• 0228 / 95 50 160
Marken der Personalwissen Familie

Arbeitszeugnis für Azubis – was Unternehmen beachten sollten

© Antonio Guillem – Shutetrstock
Arbeitszeugnis Azubis, Azubi weiblich schaut auf ihr Arbeitszeugnis

Jedes Jahr beenden Hunderttausende von Jugendlichen in unterschiedlichsten Branchen ihre Lehre oder Ausbildung. Gemäß einer Statistik des Portals Statista.de gab es im Jahr 2018 mehr als 1,33 Millionen Azubis in Deutschland. Nach jahrelanger Stagnation erhöht sich die Zahl der Auszubildenden stetig.

Auszubildende benötigen während ihrer Ausbildungszeit Anleitung, tiefgehende Informationen über ihren Lehrberuf und qualifizierte Ausbilder. In diesem Fall erreichen sie ihre Ausbildungsziele und können langfristig im Betrieb integriert werden. Sollte keine Übernahmemöglichkeit bestehen, haben sie mit einem exzellenten Lehrabschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

    Auszubildende sind darauf angewiesen, Zeugnisse ihrer Tätigkeit zu erhalten. Neben ihren schulischen Noten benötigen sie ebenfalls einen qualifizierten Nachweis über ihre Tätigkeit im Betrieb. Dies ist essenziell, da sie die meiste Zeit ihrer Ausbildung im Betrieb verbringen und unterschiedliche Abteilungen und Aufgabenbereiche durchlaufen. Im Zusammenhang mit der Ausstellung eines Arbeitszeugnisses für Azubis treten bei Auszubildenden, Ausbildern und Personalern in HR-Abteilungen bedeutende Fragestellungen auf, die objektiv beantwortet werden müssen:

    • Haben Auszubildende einen generellen, gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
    • Welche Inhalte sollten in einem Arbeitszeugnis für Azubis enthalten sein?

    Auszubildende und ihr gesetzlicher Anspruch auf ein Arbeitszeugnis

    Generell hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf die Ausfertigung eines Arbeitszeugnisses. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang die folgenden rechtlichen Vorgaben:

    Für Auszubildende gilt ein äquivalenter Anspruch, der sich eindeutig aus dem § 16 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) ableitet.

    Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis auf Grundlage von § 16 BBiG

    Wann muss das Arbeitszeugnis konzipiert werden? Ausbildende haben den Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein schriftliches Zeugnis auszustellen
    In welcher Form wird es erstellt? Die elektronische Form ist ausgeschlossen – das Zeugnis muss wie bei Angestellten in Papierform mit rechtsgültigen Unterschriften erstellt werden.
    Wer ist unterschriftsberechtigt? Generell der Ausbilder im Betrieb sowie ein Geschäftsführer oder der Personalleiter. Haben Ausbildende die Berufsausbildung nicht selbst durchgeführt, so soll auch der Ausbilder oder die Ausbilderin das Zeugnis unterschreiben.
    Mindestinhalt eines Arbeitszeugnisses für Azubis (einfaches Ausbildungszeugnis) Das Zeugnis muss Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Auszubildenden.
    Welche Inhalte darüber hinaus eingefordert werden können (qualifiziertes Ausbildungszeugnis) Auf Verlangen Auszubildender sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.

    Welche Inhalt in einem Arbeitszeugnis für Azubis enthalten sein sollen

    Das BBiG erklärt den verbrieften Rechtsanspruch von Auszubildenden auf ein Arbeitszeugnis bei Beendigung der Ausbildung. Es kann als einfaches Ausbildungszeugnis oder als qualifiziertes Ausbildungszeugnis konzipiert sein. Auszubildende sollten ihren Rechtsanspruch auf Grundlage von § 16 BBiG ausschöpfen und generell ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis anfordern. Warum dies wichtig ist, erkennt man bei einer Gegenüberstellung beider Zeugnisarten.

    Einfaches Ausbildungszeugnis vs. Qualifiziertes Ausbildungszeugnis: Ein Vergleich

    Stellt man ein einfaches Ausbildungszeugnis der qualifizierten Variante gegenüber, sind die Unterschiede auf den ersten Blick sichtbar. Das qualifizierte Ausbildungszeugnis enthält wertende und beschreibende Informationen über die Arbeitsweise, die Ausbildungsbereitschaft und die Sozialkompetenz des Azubis. Ein einfaches Ausbildungszeugnis kann im Gegensatz als schriftliche Bescheinigung oder Bestätigung angesehen werden.

