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Wer haftet bei Azubi-Schäden?

© jörn buchheim/Fotolia
Azubi Schäden, wenn der Azubi einen Schaden verursacht

Alle Menschen machen Fehler – das gilt sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Doch Fehler ist nicht gleich Fehler: Von Fahrlässigkeit bis hin zu Vorsatz wird daher auch im Recht unterschieden. Noch einmal gesondert behandelt man in der Arbeitswelt außerdem Schäden, die Mitarbeiter und Auszubildende verursacht haben. Gerade bei Azubis stellt sich die Frage – wer haftet denn eigentlich bei Azubi-Schäden? Der Auszubildende selbst oder hat womöglich der Ausbilder seine Aufsichtspflicht verletzt? In diesem Artikel lesen Sie alles, was Sie über die Haftung bei Azubi-Schäden wissen sollten.

Die Eingeschränkte Arbeitnehmerhaftung: Die vier Verschuldungsgrade

Arbeitnehmer sind natürlich keine Maschinen: Auch ihnen unterlaufen Missgeschicke, die dem Unternehmen schaden können. Dennoch gibt es einen großen Unterschied: Wenn jemand beispielsweise aus Versehen eine Tasse Kaffee über seinen Laptop kippt ist das nicht dasselbe, als wenn er vorsätzlich Arbeitsmaterialien zerstört.

Dies wurde unter anderem vom Bundesarbeitsgericht bestätigt, wodurch die sogenannte „Eingeschränkte Arbeitnehmerhaftung“ eingeführt wurde. Auf Grundlage dieser Rechtsprechung kann der Arbeitnehmer – solange er dem Unternehmen dienliche Tätigkeiten übernimmt – die Kosten für den verursachten Schaden auf seinen Arbeitgeber entweder anteilig oder sogar komplett übertragen.

Ausgenommen sind aus diesem Grund Schadensfälle, die außerhalb der Arbeitstätigkeit des Mitarbeiters entstanden sind. Also wenn ein Mitarbeiter beispielsweise eine reine Spaßfahrt mit dem Geschäftsauto über das Werksgelände unternommen und dabei einen Unfall verursacht hat.

Fahrlässig oder vorsätzlich: Verschuldungsgrade im Detail

Ausgehend von dieser Rechtsprechung lassen sich daher vier verschiedene Verschuldungsgrade unterscheiden:

  1. Leichte Fahrlässigkeit: Wenn ein Arbeitnehmer stolpert und im Zuge dessen sein Arbeitshandy fallen lässt, spricht man von leichter Fahrlässigkeit. Es ist also ein Schaden, der jedem einmal passieren kann. Hier muss der Angestellte nicht für den verursachten Sachschaden aufkommen.
  2. Mittlere Fahrlässigkeit: Bei diesem Fall lautet die Devise: „Passiert nicht jedem, ist aber noch verständlich.“ Bei einem Azubi kann dies zum Beispiel der Fall sein, wenn er eine Maschine falsch bedient hat, obwohl er von seinem Ausbilder korrekt eingewiesen wurde. Hier muss der Auszubildende nur eine anteilige Haftung übernehmen. Normale Arbeitnehmer können auch verpflichtet werden, die kompletten Schadenskosten zu übernehmen. Außerdem wissenswert: Ab dieser Schwelle gilt der betriebliche Schadensausgleich nicht mehr.
  3. Grobe Fahrlässigkeit: Wenn ein Arbeitnehmer jegliche Sorgfalt außer Acht lässt, spricht man von grober Fahrlässigkeit. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Angestellte das Firmenauto benutzt, obwohl er keinen Führerschein besitzt. Beschädigt er dann etwas, muss er im Schadensfall für die kompletten Kosten aufkommen.
  4. Vorsatz: Handelt ein Azubi bewusst und willentlich zum Nachteil der Firma, spricht man vom Verschuldungsgrad „Vorsatz“. Ihm ist die Tragweite seiner Handlung bewusst. Er kann daher auch für den Schadensfall belangt werden.
Wichtiger Hinweis: In diesen Punkten unterscheidet das Recht nicht zwischen einem ausgelernten Mitarbeiter, einer Führungskraft und einem Auszubildenden. Das gilt jedoch nicht für die Quoten, die die Azubis im Falle eines Schadens anteilig bezahlen müssen. Aus Gründen der Existenzgefährdung gilt für einen Auszubildenden bei einem Schadensersatz der mittleren Fahrlässigkeit eine maximale Grenze von einem halben bis zu einem Monatsgehalt. Bei einer groben Fahrlässigkeit sind es höchstens drei Monatsgehälter.

