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Was Führungskräfte für ein angenehmes Arbeitsklima tun können

© 2006 Fotos von Fotostudio Pfluegl/Fotolia
Positives Arbeitsklima schaffen

Hoher Krankenstand, bedenkliche Fluktuationsrate, es mangelt an Arbeitsmoral und Teamgeist? Ursache könnte ein schlechtes Arbeitsklima sein. Was tun? Der Zustand ist weder fürs Unternehmen noch für die Mitarbeiter gut. Grundsätzlich wird die Atmosphäre am Arbeitsplatz von jedem Einzelnen beeinflusst und ist vor allem von zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. Trotzdem gehört die Sorge für ein gutes Arbeitsklima zu den Führungsaufgaben.

Sie kennen sicher das derbe Sprichwort von dem Fisch, der zuerst am Kopf stinkt?

Als Führungskraft können Sie Rahmenbedingungen verändern, Weichen stellen, moderieren etc. Bevor Sie wirksame Maßnahmen einleiten können, analysieren Sie die Situation. Finden Sie den oder die Gründe für das schlechte Arbeitsklima heraus und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Empfinden eigentlich alle oder nur einzelne Mitarbeiter das Arbeitsklima als schlecht?
  • Wie verhärtet ist die Situation?
  • Liegt es an den äußeren Umständen oder passen die verschiedenen Charaktere nicht zusammen?
  • Wie weit trägt Ihr Führungsstil zu der Missstimmung bei?

Warum das Arbeitsklima schlecht ist? – So finden Sie es heraus

Vertrauensvolle unter Vier-Augen-Gespräche sind meist genauso hilfreich wie eine kultivierte Diskussionsrunde im Team. Als cleverer Vorgesetzter hören Sie aktiv zu – in beiden Fällen. Schließlich wollen Sie keine Zwischentöne überhören, Beweggründe verstehen und Missverständnisse vermeiden. Allerdings werden Ihre Untergebenen nur offen und ehrlich reden, wenn sie keine Repressalien oder Nachteile befürchten müssen.

Achtung: Signalisieren Sie den Mitarbeitern, dass Sie verstanden haben, und die Meinungen akzeptieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Gesagte richtig, falsch, zweifelhaft, begründet oder unbegründet ist.

 

Weitere Möglichkeiten, um die Gründe des schlechten Arbeitsklimas zu erforschen, sind schriftliche Umfragen, Feedback-Fragebögen und ein Kummer-Briefkasten. Dort hinein kann jeder anonyme Zettel werfen, auf denen er Probleme benennt, Zweifel, Sorgen und Nöte schreibt oder Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre macht.

Übrigens: Einen solchen Briefkasten können Sie bereits einrichten, bevor das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist. So können Sie aufkommende Widrigkeiten, Missstimmungen und Probleme beizeiten entdecken.

 

Dann haben Sie noch Ihre Beobachtungsgabe. Beispielsweise in der Kantine, in der Teeküche, aber auch vor Meetings lässt es sich gut beobachten, wie die Individuen miteinander umgehen: Versteht sich das Team oder werden zwischenmenschliche Spannungen sichtbar? Gibt es Grüppchenbildungen oder sogar Anzeichen für Mobbing?

Wie sagte doch Albert Einstein? „Das Problem zu kennen ist wichtiger, als die Lösung zu finden, denn die genaue Darstellung des Problems führt automatisch zur richtigen Lösung.“

Häufig genannte Begründungen für schlechtes Arbeitsklima

  • Mangelnde Transparenz; Mitarbeiter fühlen sich schlecht informiert und übergangen.
  • Schlechtes Verhältnis zu Kollegen oder Vorgesetzten
  • Keine oder kaum Anerkennung – zeugt von geringer Wertschätzung
  • Vorschläge, Meinungen und Ideen werden von „oben“ ignoriert
  • Unflexible Arbeitszeiten
  • Viele Überstunden ohne Freizeitausgleich
  • Räumliche Gegebenheiten – Büroaufteilung und -einrichtung
  • Mangelnde Kollegialität
Wussten Sie schon: „Die Möglichkeit, die Arbeitszeiten selber mitzubestimmen, ist für Arbeitnehmende ein hohes Gut.“ – Erkenntnis des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

 

Oft kommen mehrere Dinge zusammen, die die Atmosphäre im Arbeitsumfeld vergiften. Das können Sie nicht alles sofort ändern. Vieles braucht etwas Zeit, anderes geht schneller. Manche Umstände können Sie selbst beeinflussen, wo Ihre Kompetenzen nicht ausreichen, müssen Sie Ihre Vorgesetzten ins Boot holen.

