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Assessment Center: Durch Auswahlverfahren geeignete Bewerber finden

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Assessment Center, Auswahlverfahren

Assessment Center werden immer beliebter: Spezielle Auswahlverfahren, die die Suche nach dem am besten geeignetsten Mitarbeiter vereinfachen sollen. Während 2001 noch etwa 20 Prozent der Unternehmen auf solche speziellen Auswahlverfahren zurückgriffen, sind es laut einer Studie heutzutage bereits 60 Prozent. Doch Assessment Center unterscheiden sich. Nicht zuletzt deshalb, weil jedes Auswahlverfahren speziell auf das Unternehmen zugeschnitten werden sollte.

In diesem Artikel lesen Sie alles Wissenswerte rund um Assessment Center: Vom Ablauf über die Vorteile bis hin zu Beispielaufgaben.

Was ist ein Assessment Center (AC)?

Ein AC ist ein Auswahlverfahren, bei dem speziell auf das Unternehmen zugeschnittene Aufgaben und Übungen von den Bewerbern gemeistert werden müssen. Diese sollen einen Beitrag dazu leisten, den geeignetsten Kandidaten zu finden. Dabei dienen die Aufgaben dazu, die Kompetenzen der Bewerber auf den Prüfstand zu stellen und mit den Anforderungen der ausgeschriebenen Arbeitsstelle zu vergleichen.

Meist dauert das AC etwa ein bis drei Tage, in denen etwa 20 Bewerber das Auswahlverfahren durchlaufen . Eine Unterform der Assessment Center sind Recruitainments. Anders als normale Assessment Center sind diese keine persönlichen Auswahlgespräche. Kandidaten müssen zusätzlich zum normalen Bewerbungsablauf noch Online-Aufgaben meistern.

Assessment Center: Vorteile für Unternehmen

Insbesondere die großen Unternehmen führen spezielle Auswahlverfahren durch. So lassen von den DAX-30 Unternehmen ganze 27 ihre Bewerber ein spezielles Verfahren durchlaufen. Nicht ohne Grund, denn Assessment Center bieten für Firmen einige Vorteile:

  1. Vorauswahl der Bewerber: Vor allem die Online-Assessment-Center – das heißt Recruitainments – dienen zur Bewerberreduktion. Im Speziellen große Unternehmen nutzen diese Form von AC, um die Flut an Bewerbungen stemmen und eine Vorauswahl treffen zu können.
  2. Erhöhung der Erfolgsgarantie: Allein eine überzeugende Bewerbung ist noch nicht ein Garant für einen geeigneten Mitarbeiter. Um eine höhere Garantie zu haben, dass der Kandidat auch wirklich auf die ausgeschriebene Stelle passt, führen Unternehmen ACs durch. Obwohl auch Assessment Center niemals reelle Arbeitssituationen und Aufgaben eins zu eins widerspiegeln, erhöht sich doch die Chance, den besten Kandidaten für die Stelle zu finden.
  3. Höhere Transparenz: Bei einem AC werden gleich mehrere Kandidaten auf einmal getestet. Dabei wird eine bessere Vergleichbarkeit der Bewerber und ihrer Leistungen gewährleistet. Zudem kommt die soziale Kompetenz eines Kandidaten im Umgang mit seinen Mitbewerbern zum Vorschein. Durch ein Assessment Center können Unternehmen leichter nachweisen, dass die Auswahl des Kandidaten allein aufgrund fachlicher und sozialer Komponenten geschehen ist und somit keine Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes erfolgt ist.

Rahmenbedingungen: Das Auswahlverfahren im Detail

Für die Durchführung eines Assessment Centers gibt es für die Personalabteilung einiges zu planen. Meistens ist der Ablauf eines Assessment Centers immer ähnlich aufgebaut. Dennoch müssen von Unternehmen zu Unternehmen individuelle Überlegungen angestellt werden, wie das AC am besten ablaufen sollte. Es gilt dabei, die passenden Aufgaben zu konzipieren und natürlich faire Rahmenbedingungen für alle Bewerber zu schaffen.

