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Azubis auf Dienstreise – was es zu beachten gilt

© Stefan Körber/Fotolia
Dienstreise, Geschäftsreise

Möchten Sie Ihre Auszubildenden auf eine Dienstreise schicken? Planen Sie eine Auslands-Exkursion oder den mehrtägigen Besuch einer Fachmesse für Ihre Auszubildenden?  Dann ist es wichtig, vor allem die gesetzlichen Regelungen in Bezug auf Arbeitszeiten für Auszubildende gut zu kennen. Ihre Fürsorgepflicht als Ausbilder und abweichende Regelungen für minderjährige Auszubildende sind ebenfalls bindend und von Ihnen zu beachten.

Alle Arbeitszeiten Ihres Azubis sind im Ausbildungsvertrag geregelt und festgeschrieben. Zusätzlich führt Ihr Azubi einen Ausbildungsnachweis, in dem er die täglichen Arbeitszeiten festhält.

Der Gesetzgeber unterscheidet in Bezug auf die Arbeitszeiten von Auszubildenden nicht, ob es sich um eine Dienstreise oder um die tägliche Tätigkeit am ersten Arbeitsplatz handelt. In beiden Fällen müssen die gesetzlichen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes (für volljährige Auszubildende) oder des Jugendarbeitsschutzgesetzes (für minderjährige Auszubildende) eingehalten werden.

    Arbeitszeit für Auszubildende

    Bei der Frage, wie lange Ihr Azubi im Rahmen einer Dienstreise arbeiten darf, kommt es zunächst einmal auf das Alter des Auszubildenden an. Die Arbeitszeit, also die Zeit, die Ihr Auszubildender höchstens pro Tag arbeiten darf, ist gesetzlich geregelt. Dabei ist es unwesentlich, ob Sie in Ihrem Betrieb generell im Schichtsystem oder mit flexiblen Arbeitszeiten arbeiten.

    Arbeitszeit für volljährige Auszubildende

    Hat Ihr Azubi bereits das 18. Lebensjahr vollendet, so gilt bei der Beurteilung der Arbeitszeit das Arbeitszeitgesetz. In § 3 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) wird geregelt, dass für Arbeitnehmer die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten darf.

    Da volljährige Azubis im rechtlichen Sinn Arbeitnehmer sind, fallen Sie unter die Regelungen des ArbZG. Im Ausnahmefall darf man die Arbeitszeit gemäß Gesetz auf bis zu zehn Stunden verlängern. Ist dies der Fall, muss die durchschnittliche Arbeitszeit aber innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von vierundzwanzig Wochen im Durchschnitt wieder acht Stunden pro Tag betragen.

    Ihre volljährigen Azubis dürfen pro Woche höchstens 48 Stunden arbeiten. Auch ein regulärer Arbeitssamstag ist ein zulässiger Werktag.

    Ruhezeiten für volljährige Auszubildende

    Auch die Ruhezeiten für volljährige Auszubildende sind im ArbZG geregelt. Im § 4 wird festgehalten, dass Ihrem Azubi bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden, eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten zusteht. Bei einer Arbeitszeit über neun Stunden ist eine Ruhepause von 45 Minuten vorgeschrieben. Die Ruhepausen können in Pausenzeiten von jeweils fünfzehn Minuten aufgeteilt werden. Eine Tätigkeit von mehr als sechs Stunden hintereinander, ohne Pause, ist nicht zulässig. Außerdem muss zwischen zwei Arbeitstagen mindestens Freizeit von elf Stunden liegen.

    Beispiel: Im Rahmen einer Dienstreise besuchen Sie eine ausländische Messe. Ihr volljähriger Auszubildender hat an einer Abendveranstaltung teilgenommen, die um 22.30 Uhr beendet war. In diesem Fall wäre es unzulässig, den nächsten Messetag bereits wieder um 8.30 Uhr zu beginnen. Da die gesetzliche Ruhezeit 11 Stunden beträgt, könnte der neue Arbeitstag für Ihren Auszubildenden während einer Dienstreise frühestens um 9.30 Uhr beginnen. Die gesetzliche Regelung hierzu ist im §5 des ArbZG verankert.

    Arbeitszeit für minderjährige Auszubildende

    Bei minderjährigen Azubis gelten vom Gesetzgeber besondere Schutzmaßnahmen in Bezug auf die Arbeitszeit. Diese sind im Jugendarbeitsschutzgesetz klar geregelt. Im § 8 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) wird erläutert, das Jugendliche nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als vierzig Stunden wöchentlich beschäftigt werden dürfen. Wird an einem Werktag weniger gearbeitet, so regelt das JArbSchG, das ein minderjähriger Azubi am anderen Tag bis zu achteinhalb Stunden arbeiten darf. Die §16 und §17 des Gesetzes regeln zudem, das minderjährige Auszubildende in der Regel nicht am Wochenende arbeiten dürfen. Ausnahmeregelungen gibt es für klar umrissene Tätigkeitsgebiete, wie z.B. in Krankenanstalten oder im ärztlichen Notdienst. Ist eine Tätigkeit am Wochenende notwendig, so ist ein Ausgleich der Arbeitszeit gesetzlich vorgeschrieben.

    Ruhezeiten für minderjährige Auszubildende

    Die Ruhezeiten für minderjährige Auszubildende weichen von den Ruhezeiten des Arbeitszeitschutzgesetzes ab. Ruhezeiten werden im JArbSchG in den Paragraphen 11 und 13 geregelt.