Persönliche Gespräche sind ein erster Schritt auf dem Weg zur Verbesserung des Arbeitsklimas, weil die Mitarbeiter sich ernstgenommen fühlen. Damit nichts in Vergessenheit gerät und doch alles beim Alten bleibt, brauchen Sie einen Plan.

Tipp: Legen Sie eine Checkliste „Arbeitsklima verbessern“ an und arbeiten Sie sie konsequent ab. Was draufsteht, hängt von den ermittelten Ursachen ab.

Probleme und Lösungsvorschläge als Beispiel

Mangelnde Transparenz:

  • Informieren Sie künftig über Vorgänge, Entscheidungen und Schwierigkeiten im Betrieb. Ansonsten kocht die Gerüchteküche, Missverständnisse, Halbwahrheiten und Unsicherheiten.
  • Dafür können Sie beispielsweise Meetings, Rundmails oder auch das Schwarze Brett nutzen.

Ungünstige Arbeitszeiten, zu viel Überstunden:

  • Behalten Sie die Work-Life-Balance Ihrer Arbeitnehmer im Blick. Keine Frage, manchmal müssen Überstunden sein. Doch was zu viel ist, ist zu viel. Dafür gibt es keine allgemeingültige Lösung, denn jede Firma ist anders.
  • Optionen:
  • Prüfen Sie, ob flexiblere Arbeitszeiten machbar sind.
    • Mitunter reichen 15 Minuten eher anfangen und eher gehen, damit der Mitarbeiter pünktlich zum Bus kommt und nicht eine Stunde auf den nächsten Bus warten muss.
    • Falls es die Arbeitsabläufe im Betrieb zulassen, können Sie ja gleitende Arbeitszeit mit Anwesenheitspflicht zu bestimmten Uhrzeiten einführen. Einen Versuch ist es wert.

Unkollegiales Verhalten

  • Die Kollegen in einem Büro oder im Team kommen nicht miteinander aus. Es mangelt an Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme, Kleinigkeiten führen zum Streit, die frostige Atmosphäre ist spürbar. Hier muss jeder Einzelne mitwirken und für bessere Umgangsformen sorgen. Sie können sich fragen:
    • Behandeln Sie die Mitarbeiter gleich? Schon der Eindruck, dass jemand bevorzugt wird, kann zu Konkurrenzdenken und Neid führen.
    • Stimmen Leistungsfähigkeit und Qualifikation mit der Arbeitsaufgabe überein? Ständige Unter- oder Überforderung erzeugen Frust und Resignation.
    • Bedenken Sie auch: Es ist toll, wenn Sie Alleinerziehende oder Frauen mit kleinen Kindern unterstützen. Wer jedoch immer auf Kollegen mit familiären Problemen Rücksicht nehmen muss, kann sich auf Dauer benachteiligt fühlen.
    • Gemeinsame Erlebnisse, sprich Teambuilding-Maßnahmen können den Teamgeist fördern und die Kollegen einander näherbringen. Wählen Sie aber etwas aus, was zum Team passt.

Ungünstige Bedingungen am Arbeitsplatz, im Büro

  • Lassen Sie den Kollegen etwas Freiraum, um das Büro beziehungsweise den Arbeitsplatz zu gestalten. Zum Beispiel Möbel umräumen und Grünpflanzen mitbringen.
  • Schaffen Sie ergonomisches Mobiliar an.
  • Geben Sie die lange überfällige Renovierung endlich in Auftrag.
  • Wie wär es mit einer guten Kaffeemaschine?

Angenehmes Arbeitsklima schaffen ist eine Führungsaufgabe

Es gibt noch Chefs, die meinen: „Die Leute sollen sich nicht wohlfühlen, sondern arbeiten.“ Verschiedene Studien der AOK und anderer Krankenkassen belegen den Zusammenhang zwischen schlechtem Arbeitsklima und häufigem Kranksein. Laut Statistik fällt bei schlechter Stimmung im Unternehmen jeder Dritte längere Zeit wegen Krankheit aus. Dagegen fehlt bei einem guten Arbeitsklima nur jeder Sechste länger als zwei Wochen krankheitsbedingt.

Die Definition für Arbeitsklima lässt sich wie folgt zusammenfassen: Arbeitsklima ist die subjektiv empfundene Stimmung und Atmosphäre, die durch das gemeinschaftliche Verhalten bei der Arbeit entsteht. Demzufolge sind alle Mitarbeiter für ein positives Arbeitsklima verantwortlich, wobei Führungskräfte besondere Einflussmöglichkeiten haben, um das Arbeitsklima zu verbessern. Dies hat auch etwas mit der Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer zu tun.

Autor: Redaktion Personalwissen

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