    Einfaches Ausbildungszeugnis vs. Qualifiziertes Ausbildungszeugnis
    Vergleich einfaches Ausbildungszeugnis gegen qualifiziertes Ausbildungszeugnis © fizkes – Shutterstock

    Bewirbt sich ein Azubi nach einer bestandenen Ausbildungsprüfung mit einem einfachen Ausbildungszeugnis, ist dies im Bewerbungsprozess in den meisten Fällen kontraproduktiv. Der potenzielle Arbeitgeber kann anhand des Zeugnisses nicht einschätzen, ob Leistung, Eigenschaften und die erworbenen Fähigkeiten des Kandidaten für ein Onboarding im Betrieb ausreichend sind. Aus diesem Grund ist es für jeden Auszubildenden essenziell, neben einem Berufsschulzeugnis ebenfalls ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis nach Abschluss der Ausbildung zu erhalten. Aus Arbeitgebersicht wirkt die Erstellung eines qualifizierten Zeugnisses ebenfalls professionell, da sich das Unternehmen im Zeugnis als mitarbeiterzentriert darstellen kann.

    Einfaches Ausbildungszeugnis Qualifiziertes Ausbildungszeugnis
    Überschrift: Ausbildungszeugnis Überschrift: Ausbildungszeugnis
    Spezifische Einleitung Spezifische Einleitung
    Auflistung von erlernten Tätigkeiten Auflistung von erlernten Tätigkeiten
    Rechtsgültige Unterschriften + Ausbildungsbereitschaft
      + Ausbildungsbefähigung
      + Information über den Erwerb spezifischer Kenntnisse und Fähigkeiten
      + Lern- und Arbeitsweise des Azubis
      + Sozialkompetenz
      + Ergebnisse der Tätigkeit
      + Zusammenfassende Beurteilung der Leistung und Schlussformel
      Rechtsgültige Unterschriften

    Beispiel für ein einfaches Ausbildungszeugnis

    Herr Michael Meier, geboren am 23.07.2001, hat vom 01.08.2017 bis zum 30.06.2020 eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation absolviert. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Es wurden die Fertigkeiten und Kenntnisse entsprechend der Ausbildungsordnung vermittelt. Die Ausbildung hatte folgende Inhalte:

    • (Inhalte werden nach Wichtigkeit aufgelistet)

    (Datum sowie rechtsverbindliche Unterschriften)

    Beispiel für ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis mit der Gesamtnote gut

    (Spezifische Einleitung) Herr Michael Meier, geboren am 23.07.2001, hat vom 01.08.2017 bis zum 30.06.2020 eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation in unserem Unternehmen absolviert. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Es wurden die Fertigkeiten und Kenntnisse entsprechend der Ausbildungsordnung vermittelt. Die Ausbildung hatte folgende Inhalte (Auflistung von erlernten Tätigkeiten)

    • (Inhalte werden nach Wichtigkeit aufgelistet)

    Herr Meier hat sich von Anfang an mit starkem Engagement und großem Interesse mit der Ausbildung und den Ausbildungsinhalten beschäftigt. Er zeigte stets ein hohes Maß an Initiative, Fleiß und Eifer. (Ausbildungsbereitschaft)

    Er hat sich gute, fundierte Fachkenntnisse erworben und ist in der Lage, diese auch bei schwierigen Aufgabenstellungen mit großer Sicherheit anzuwenden. Sein Fachwissen liegt über dem Durchschnitt. (Ausbildungsbefähigung)

    Nach Einweisung in neue Arbeitsbereiche arbeitete Herr Meier gründlich und genau. Insbesondere bei der Erstellung von umfangreichen Excel-Kalkulationstabellen hat sich Herr Meier spezifische Kenntnisse und Fähigkeiten angeeignet und diese erfolgreich in unser Unternehmen eingebracht. (Information über den Erwerb spezifischer Kenntnisse und Fähigkeiten)