Im Schadensfall: Welche Besonderheiten ergeben sich für Azubis?

Das Gesetz macht ab der mittleren Fahrlässigkeit eine Unterscheidung zwischen fest angestelltem Personal und dem Auszubildenden. Das ergibt sich aus der Sonderstellung eines Lehrlings, der noch nicht über genügend Wissen und Erfahrung verfügen kann. Auch sein möglichweise mangelhaftes Einschätzungsvermögen für die Konsequenzen seiner Handlung sowie seine Unerfahrenheit kommen ihm hier „zugute“.

Daher haftet der Azubi in einem Fall der mittleren Fahrlässigkeit immer nur nach Quoten. Außerdem ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht. Er muss drei Dinge nachweisen können, um den Azubi haftbar zu machen:

  1. Das Fehlverhalten des Azubis
  2. Den dadurch verursachten Schaden
  3. Das Verschulden des Lehrlings

Außerdem kann dem Azubi eine zusätzliche Haftungsbeschränkung zugesprochen werden, wenn er nur unzureichend in seine Tätigkeit eingewiesen wurde.

Wichtiger Hinweis: Der Ausbilder trägt eine besondere Verantwortung für seinen Lehrling und kann sich daher in einem Schadensfall auch selbst haftbar machen. Zudem gilt dies auch für Schadensfälle, in denen es schon zu ähnlichen Vorkommnissen gekommen war, bei denen das Ausbildungspersonal den Auszubildenden aber nicht auf sein falsches Verhalten aufmerksam gemacht hat. Der Azubi hatte daher nicht die Chance, sein fehlerhaftes Verhalten zu korrigieren, wodurch es zu einem Sachschaden gekommen ist.

 

Eine Sonderstellung genießen zudem minderjährige Auszubildende. So sind Unter-18-Jährige nicht für verursachte Schadensfälle haftbar, wenn sie bei ihrer Schadenshandlung nicht ausreichend einsichtsfähig waren. Ob das der Fall ist, entscheidet ein Gericht immer individuell.

Darf man das Azubi-Gehalt bei einem Schadensfall einbehalten?

Hat der Lehrling einen Sach- oder Geldschaden verursacht, ist die Idee naheliegend: Der Arbeitgeber behält die Höhe der Kosten für den Schaden einfach ein. Doch: Das kann das Unternehmen nur in ganz vereinzelten Ausnahmefällen machen.

Hier gilt:

  • Die Vergütung muss über 1139,99 Euro pro Monat liegen. Denn: So hoch lag die Pfändungsfreigrenze im Jahr 2018. Verdient der Azubi weniger – was bei den allermeisten Lehrlingen der Fall ist – kann der Arbeitgeber das Gehalt nicht einbehalten.
  • Eine Ausnahme: Hat der Auszubildende vorsätzlich gehandelt und das Unternehmen absichtlich geschädigt, greift das Aufrechnungsverbot nicht mehr – Die Firma kann die Vergütung einbehalten, solange dem Azubi immer noch ein Existenzminimum in Höhe des derzeitigen Hartz IV-Regelbedarfssatzes bleibt.
Wichtiger Hinweis: Im Zweifelsfall sollten Sie immer mit einem Arbeitsrechtler sprechen. Er kann Sie eingehend beraten, welche Möglichkeiten es bei Schäden gibt, die durch Azubis verursacht wurden.

 

Fazit: Das können Unternehmen bei Azubi-Schäden tun

Blickt man auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, wird deutlich: Bei verursachten Schäden haften Azubis im Grunde genauso wie Arbeitnehmer. Insbesondere was die Arbeitnehmerhaftung angeht, gibt es kaum Unterschiede. Dennoch kommt Auszubildenden durch ihre mangelnde Erfahrung und ihren Lehrlingsstatus eine Sonderstellung zu.

Alle Azubis, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, genießen ebenfalls besondere Behandlung: Personalverantwortliche müssen nicht nur auf strengere Arbeitszeitregelungen achten, sondern auch auf die Regelungen zur Haftung. Nichtsdestoweniger gilt: Azubis müssen sich ihrer Verantwortung stellen. Vor allem, wenn sich nachweisen lässt, dass sie sich über die daraus resultierenden Konsequenzen im Klaren waren.

Autor: Redaktion Personalwissen

Siegel

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