• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Ausbildungskrisen erfolgreich meistern: So geht’s

© Robert Kneschke/stock.adobe.com
Ausbildungskrisen

Mit dem Ende der Schulzeit beginnt für die meisten Jugendlichen ein neuer, unbekannter Lebensabschnitt. Viele entscheiden sich für eine Ausbildung in einem Betrieb und freuen sich auf neue Aufgaben und Menschen. Dennoch besteht die Gefahr, dass der Start ins Berufsleben nicht so verläuft, wie gewünscht: Wenn sich der Auszubildende plötzlich zurückzieht, kann das ein erstes Anzeichen für eine sich nähernde Ausbildungskrise sein. Gründe gibt es dafür zahlreiche – ob Probleme mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern, falsche Vorstellungen vom gewählten Beruf oder ganz persönliche Ängste und Sorgen. Ausbildungskrisen entwickeln sich meist Stück für Stück. Wie Sie das als Ausbilder frühzeitig erkennen und Ihrem Azubi helfen können, die Krise zu bewältigen, lesen Sie in diesem Bericht.

Wie kann man einen holprigen Berufsstart entkrisen?

Im Berufsleben kommen Krisen häufiger vor, als viele denken. Doch nicht erst nach vielen Jahren Berufserfahrung, sondern bereits zu Beginn einer Ausbildung oder Lehre können starke Belastungen oder falsche Vorstellungen zu Problemen und Ängsten beim Auszubildenden führen. Starke Veränderungen durch den Übergang von Schule zu Berufsleben stellen für junge Leute oftmals eine Herausforderung dar.

In dieser Zeit ist für die Auszubildenden vieles im Umbruch: Der bisherige Freundeskreis kann sich verändern, die Loslösung von den Eltern kann mehr oder weniger belastend für Kinder und Eltern sein, die erste eigene Wohnung und das Führen des eigenen Haushalts haben Potenzial, zu überfordern. Wenn dann noch Probleme im Betrieb auftreten, der Auszubildende mit der Arbeit unzufrieden ist oder Schwierigkeiten mit Chef oder Kollegen hinzukommen, kann das schnell gravierende Folgen haben.

Damit die Schwierigkeiten des Auszubildenden nicht überhand nehmen und fatale Konsequenzen für Azubi und Betrieb nach sich ziehen, ist es wichtig, die ersten Anzeichen der Veränderung frühzeitig zu erkennen. Hier ist vor allem der Ausbildungsbetrieb gefragt. Er kann Probleme und Zweifel des Azubis gezielt erkennen und als Stütze fungieren. Und das wirkt sich letztlich nicht nur positiv auf den Werdegang des Auszubildenden aus, sondern auch auf den eigenen Betrieb.

Was sind die häufigsten Anzeichen von Ausbildungskrisen?

Wie bereits erwähnt, entstehen Ausbildungskrisen in der Regel nicht von heute auf morgen, sondern ist ein länger dauernder Prozess, bei dem sich beim Auszubildenden durchaus Veränderungen bemerkbar machen können.

Wichtig: Die Aufgabe des Ausbildungsbetriebes ist es hier, diese Veränderungen gezielt wahrzunehmen und bereits im Vorfeld Indizien für eine bevorstehende Krise auszumachen.

Vroan merkt man, dass sich der Azubi verändert?

Wie erkennen Sie als Ausbilder aber, dass Ihr Auszubildender auf eine Krise zusteuert? Es gibt einige Fragen, auf die Sie während der Ausbildung besonderen Fokus legen sollten:

  • Zeigt der Azubi plötzlich eine verminderte Leistungsbereitschaft im Vergleich zu früher? Nicht jeder unmotivierte Tag muss gleich eine Krise bedeuten, zieht sich die Situation aber über einen längeren Zeitraum hin, sollten Sie hellhörig werden.
  • Zieht sich der Azubi im sozialen Miteinander des Betriebes oder auch außerhalb des Betriebes zurück? Achten Sie auf das kollegiale Miteinander, auch innerbetriebliches Mobbing kann verheerende Folgen haben.
  • Ist der Auszubildende mit seinen Gedanken oft abwesend und konzentriert sich nicht mehr auf die Arbeit? Das ist ein Zeichen, dass ihn andere Dinge beschäftigen – oft stecken Probleme oder Ängste dahinter.
  • Ist Ihnen durch Dritte, wie beispielsweise Arbeitskollegen oder Freunde des Azubis, zu Ohren gekommen, dass dieser keine Lust mehr auf die Ausbildung hat oder sogar Kritik geäußert hat? Nicht immer muss sich dahinter etwas Wahres verstecken, aber die Möglichkeit besteht, dass das Gerücht der Realität entspricht. Forschen Sie nach.
  • Ist der Azubi häufiger krank als früher? Besonders kurzzeitige Erkrankungen häufen sich in Krisenzeiten oftmals stark. Auch hier sollten Sie hellhörig werden.
  • Wie sieht es mit den schulischen Leistungen des Auszubildenden aus? Halten Sie engen Kontakt zur Berufsschule Ihres Azubis, so sind Sie frühzeitig über Leistungsabfälle oder andere Probleme informiert.
  • Hat sich der Azubi früher auch über seine Ausbildungspflichten hinaus engagiert und tut dies heute nicht mehr? Auch das kann ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt.