    Die Ausführung seiner Arbeit entsprach unserem Qualitätsstandard. Arbeitsmenge und Arbeitstempo lagen bei praktischen Arbeiten jederzeit über den üblichen Erwartungen an Auszubildende. (Lern- und Arbeitsweise des Azubis)

    Das Verhalten von Herrn Meier war zu jeder Zeit vorbildlich, und er wurde von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden gleichermaßen geschätzt. (Sozialkompetenz)

    Zusammenfassend hat Herr Meier stets zu unserer vollen Zufriedenheit gelernt und seine Aufgaben erledigt. Herr Meier hat seine Ausbildung mit gutem Prüfungsergebnis bei der IHK Münster in Münster abgeschlossen. Wir freuen uns, Herrn Meier in ein befristetes Arbeitsverhältnis zu übernehmen.  

    Wir danken Herrn Meier für die sehr gute und angenehme Zusammenarbeit während der Ausbildungszeit und wünschen ihm auf seinem weiteren Berufs- und Lebensweg weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute. (Ergebnisse der Tätigkeit, Beurteilung und Schlussformel)

    (Datum sowie rechtsverbindliche Unterschriften)

    Kein Arbeitszeugnis erhalten? Welche rechtlichen Möglichkeiten können Azubis ausschöpfen

    Aus rechtlicher Sicht haben Auszubildende einen offenkundigen Anspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Sie können entscheiden, ob sie ein einfaches oder qualifiziertes Ausbildungszeugnis bevorzugen. Für ihre weitere Karriere und ihr berufliches Weiterkommen ist ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis in jedem Fall die beste Alternative. Auszubildende können ihr Arbeits- oder Ausbildungszeugnis schriftlich oder mündlich beim Ausbilder oder der HR-Abteilung anfordern. In vielen Betrieben erhalten sie das Zeugnis automatisch und unaufgefordert am Ende ihrer Ausbildungszeit.

    Fordern sie das Ausbildungszeugnis schriftlich beim Arbeitgeber an, kann es sinnvoll sein, eine Frist für die Konzeption des Zeugnisses festzusetzen. Mit einer klaren Terminvorgabe stellen Azubis sicher, dass Unternehmen nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, um das Ausbildungszeugnis oder das Arbeitszeugnis zu erstellen. Dies ist im Besonderen wichtig, wenn der Arbeitsvertrag nach der Ausbildung befristet ist oder keine Weiterbeschäftigung im Lehrbetrieb möglich war. Aus Unternehmenssicht ist es in diesem Fall zielführend, das Ausbildungszeugnis umgehend zu erstellen. Auf diese Weise leisten sie ihren Beitrag, um das berufliche Fortkommen ihrer Auszubildenden zu sichern. Wird das Arbeitszeugnis nach mehrmaliger Anmahnung und Fristverlängerung nicht erstellt, steht Lehrlingen der Klageweg vor dem Arbeitsgericht offen. Auf diese Weise können sie ihren Rechtsanspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses für Azubis § 5 BBiG durchzusetzen.

    Zusammenfassung und Fazit

    Auszubildende haben einen Rechtsanspruch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses. Dieser wird detailliert im Berufsbildungsgesetz beschrieben. Sie können, ähnlich wie Angestellte, zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Ausbildungszeugnis wählen. Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält neben den Pflichtangaben weiterführende Informationen über das Sozialverhalten, die Arbeitsweise und die Arbeitsleistung des Azubis. Die persönlichen, wohlwollenden und beurteilenden Formulierungen machen das Arbeitszeugnis wertvoll.

    Sie garantieren, dass potenzielle Arbeitgeber den Auszubildenden im Rahmen einer schriftlichen Bewerbung bereits anhand der eingereichten Bewerbungsunterlagen positiv beurteilen können. Betriebe handeln mitarbeiterzentriert, wenn sie ein Ersuchen nach einem Arbeitszeugnis für Azubis umgehend bearbeiten. Auf diese Weise zeigen sie Wertschätzung für die Leistung ihrer Auszubildenden und stellen sich als offenes und professionelles Unternehmen dar.

    Autor: Redaktion Personalwissen

    Siegel

    Sie haben Fragen? Rufen Sie uns an.
    0228 / 95 50 160