• 0228 / 95 50 160

Ausbildungsrecht – was müssen Personaler beachten?

© Sebastian Duda / Fotolia
Ausbildungsrecht

    Die berufliche Ausbildung hat gerade in Deutschland eine besondere Stellung inne, denn in kaum einem anderen Land der Welt ist das duale Ausbildungssystem so etabliert wie hierzulande. In diesem Beitrag lesen Sie, was Sie als Personaler rund um das Ausbildungsrecht wissen sollten: Worauf ist bei der Anstellung eines Auszubildenden zu achten, welche Inhalte müssen in den Ausbildungsvertrag und wie viele Stunden dürfen Azubis maximal arbeiten?

    Basics zum Ausbildungsrecht: Warum eine Ausbildung wichtig und notwendig ist

    Im vergangenen Jahr wurden über 572.000 Ausbildungsplätze angeboten, wobei die Nachfrage nur bei circa 547.000 Plätzen lag – mindestens 25.000 Ausbildungsplätze blieben also unbesetzt. Das liegt sowohl am demografischen Wandel als auch daran, dass immer mehr junge Leute hin zu einer schulischen Ausbildung bzw. einem Studium streben.

    Die Ausbildung legt für die Azubis eine solide Basis für den späteren Karriereverlauf und ist gerade für junge Menschen eine wichtige Station. In der beruflichen Ausbildung bekommen die Auszubildenden nicht nur die Grundlagen zur Ausübung eines bestimmten Jobs vermittelt. In diesem Lebensabschnitt lernen sie auch, mit ihrem Gehalt zu wirtschaften und finanzielle Verantwortung zu übernehmen.

    Für Unternehmen lohnt es sich ebenfalls, Azubis einzustellen: Dadurch können nicht nur Nachwuchs-Fachkräfte generiert, sondern auch Fördergelder und Vergünstigungen bezogen werden. Mit motivierten Azubis ist die Ausbildung sowohl für Unternehmen als auch für die Auszubildenden selbst eine Win-win-Situation.

    Der Ausbildungsvertrag und seine Komponenten: Das müssen Sie wissen

    Das wohl wichtigste Dokument, welches in der Ausbildung zum Einsatz kommt, ist der Ausbildungsvertrag. Dieser regelt die einzelnen Punkte des Ausbildungsverhältnisses:

    • Ziel der Ausbildung
    • Ausbildungsort
    • Beginn und Dauer der Ausbildung
    • Arbeitszeit (ggf. schulisch und betrieblich)
    • Dauer der Probezeit
    • Höhe der Ausbildungsvergütung
    • Urlaubsanspruch und ggf. Höhe des Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeldes
    • Weitere individuelle Regelungen

    Selbstredend muss der Ausbildungsvertrag alle formalen Kriterien erfüllen, wie es andere Anstellungsverträge auch tun. Nach der Unterzeichnung gibt es jedoch eine Besonderheit: Der Betrieb sendet den Ausbildungsvertrag an die zuständige Kammer. Das kann beispielsweise die Industrie- und Handelskammer, aber auch die Handwerkskammer sein. Dort wird dann nachgesehen, ob der Ausbildungsvertrag allen gesetzlichen Vorgaben entspricht.

    Arbeitszeit im Ausbildungsrecht: Wie viel dürfen Azubis arbeiten?

    Einem volljährigen Azubi darf eine maximale Arbeitszeit von 48 Wochenstunden aufgetragen werden. Dabei darf ein Arbeitstag, bei einer 6-Tage-Woche, maximal acht Stunden umfassen. Das Arbeiten an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen ist dabei nicht zulässig.

    Anders verhält sich dies mit minderjährigen Azubis. Diese dürfen pro Woche maximal 40 Stunden arbeiten, bei einer täglichen Arbeitszeit von höchstens acht Stunden. Das Arbeiten an Samstagen, Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen ist hier nicht gestattet.

    Weiterhin müssen Azubis für die Zeit des Berufsschulunterrichts vom Ausbilder freigestellt werden. Der Anfahrtsweg, das Umziehen und sonstige zur Ausübung des Berufs gehörende Tätigkeiten gelten als Arbeitszeit.

    Auch hier gibt es für minderjährige Azubis Sonderregelungen. Diese sehen wie folgt aus:

    • Ein Schultag mit 5 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten ist gleichwertig mit einem 8-Stunden-Arbeitstag.
    • Eine Schulwoche, die 25 Unterrichtseinheiten umfasst, ist gleichwertig mit einer 40-Stunden Woche im Betrieb.

    Das ist gerade im Hinblick auf Blockschultage von Relevanz.

    Probezeit und Kündigung: Was sagt das Ausbildungsrecht?

    Im Rahmen einer Ausbildung bewegt sich die Probezeit in einem Zeitraum von mindestens einem Monat und maximal vier Monaten – das regelt § 20 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Die Probezeit darf durch die Anrechnung eines vorhergegangenen Praktikums verkürzt oder aufgrund eines Ausfalls (beispielsweise durch Krankheit) verlängert werden.