Grundlegend kann jede Veränderung, die seitens des Auszubildenden auftritt, ein Hinweis auf ein tieferliegendes Problem – entweder privater oder beruflicher Natur – sein.

Wichtiger Hinweis: Als Ausbildungsbetrieb sollten Sie nicht nur Wert auf die Erfüllung der Arbeitspflichten legen, sondern die Auszubildenden auch im sozialen und kollegialen Miteinander beobachten, um Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.

 

Natürlich muss aber nicht jede Veränderung gleich eine Krise bedeuten – doch die Möglichkeit besteht. Schnelles Handeln kann oftmals Schlimmeres vermeiden.

Der Stressfaktor: Gründe für Ausbildungskrisen

Veränderungen können vor allem Eines bedeuten: Stress. Der Azubi muss sich auf ein neues soziales Umfeld einstellen, auf neue Verpflichtungen eingehen, neue Dinge lernen – das alles kann das bisherige Leben von Grund auf, auf den Kopf stellen. Stress wirkt sich in manchen Situationen positiv aus, kann oftmals aber auch negative Folgen nach sich ziehen. Wie also mit Stress umgehen und wie kann der Ausbildungsbetrieb helfen?

Dem DGB Ausbildungsreport von 2016 zufolge sind die zentralsten Belastungsfaktoren für neue Auszubildende die folgenden:

  • Lange Fahrtzeiten (vom Wohnort zum Betrieb)
  • Leistungsdruck im Betrieb
  • Zeitdruck bei der Arbeit
  • Schlechte Pausensituationen (durch Unterbrechungen/Verkürzungen)
  • Schwierige Arbeitszeiten (Schichtdienst)
  • Ständige Erreichbarkeit
  • Probleme mit Vorgesetzten oder Kollegen

Zum einen belastet die Azubis also vor allem der Umgang mit neuen Anforderungen und Leistungen, die im Rahmen der beruflichen Tätigkeit zu erbringen sind. Zum anderen ist ein offenbar fehlender sozialer und privater Ausgleich, der Potenzial für Konflikte birgt. Auch Schwierigkeiten mit anderen Menschen innerhalb des Betriebes können belastend wirken.

Wenn Sie als Ausbilder erkennen, dass ihr Azubi Anzeichen von Stress zeigt, ist Handeln gefragt. Was Sie an Maßnahmen ergreifen können, um den Auszubildenden zu unterstützen, lesen Sie im folgenden Abschnitt.

Wie kann man Ausbildungskrisen entgegenwirken?

Besonders wenn es um die Stressbewältigung geht, gibt es einige Möglichkeiten, dagegen anzugehen. Diese müssen allerdings vom Azubi selbst ausgeführt werden – mit Unterstützung des Betriebes gelingt das aber einfacher. Motivieren Sie Ihren Azubi zu:

  • Achtsamkeitsübungen (Urteilsfreie Wahrnehmung der Stresssituation durch den Azubi, eigene Beobachtung der Situation)
  • Distanz (zum Arbeitsumfeld – regelmäßiger Dialog, Reflexion des eigenen Verhaltens, objektiver Umgang mit der Stresssituation)
  • Orientierung (Ordnung am Arbeitsplatz, Prioritäten setzen, entsprechende Ansprechpartner bereitstellen, strukturiertes Vorausplanen)

Wichtig ist, die Veränderungen Ihres Azubis rechtzeitig zu erkennen und wahrzunehmen. Ist dieser erste Schritt getan, müssen weitere Schritte eingeleitet werden:

  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Auszubildenden. Seien Sie ein neutraler Ansprechpartner oder stellen Sie Ihrem Azubi einen solchen. Suchen Sie die Nähe zum Auszubildenden und versuchen Sie, über Probleme zu sprechen. So können Sie den Gründen der Veränderung auf die Spur kommen.
  • Gehen Sie auf den Azubi ein. Nehmen Sie seine Wünsche ernst, wenn er diese äußert. Gehen Sie auch auf sachlich geäußerte Kritik ein, denn diese ist keine Grenzüberschreitung, sondern ein Vertrauensbeweis. Prüfen Sie am besten gemeinsam, ob eine Realisierung der Wünsche und Veränderung möglich ist.
  • Zeigen Sie Perspektiven auf. Fühlt sich der Azubi mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen unwohl, zeigen Sie ihm, welche Stationen er noch durchlaufen wird. Oftmals herrscht besonders zu Ausbildungsbeginn Frust, weil die Motivation dann besonders hoch ist, viele Tätigkeiten aber noch nicht ausgeübt werden können. Motivieren Sie Ihren Azubi zum Durchhalten!

In allen Fällen gilt: Stress, Probleme und Frust in der Ausbildung sind normal und sollten zunächst auch als so behandelt werden. Vermitteln Sie Ihrem Azubi das Gefühl, dass er in Ausbildungskrisen nicht alleine ist und dass bereits andere in derselben Situation waren. So fühlt sich der junge Mitarbeiter ernst genommen und kann lernen, mit den Herausforderungen umzugehen.

Autor: Johanna Wiersing

Siegel

Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
0228 / 95 50 160