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Wiedereinstieg in den Beruf nach Babypause – Probleme und Sorgen der arbeitenden Mütter

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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Thematik, die in Deutschland noch immer vornehmlich die Frauen betrifft. Sprichwörtlich liegt das in der Natur der Sache: Da es die Frau ist, die ein Kind austrägt, ist es auch sie, die eine geburtsbedingte Auszeit vom Erwerbsalltag nimmt. Das Recht auf Mutterschutz ist ein fester Bestandteil der deutschen Politik. Aber wie geht es danach weiter? Elternzeit oder doch ein nahtloser Übergang zurück in die Erwerbsarbeit? In diesem Artikel lesen Sie alles Wichtige rund um den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Babypause. Erfahren Sie, mit welchen Problemen und Sorgen sich arbeitende Mütter konfrontiert sehen und wie Personalverantwortliche im Unternehmen möglichst familienorientiert handeln können.

Probleme und Sorgen arbeitender Mütter

„Karriere und Kinder bleiben unvereinbar“ oder „die Babypause wird zur Karrierefalle“ – solche Aussagen finden sich häufig in deutschen Medien. Und das nicht ohne Grund: Deutschland ist nicht gerade für seine Familienfreundlichkeit bekannt. Das trifft nicht nur auf die politischen Entscheidungen zu, sondern auch auf die Haltung zahlreicher Unternehmen. Nicht selten gehen (Arbeitgeber-)Politik und Unternehmensstrategien dabei Hand in Hand.

Ein auf der einen Seite als positiv zu bewertender Kündigungsschutz, hat auf der anderen Seite auch seine Schattenseiten. Frauen im sogenannten „gebärfähigen“ Alter sind nicht nur junge, starke und im besten Fall top ausgebildete Mitarbeiterinnen. Sie stellen – insbesondere für KMU, die unter der temporären Abwesenheit einer Mitarbeiterin häufig finanzielle Einbußen erleiden – auch ein Risiko dar.

Auch wenn das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) Arbeitgebern ausdrücklich verbietet, Menschen bei der Einstellung aufgrund ihres Geschlechts oder ihres Alters zu benachteiligen, sieht die Realität in der Arbeitswelt oft anders aus. Noch immer berichten Bewerberinnen von unerlaubten Fragen im Vorstellungsgespräch, etwa nach der Familienplanung oder konkret nach einer bestehenden Schwangerschaft.

Wird eine Frau – sei es nun nach einem halben Jahr oder nach bereits zehn Jahren im Job – schwanger, bahnen sich zusätzliche Probleme und Sorgen an. Je nach individueller Situation und Familienfreundlichkeit der Arbeitsstelle kommt es hier zu unterschiedlichen Gewichtungen, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen.

Trotz Elternzeit: Finanzielle Einbußen

Die Babypause naht. Damit geht nicht nur ein Wandel der persönlichen Situation einher, sondern auch eine finanzielle Umstellung. Qua Gesetz hat die Frau sechs Wochen vor der Geburt des Kindes und acht bzw. zwölf Wochen danach Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

In dieser Zeit drohen meist noch keine finanziellen Einbußen, da die Frau im Mutterschutz ihr vorheriges Nettogehalt weiterhin bezieht. Dieses setzt sich aus Zahlungen der Krankenkasse und Zahlungen des Arbeitgebers zusammen. Der Arbeitgeber ist dabei verpflichtet, die Differenz zwischen Mutterschaftsgeld und Nettolohn auszugleichen.

In der Elternzeit, die viele Frauen nahtlos an den Mutterschutz anflanschen, wird der Arbeitgeber aus der Pflicht entlassen. Stattdessen zahlt der Staat das sogenannte Elterngeld, das sich aus dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der vergangenen zwölf Monate berechnet. Die tatsächliche Höhe der finanziellen Einbußen hängt davon ab, ob sich Eltern für eine 12- oder 24-monatige Elternzeit entscheiden.