    Während der Probezeit dürfen beide Seiten fristlos und ohne Angabe eines Grundes kündigen. Ist die Probezeit vorüber, bedarf die Kündigung nicht nur einer bestimmten Form, sondern auch eines triftigen Grundes. Auch die Möglichkeit zur fristlosen Kündigung bleibt bestehen, allerdings nur, wenn es besonders schwerwiegende Vergehen gibt:

    • Mehrmaliges Zuspätkommen
    • Diebstahl
    • Aggressives oder beleidigendes Verhalten am Arbeitsplatz
    • Häufiges, unentschuldigtes Fehlen am Arbeitsplatz oder in der Schule
    • Unerlaubte Urlaubsabwesenheit
    • Drogen- oder Alkoholkonsum während der Arbeitszeit

    Vor einer ordentlichen Kündigung muss der Azubi schriftlich abgemahnt und die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist berücksichtigt werden. Vorsicht: Folgendes ist bei einer ordentlichen Kündigung nach der Probezeit zu beachten, da diese sonst unwirksam ist:

    • Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Die jeweiligen Gründe müssen klar und verständlich geschildert werden.
    • Die gekündigte Partei hat ggf. Anspruch auf den Ersatz des entstandenen Schadens. Dieser Anspruch muss jedoch innerhalb von drei Monaten nach Kündigung angezeigt werden.
    • Möchte ein minderjähriger Azubi beim Betrieb kündigen, hat er die Einverständniserklärung der Eltern vorzulegen. Im umgekehrten Fall muss die Kündigung des Azubis auch den Sorgeberechtigten zugestellt werden.

    Ausbildungsrecht und Urlaub: Wie hoch ist der gesetzliche Urlaubsanspruch während der Ausbildung?

    Der Urlaubsanspruch ist im Ausbildungsvertrag festgehalten und wird bei minderjährigen Azubis durch das Jugendarbeitsschutzgesetz definiert. Dabei unterscheidet man zwischen der Angabe in Werktagen und der Angabe in Arbeitstagen.

    Bei einer Angabe in Werktagen wird eine 6-tägige-Woche angenommen und bei einer Angabe in Arbeitstagen eine übliche 5-Tage-Woche.

    Folgenden Urlaubsanspruch pro Jahr haben Azubis:

    • Unter 16 Jahren: Anspruch auf 30 Werktage
    • Unter 17 Jahren: Anspruch auf 27 Werktage
    • Unter 18 Jahren: Anspruch auf 25 Werktage
    • Ab 18 Jahren: Mindestanspruch von 24 Werktagen

    Tipp: Falls Ihr Unternehmen einen Betriebsurlaub plant, muss dieser rechtzeitig bekanntgegeben und ggf. mit dem Betriebsrat abgestimmt werden, sodass alle Arbeitnehmer mit dem Urlaub entsprechend wirtschaften können.

    In größeren Unternehmen sind die ersten Ansprechpartner für Azubis die Ausbildungsleiter. Dies sind ausgelernte und erfahrene Fachkräfte, die den Azubis unterstützend zur Seite stehen. Bei Fragen zum Beruf, bei Differenzen mit den Kollegen oder bei Problemen in der Schule sind die Ausbildungsleiter die ersten Ansprechpartner. Wer der jeweilige Begleiter ist, sollte ebenfalls im Ausbildungsvertrag festgehalten werden.

    Ausbildungsrecht: 3 wichtige Fragen und Antworten zur Ausbildung

    1. Gibt es Richtlinien bezüglich der Vergütung?

    Außer in Tarifverträgen existieren keine verbindlichen Angaben über die Höhe der Ausbildungsvergütung. Allerdings muss diese angemessen sein. Nach neuer Rechtsprechung ist eine Ausbildungsvergütung unangemessen, wenn sie das von der jeweiligen Stelle (beispielsweise IHK, Rechtsanwaltskammer) empfohlenen Ausbildungsgehalt um mehr als 20 % unterschreitet.

    Welche unterschiedlichen Ausbildungsarten werden angeboten?

    Im Allgemeinen lassen sich zwei verschiedene Ausbildungsarten unterscheiden: Die berufliche Ausbildung und die schulische Ausbildung. Bei der klassischen betrieblichen Ausbildung wird zwischen der Arbeitsstelle und der Berufsschule abgewechselt, weswegen diese Form auch „duale Ausbildung“ genannt wird. Dabei umfasst die Zeit im Betrieb meist drei bis vier und die Zeit in der Berufsschule einen bis zwei Wochentage.

    3. Wie lange dauert eine Ausbildung?

    Eine Ausbildung dauert im Schnitt zwei bis drei Jahre, wobei sie verkürzt oder verlängert werden kann. Eine Verkürzung kann aufgrund von besonders guten Leistungen oder der Anrechnung einer früheren Ausbildung erfolgen. Die Verkürzung beträgt dabei meist nicht länger als ein Jahr.

    Eine Verlängerung wird beispielsweise bei Teilzeitausbildungen angeboten. Hier verlängert sich die Ausbildung oftmals um die Hälfte der eigentlichen Laufzeit. Ebenso wird eine Verlängerung bei Nichtbestehen der Ausbildungsprüfung erforderlich. Da die Abschlussprüfungen im Regelfall halbjährlich stattfinden, verlängert sich die Ausbildung bei Nichtbestehen um eben dieses halbe Jahr.

    Autor: Redaktion Personalwissen

    Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
    0228 / 95 50 160

    * Selbstverständlich können Sie den Gratis-Ratgeber auch unabhängig von einer Newsletter-Anmeldung anfordern. Schreiben Sie uns dazu bitte eine kurze E-Mail mit Link zu dieser Seite.