein Beruf aufgrund der Automatisierung, Digitalisierung, etc. in Zukunft wegfällt.

     

    Je stärker die Spezialisierung, desto sicherer der Arbeitsplatz

    Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat das Substituierbarkeitspotenzial von Berufen in Deutschland untersucht. Demnach haben Helfer und Fachkräfte das größte Potential, durch Technik ersetzt zu werden. Bei Spezialisten ist es schon geringer, bei Experten am geringsten.

    Das größte Substituierbarkeitspotenziale liegt demnach bei Fertigungsberufen, fertigungstechnischen Berufen sowie bei Berufen in der Unternehmensführung und -organisation. Das geringste Risiko haben Sektoren, bei denen der Mensch bis auf Weiteres unverzichtbar ist oder zumindest bevorzugt wird. Das umfasst

    • Reinigungsberufe,
    • Sicherheitsberufe,
    • soziale sowie kulturelle Dienstleistungsberufe, (zum Beispiel Alten- und Krankenpfleger).

    Top 10 Berufe ohne Zukunft – das Aussterben droht

    Die amerikanische Jobdatenbank Career Cast hat aufgrund seiner tiefgehenden Datenbasis ganz konkret ermittelt, welche Berufe relativ kurzfristig, nämlich bis 2022, am schnellsten an Bedeutung verlieren:

    1. Postboten

    28 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    2. Landwirte

    19 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    3. Zählerableser

    19 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    4. Zeitungsredakteure

    13 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    5. Juweliere

    10 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    6. Holzfäller

    9 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    7. Flugbegleiter

    7 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    8. Maschinenführer

    6 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    9. Versicherungsmakler

    6 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    10. Finanzbeamte

    4 Prozent weniger Arbeitsplätze bis 2022

    Überleben werden hochspezialisierte Berufe, die für die Digitalisierung der Arbeitswelt notwendig sind, sowie Jobs, die menschliche Fähigkeiten verlangen. Der Fokus bei Mitarbeitern liegt deshalb nicht mehr auf Wissen, sondern auf Kompetenzen. Sie müssen in der Lage sein, auf neue, ungewohnte Probleme und Situationen reagieren zu können.

    Auch Jobs die Menschenkenntnis, Überzeugungskraft oder Verhandlungsgeschick erfordern, lassen sich nicht einfach so von einem Roboter ersetzen. Ganz zu schweigen von Berufen auf zwischenmenschlicher Ebene. Empathie beispielsweise wird sich bis auf Weiteres nicht durch Künstliche Intelligenz abdecken können.

    Personalabteilung vor neuen Herausforderungen

    Wie bereits die Globalisierung, wird auch die Digitalisierung nicht nur Arbeitnehmer, sondern eben auch Arbeitgeber vor neue Herausforderungen stellen. Schon jetzt ist es immer schwieriger geeignete Experten und Spezialisten zu finden, die den Weg in die wirtschaftliche Zukunft ebenen und begleiten.

    Ein Weg dem entgegenzusteuern ist die Personalentwicklung. Statt Mitarbeiter auf Seminare zu schicken, wo man ihnen Wissen um die Ohren schlägt, dass am nächsten Morgen ohnehin vergessen ist, muss man systematisch ihre Kompetenzen diagnostizieren und entwickeln. So wird aus einem Maschinenbediener zwar noch kein Programmierer für Künstliche Intelligenz, aber er ist zumindest den kommenden Anforderungen seines Berufes gewachsen.

    Etwas Entspannung: Auch wenn in Zukunft Personalkosten eingespart werden können, weil bestimmte Tätigkeiten automatisiert werden, heißt das nicht zwangsläufig, dass dadurch auch Geld gespart wird. Hochqualifizierte Arbeitskräfte werden immer teurer und auch die technischen Innovationen müssen erst einmal bezahlt werden. Die Gewinnoptimierung wird vermutlich eher über die Produktivitätssteigerung, also über die Personalkosten laufen.

     

    Autor: Matthias Koprek

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