In der Babypause den Anschluss verlieren

Neben dem finanziellen Aspekt befürchten viele Frauen auch, während der Babypause den Anschluss zu verlieren. Diese Sorge ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, denn eine Abwesenheit vom Arbeitsplatz hat gleich zwei gravierende Nachteile. Zum einen besteht die Gefahr, wesentliche fachliche Neuerungen schlicht und ergreifend nicht mitzubekommen. Zum anderen verändern sich oft auch die firmeninternen Strukturen, so beispielsweise:

  • Zuständigkeiten innerhalb einer Abteilung
  • Wesentliche Ankerpunkte im Organigramm
  • Softwareinfrastruktur

An dieser Stelle ist sowohl Eigeninitiative der Mutter als auch Engagement vom Unternehmen gefordert. Wer am Ball bleibt, kann sich auch während der Elternzeit über fachliche Veränderungen informieren oder gegebenenfalls weiterbilden. Was die Firmeninterna angeht, stehen Arbeitgeber in der Pflicht, ein transparentes Kommunikationssystem zu etablieren. Ein Punkt, den dieser Artikel im Folgenden nochmals differenziert aufgreift.

Unüberwindbare Hürde: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Viele Mütter sorgen sich – vielmals zurecht – vor einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das hat verschiedene Gründe. Trotz eines politisch regulierten Anstiegs des Kinderbetreuungsangebots gibt es nach wie vor noch Regionen, wo ein Platz in der Kindertagesstätte oder im Kindergarten hart umkämpft ist.

Wenig flexible Arbeitszeitmodelle vonseiten der Firmen sind ein weiterer Aspekt, der es für Familien schwierig macht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Zeigen sich dann noch die Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen inflexibel, wird es für Eltern besonders herausfordernd, die Kinderbetreuung zu organisieren.

Neben strukturellen Besonderheiten gilt es auch, die gesellschaftlichen Normen und Werte in den Vordergrund zu rücken. Das traditionelle westdeutsche Familienbild der 1950er-Jahre hinterlässt vielerorts noch immer seine Spuren: Müttern, die Vollzeit arbeiten, haftet häufig das Stigma der „Rabenmutter“ an.

Wer nach der Mutterschaft als Hausfrau zu Hause bleibt, sieht sich ebenfalls mit Vorwürfen konfrontiert, keiner „richtigen“ Arbeit nachzugehen. Es scheint ganz so, als sei die Teilzeiterwerbsarbeit das gesellschaftlich akzeptierte gesunde Mittelmaß. Doch auch damit sind Nachteile verbunden, wie die Zahlen zeigen.

Zahlen im Fokus: Babypause als Karriereknick?

Bevor dieser Artikel Wege und Möglichkeiten für Unternehmen aufzeigt, den Arbeitsalltag für Mütter familienfreundlicher zu gestalten, stehen zunächst die Zahlen im Fokus. Laut einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit ist die Erwerbsneigung von Frauen und Männern in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre deutlich gestiegen.

Insbesondere die Situation von Frauen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten merklich verändert, wie eine Publikation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend darlegt. Eine Verbesserung der Chancengleichheit von Männern und Frauen lässt sich vor allem in folgenden Bereichen festmachen:

  • Ausbildung
  • Erwerbstätigkeit
  • Karriere

Trotz der europaweit vergleichsweise hohen Erwerbsbeteiligung von Frauen sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Frauen in Deutschland überproportional häufig eine Teilzeitarbeit ausüben. Wie die bereits zitierte Statistik der Agentur für Arbeit zeigt, basiert die Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen fast ausschließlich auf mehr Teilzeitbeschäftigungen.

Unter Berücksichtigung dieser Information ist es nicht verwunderlich, dass Frauen deutlich seltener Führungspositionen bekleiden. Denn: Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Frauenanteil in Führungspositionen im Jahr 2017 bei 29,2 %, wobei Frauen insgesamt einen Erwerbstätigenanteil von 46,5 % stellten. Wer nur die Hälfte der Zeit am Arbeitsplatz anwesend ist, tut sich schwer, leitende Aufgaben zu übernehmen. Noch größer wird diese Herausforderung, wenn die Familien- und Erziehungsarbeit innerhalb der Familie nach wie vor nach traditionellem Rollenmuster aufgeteilt wird.

Trotzdem ist die Babypause nicht zwangsläufig mit einem Karriereknick gleichzusetzen. Vor allem dann nicht, wenn Mütter und Unternehmen gleichermaßen daran arbeiten, die notwendigen Strukturen zu schaffen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können.