Wichtige Überlegungen sind:

  • Qualifizierte Assessoren: Die Personen, die ein Assessment Center begleiten – auch Assessoren genannt – sollten speziell ausgebildet sein. Denn es ist wichtig, dass diese fähig sind, einen Rückschluss aus dem Verhalten des Bewerbers während des Assessment Centers auf das zukünftige Verhalten in der zu besetzenden Position ziehen können. Normalerweise führen daher entweder Personaler oder Psychologen das AC aus. Es gibt auch spezielle Dienstleistungsunternehmen, die für die Durchführung eines ACs verantwortlich sind.
  • Auswahl der Kandidaten: Schon bei der Auswahl der Kandidaten müssen objektiv nachvollziehbare Kriterien angewandt werden. Nach dem Gleichbehandlungsgesetz dürfen nämlich  Rasse, Hautfarbe oder Geschlecht der Bewerber keine Rolle bei der Bewertung spielen.
  • Ort: Meistens findet das AC im Firmengebäude statt. Jedoch kann das Assessment Center zum Mittag- oder Abendessen beispielsweise auch in einem Restaurant ausklingen.
  • Anzahl der Kandidaten: Weniger ist mehr: Nach diesem Motto geht auch der Trend immer mehr in Richtung weniger Kandidaten. Der Grund dafür ist, dass die Aufgaben und Übungen immer komplexer ausfallen. Anstatt auf die Quantität der Bewerber setzen die Unternehmen daher eher auf die Qualität der Aufgaben. Je nachdem, wie viele Kandidaten am AC teilnehmen, gibt es auch eine Aufteilung in Gruppen. Dies erleichtert die genaue Beurteilung der Bewerber zum Beispiel bei Gruppenaufgaben.

Was sind typische Aufgaben: Assessment Center Beispiele

Zumeist sind Assessment Center ähnlich aufgebaut. Die Bewerber müssen unterschiedliche Herausforderungen meistern, die an die Arbeitsrealität der zur besetzenden Stelle erinnern.

Beispiele für typische Aufgaben im Assessment Center

  • Kurzpräsentation: Bei dieser Aufgaben sollen die Bewerber ein spezielles Thema vorstellen. Dies kann entweder ein sachliches Thema oder eine Selbstpräsentation sein. Die Herausforderung liegt dabei darin, die vorgegebene Präsentationszeit einzuhalten und während der Präsentation nicht abzuschweifen.
  • Postkorbübung: Unter erheblichem Zeitdruck muss der Kandidat eine Aufgabe lösen, bei der viel Stressresistenz und Coolness gefragt sind. Ein Beispiel für solch eine Übung ist das Lesen von E-Mails oder Terminen, die in eine Prioritätenliste oder in einen Kalender einzutragen sind. Ein anderes Beispiel ist das Sichten von Gesetzestexten oder Parlamentsreden, deren Hauptaussagen gefiltert und dann zusammengefasst werden sollen. Oftmals ist diese Aufgabe zeitlich nicht zu schaffen und gleicht dem Prinzip eines Stresstests. Daher wird vom Kandidaten erwartet, dass er einen kühlen Kopf bewahren kann.
  • Fallstudie: In der Fallstudie geht es um typische Aufgabenstellungen, die auch bei der vakanten Stelle zu meistern sind. Im Vordergrund stehen hier also die fachlichen Kompetenzen. Diese Aufgaben müssen dann in einer vorgegebenen Zeit absolviert werden.

Gespräche beim AC: Diese Varianten gibt es

  • Einzelinterview: Meist zum Schluss des Assessment Centers werden die Bewerber in einem Einzelgespräch interviewt. Wie in einem Vorstellungsgespräch beantworten die Kandidaten relevante Fragen zu ihrer Motivation, den Vorstellungen über die vakante Stelle oder ihrer Biografie.
  • Gruppendiskussionen: In eine Gruppe wird eine Frage geworfen, die von den Bewerbern aufgegriffen und diskutiert wird. Ziel ist es bei dieser Aufgabe, die Argumentationsfähigkeit der Kandidaten zu testen. Denn hierbei es ist wichtig, mit Logik, Sachlichkeit und Überzeugungskraft aufzutreten. Die Abwandlung bzw. Verschärfung dieser Aufgabe sieht so aus, dass sich die Diskutanten selbst ein Thema überlegen oder dass die Diskussionsteilnehmer eine feste Position vertreten müssen.

Zum Abschluss gibt es bei vielen Assessment Centers noch ein gemeinsames Abend- oder Mittagessen. Auch hier ergibt sich für die Personaler die Möglichkeit, die Kandidaten nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn das Verhalten gegenüber den Mitarbeitern oder den Vorgesetzten ist dabei auch abseits der Aufgaben im Auswahlverfahren eine wichtige Entscheidungskomponente.

Autor: Redaktion Personalwissen

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