    Minderjährige Azubis müssen bei einer Arbeitszeit von viereinhalb bis sechs Stunden, Pausenzeiten von 30 Minuten einhalten. Beschäftigen Sie Ihren Azubi über sechs Stunden, beträgt die vorgeschriebene Pausenzeit 60 Minuten. Länger als vier Stunden hintereinander darf man Jugendliche nicht beschäftigen.

    Eine Pause ist dabei als eine Ruhezeit von mindestens 15 Minuten definiert – „Mini-Breaks“ gelten im Sinne des Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht als Pause. Außerdem sollten Sie beachten, dass bei minderjährigen Auszubildenden immer 12 Stunden freie Zeit zwischen zwei Arbeitstagen liegen muss. Zudem dürfen Sie minderjährige Auszubildende in der Regel nur von sechs Uhr morgens bis zwanzig Uhr abends beschäftigen. Dies wird im § 14 JArbSchG geregelt. Im oben genannten Beispiel würde dies für einen minderjährigen Auszubildenden bedeuten:

    Beispiel: Im Rahmen einer Dienstreise besuchen Sie eine ausländische Messe. Ihr minderjähriger Auszubildender hat an einer Abendveranstaltung teilgenommen, die bis 22.30 Uhr angesetzt war. Ihren minderjährigen Azubi müssen Sie bereits um 20 Uhr von der Abendveranstaltung freistellen. Er kann am nächsten Tag frühestens wieder um 8.00 Uhr morgens, mit einem neuen Arbeitstag beginnen.

    Reisezeiten während einer Dienstreise

    Bei einer Dienstreise fallen in der Regel Fahrtzeiten oder Reisezeiten an. Diese Reisezeiten gelten dann als Ruhezeiten im Sinne des Arbeitszeitgesetzes, wenn Sie dem Azubi die Reise mit einem öffentlichen Verkehrsmittel genehmigen. Erfolgt die Anreise zum Beispiel mit dem Flugzeug oder der Deutschen Bahn, so ist diese nicht als Arbeitszeit zu zählen. Eine Ausnahme ist dann gegeben, wenn Sie den Azubis für die Reisezeit eine Arbeitsaufgabe geben, zum Beispiel während der gemeinsamen Anreise mit der Deutschen Bahn. Ist die Benutzung eines selbstlenkenden Fahrzeugs vorgeschrieben, so handelt es sich um Arbeitszeit. Benutzt Ihr Azubi zur Anreise an den Ort der Dienstreise zum Beispiel das eigene Auto oder ein Firmenfahrzeug und fährt selbst, so gilt die gesamte Reisezeit als Arbeitszeit. Dies ist bei Ihren Planungen in Bezug auf dienstliche Aktivitäten am Anreisetag zu beachten.

    Fürsorgepflicht des Ausbilders

    Aus dem §14 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) ergibt sich eine besondere Fürsorgepflicht für Sie als ausbildende Stelle, sowie für den eingesetzten Ausbilder. Im Unterpunkt 5 ist festgelegt, dass Ausbilder dafür zu sorgen haben, das man Auszubildende

    • charakterlich fördert,
    • sowie sittlich
    • und körperlich nicht gefährdet.

    Ihre minderjährigen Azubis verdienen dabei besondere Beachtung, da Sie hier auch verpflichtet sind, nur Aufgaben oder Tätigkeiten zu verlangen, die den körperlichen Kräften angemessen sind und gleichzeitig dem Zweck der Ausbildung dienen. Im Rahmen der Fürsorgepflicht müssen Sie bei minderjährigen Azubis besonders darauf achten, wie diese die Freizeit verbringen und geeignete Maßnahmen zur Unfallverhütung treffen. Ebenso sollten Sie bei Ihren Planungen der Dienstreise beachten, dass alle Azubis im Sinne der Fürsorgepflicht gefördert werden.

    Zusammenfassung und Fazit

    Dienstreisen oder Exkursionen für Auszubildende können eine sehr gute Möglichkeit sein, Ausbildungsinhalte zu vermitteln und Ihren Auszubildenden neue Perspektiven zu eröffnen.

    Als Ausbildungsbetrieb oder verantwortlicher Ausbilder haben Sie eine Fürsorgepflicht für Ihre Auszubildenden. Dies gilt in Bezug auf Arbeitszeiten oder die korrekte Anwendung von Pausenzeiten, aber auch im Hinblick auf Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen.

    Dienstreisen werden vom Gesetzgeber nicht anders gewertet, wie die Ausbildung an der ersten Tätigkeitsstätte. Es gelten in beiden Fällen die gesetzlichen Grundlagen des Jugendarbeitsschutzgesetzes bei Minderjährigen Azubis oder des Arbeitszeitgesetztes bei volljährigen Azubis.

    Für die Planung einer Dienstreise müssen Sie die gesetzlichen Regelungen immer im Blick behalten und das Programm und den Ablauf der Dienstreise kritisch prüfen. Dann werden Sie die Dienstreise mit und für Ihre Azubis so planen, dass diese im Unternehmenssinne stattfindet, Ihren Auszubildenden neue Ausbildungsinhalte vermittelt werden und Sie gleichzeitig die Vorgaben des Gesetzgebers einhalten.

    Autor: Torsten Niermann

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