Wiedereinstieg in den Beruf nach Babypause: Hier sind Unternehmen gefragt

Durch die Geburt eines Kindes befinden sich Eltern in einer völlig neuen Lebenssituation. Damit gehen besondere Umstände einher. Insbesondere zu Beginn dieser neuen Familienkonstellation ist es für die Eltern eine Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Zwar ist jede familiäre Situation individuell. Doch können Unternehmen, die qualifizierte Mitarbeiter halten möchten, Strukturen schaffen, die Eltern und insbesondere Müttern die freie Wahl lassen: Erwerbsarbeit in Vollzeit, Teilzeit oder eben gar keine Erwerbsarbeit. Wer als Arbeitgeber das volle Potenzial seiner Mitarbeiter ausschöpfen will, muss familienfreundliche Modelle etablieren. Das steigert nicht nur die Arbeitgeberattraktivität, sondern ist insbesondere zu Zeiten, in denen der Fachkräftemangel seine Spuren hinterlässt, von wesentlicher Relevanz.

Kommunikation ist essenziell

Doch wie sehen familienfreundliche Modelle konkret aus? Kein „Modell“ im eigentlichen Sinne, aber besonders wichtig ist eine offene und transparente Kommunikation. Das beginnt bereits zu dem Zeitpunkt, an dem die Mitarbeiterin ankündigt, schwanger zu sein.

Schon vor dem Mutterschutz ergibt es Sinn, das weitere Vorgehen und die individuellen Karriere-, Elternzeit- und Arbeitszeitvorstellungen der werdenden Mutter zu besprechen. Stichwort Elternzeit: Auch Vätern sollte die Gelegenheit gegeben werden, die Elternzeit wahrzunehmen. Initiale Gespräche zur Planung sind an dieser Stelle ebenfalls wichtig. So können sich Unternehmen und Eltern auf die kommenden Monate einstellen und planen.

Kommunikation während der Babypause

Auch während der Babypause ist die Kommunikation ein elementarer Bestandteil eines gesunden Betriebsklimas. Möchte die Mutter so schnell wie möglich wieder in den Beruf einsteigen, ergibt es Sinn, wichtige Informationen trotz der kurzfristigen Abwesenheit der Mitarbeiterin weiterzuleiten.

Auch wenn die werdende Mutter nach der geburtsbedingten Auszeit noch in Elternzeit geht, sollten Unternehmen die Kommunikation aufrechterhalten. Das geht beispielsweise, wenn firmeninterne Newsletter auch an die private E-Mail-Adresse weitergeleitet werden. So bleiben Mitarbeiter weiterhin integriert und haben am Firmengeschehen teil – auch wenn sie zeitweise eben nicht am Arbeitsplatz erscheinen.

Nach dem Wiedereinstieg: Rückkehrgespräch und regelmäßige Meetings

Nach dem Wiedereinstieg in den Beruf ist ein initiales Gespräch Pflicht. Bei diesem sogenannten Rückkehrgespräch lassen sich verschiedene Themen und Anliegen klären:

  • Briefing über strukturelle und personelle Änderungen
  • Abfragen der Wünsche und Pläne der Mutter
  • Besprechen des weiteren Vorgehens

Dieses sogenannte Rückkehrgespräch klärt den Status quo und stellt die Weichen für die weitere Zusammenarbeit zwischen der jungen Mutter und dem Unternehmen. An dieser Stelle lässt sich auch gleich ein Fahrplan festlegen. Vereinbaren Sie weitere Termine für regelmäßige Meetings und Feedbackgespräche.

Checkliste Rückkehrgespräch nach Mutterschutz und Elternzeit

Das Rückkehrgespräch sollte zeitnah nach der Rückkehr der Mitarbeiterin in den Betrieb erfolgen. Falls möglich, ergibt es Sinn, das Gespräch sogar vorzuziehen und es vor dem eigentlichen Arbeitsantritt zu führen.

Die nachfolgende Checkliste zeigt stichpunktartig auf, welche Aspekte bei der Vorbereitung des Rückkehrgesprächs und bei der Unterredung selbst besonders wichtig sind.

  • Vorbereitung: Welche Änderungen gab es während des Mutterschutzes oder der Elternzeit im Unternehmen? Gab es inhaltliche und stellenbezogene Veränderungen, die die Mitarbeiterin betreffen? Sind organisatorische Fragen zu klären? Lassen sich bereits vorab flexible Zeitmodelle oder firmeninterne Kinderbetreuungsangebote ausmachen?
  • Kernaussage während des Gesprächs: Schön, dass die Mitarbeiterin wieder zurück ist. Was kann das Unternehmen tun, um im individuellen Fall die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern?
  • Nachfragen im Gespräch: Was hat sich durch die neue Familienkonstellation für die Mitarbeiterin geändert? Wie sehen die individuellen Pläne aus – gibt es vielleicht eine Prioritätenverschiebung? Wie sollen die Arbeitszeiten aussehen?

Im Rückkehrgespräch sollte die Mitarbeiterin das Gefühl bekommen, im Unternehmen willkommen und geschätzt zu sein. Personalverantwortliche sollten hier – soweit es die Struktur des Unternehmens zulässt – Entgegenkommen signalisieren. Trotz allem gilt: Lässt sich keine Arbeitsmotivation der Mitarbeiterin feststellen oder scheint es, als würden das Entgegenkommen der Firma ausgenutzt, sollten Sie gegenzusteuern.

Wiedereinstieg nach Babypause systematisch gestalten

Das Rückkehrgespräch ist die Basis für das planvolle Vorgehen nach der Babypause. In der Unterredung stellen Mutter und Unternehmen klar, welche Wünsche, Pläne und Vorstellungen bestehen.

Stehen inhaltliche Herausforderungen oder relevante Personalentscheidungen an, sollten Personalverantwortliche transparent vorgehen: Was ändert sich und warum ergibt sich ein Wechsel? Letztlich ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig. Dennoch sollte die Wirtschaftlichkeit des Betriebs nicht in den Hintergrund rücken.

Beratung zum Wiedereinstieg nach der Babypause

Im Rückkehrgespräch können Personalverantwortliche auch als Berater agieren. Stellen Sie klar, welche Rechte Mitarbeiter mit Kindern haben. So ist in Deutschland beispielsweise eine Sonderregelung gesetzlich verankert, was die Betreuung eines kranken Kindes unter zwölf Jahren angeht. Jeder Elternteil darf – nach Vorlage eines ärztlichen Attests – im Krankheitsfall des Kindes zehn Arbeitstage pro Jahr bezahlt freinehmen. Bei Alleinerziehenden sind es sogar 20 Tage.

Stellen Sie Ihren Beschäftigten auch weitere Beratungsangebote vor. Viele Agenturen für Arbeit bieten beispielsweise einen Beratungsservice zum beruflichen Wiedereinstieg nach der Babypause an. Wer als Unternehmen transparent kommuniziert und als Berater agiert, lässt Eltern eine besondere Wertschätzung zukommen. Das hält die Mitarbeitermotivation hoch, was sich letztlich positiv auf die Gesamtperformance eines Unternehmens auswirkt.

Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Modelle

Wie bereits mehrmals angedeutet, sind flexible Arbeitszeiten gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine wichtige Maßnahme. Lassen es der unternehmerische Alltag und die firmeneigene Infrastruktur (z. B. Arbeitszeiterfassungssysteme) zu, ist Flexibilität heute ein Muss. Das nimmt den (Zeit-)Druck aus dem Familien- und Arbeitsalltag und hält somit auch die Leistungsfähigkeit, die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter hoch.

Auch Homeoffice- oder Remote-Modelle tragen einen großen Anteil zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei. Wer die Möglichkeit hat, von zu Hause aus zu arbeiten, beispielsweise wenn das Kind erkrankt ist, muss keine Fehltage einreichen. Klar ist: Nicht jede Arbeit lässt sich von zu Hause aus erledigen. Besteht aber generell eine entsprechende Infrastruktur und stimmen die Arbeitsinhalte, so ist auch dies eine ernst zu nehmende Option.

Fazit: Den Wiedereinstieg nach der Babypause gemeinsam gestalten

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass es in Deutschland – insbesondere im Vergleich zu den skandinavischen Ländern oder unseren Nachbarn in Frankreich – noch viel Nachholbedarf gibt, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. Hier sind zum einen die Unternehmen gefragt: Nur wenn familienfreundliche Strukturen gegeben sind, wird es für Eltern einfacher, Familie und Beruf zu vereinbaren. Transparente Kommunikation, flexible Arbeitszeitmodelle und firmeneigene Kinderbetreuungsangebote sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um die Familienfreundlichkeit in Unternehmen voranzutreiben, müssen aber auch Politik und Eltern umdenken und sich sukzessive von traditionellen Rollenbildern loslösen.

Autorin: Johanna Wirsing

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