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Motivieren statt mahnen: Abmahnung beim Azubi vermeiden – FAQs Azubis

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Abmahnung

Die Ausbildung stellt den ersten Schritt in Richtung Berufstätigkeit dar. Auszubildende erwerben wertvolle Kernkompetenzen ihres Faches und lernen, sich in ein Team zu integrieren. Doch die zu bewältigenden Aufgaben erledigen nicht alle Heranwachsenden mit derselben Begeisterung. Wie Sie auffällige Azubis motivieren und eine Abmahnung vermeiden, lesen Sie im Folgenden.

Mangelnde Motivation: Anzeichen und Ursachen

Anzeichen dafür, dass ein Auszubildender sein volles Potenzial nicht ausschöpft, gibt es viele. Für jeden individuellen Fall gilt es zu ergründen, warum die erbrachte Leistung nicht den Erwartungen entspricht. Das Feststellen eines Motivationsdefizits sollte nicht sofort mit einer Abmahnung einhergehenden. Vielmehr sollte eine Führungskraft den Ursachen des Fehlverhaltens nachgehen.

Lustlosigkeit identifizieren

Um festzustellen, ob ein Lehrling mangelnde Motivation aufweist, kann sich eine Führungskraft die folgenden Fragen stellen:

  • Bekundet der Azubi bei Aufgabenzuweisungen seine Unlust?
  • Ist er nachlässig oder unzuverlässig?
  • Kommt er häufig zu spät oder fehlt er unentschuldigt?
  • Ist er Mitarbeitern gegenüber frech?
  • Weigert er sich, sein Berichtsheft zu führen?
  • Ist er in der Berufsschule auffällig?

Diese Fragen helfen, die aktuelle Situation zu analysieren. Selbstverständlich lässt sich ein einmaliges Zuspätkommen nicht als Hinweis auf eine dauerhaft fehlende Motivation interpretieren. Manifestiert sich das Verhalten allerdings über die Zeit, besteht Handlungsbedarf.

Der Azubi verhält sich auffällig: Gründe feststellen

Warum ein Lehrling die von ihm erwarteten Leistungen nicht erbringt, kann vielfältige Gründe haben. Vorgesetzte sollten das direkte Gespräch suchen, um die Ursachen aufzudecken. Grundsätzlich gibt es einige Schemata, die sich häufig hinter mangelnder Motivation verbergen. Beispielsweise kann eine Über- oder Unterforderung eine auffällige Lustlosigkeit auslösen. Doch oft haben auch aufgabenunabhängige Faktoren einen Einfluss auf die Arbeitsleistung.

Schwierigkeit nicht ausbalanciert

Zum einen kann eine Unterforderung durch Routinearbeiten dazu führen, dass ein Auszubildender sein volles Potenzial nicht ausschöpft. Zu einfache Aufgaben führen zu Langeweile und einem Absinken der Aufmerksamkeit. Es ist wichtig, dass der Berufsanfänger elementare Bestandteile eines Berufs durch häufige Wiederholungen erlernt. Allerdings gilt es dennoch, eine zu starre Monotonie zu vermeiden.

Konträr zu dem eben genannten Punkt kann auch eine Überforderung die Ursache für Fehlverhalten darstellen. Fühlt man sich einer Aufgabe nicht gewachsen, führt dies zu Unsicherheiten. Diese resultieren wiederum darin, dass der Berufsanfänger sich eher darauf konzentriert, Misserfolg zu meiden, anstatt Erfolg anzustreben. Kurzum: Der Betroffene erhält dadurch ein negatives Mindset. Mit dieser Frustration geht oft auch eine mangelnde Motivation einher.

Aufgabenunabhängige Ursachen

Treffen die beiden zuerst genannten Aspekte nicht zu, gilt es, Mobbing am Arbeitsplatz auszuschließen. Fühlt sich der Lehrling häufig von Mitarbeitern angegriffen, kann dies einen drastischen Abfall der Produktivität nach sich ziehen. Deshalb sollte ein Arbeitgeber das Betriebsklima im eigenen Unternehmen kritisch betrachten. Ein persönlicher Dialog mit den Mitarbeitern kann helfen, Missstände aufzudecken.

Weiterhin gilt es zu klären, ob der Schulabgänger womöglich eine falsche Berufswahl getroffen hat. Hatte er vorab andere Erwartungen an den Aufgabenbereich? Haben sich seine Interessen grundlegend geändert? Dies kann zu einer Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation führen. Liegt keine Begeisterung für die auszuführende Tätigkeit vor, so wird es auch an Motivation mangeln.

Schlussendlich sollten auch private Hintergründe in Betracht gezogen werden. Arbeitnehmer lassen sich nie unabhängig von ihrem Privatleben betrachten. Liegen beispielsweise familiäre Unstimmigkeiten vor, so ist auch mit einer Auffälligkeit im beruflichen Kontext zu rechnen. Arbeitgeber sollten für solche Situationen Verständnis aufbringen. Hält die Verhaltensauffälligkeit allerdings über einen längeren Zeitraum hinweg an, besteht Handlungsbedarf.

Azubis motivieren: Die 5 wichtigsten FAQ im Überblick

Erbringt ein Azubi die von ihm erwünschte Leistung dauerhaft nicht, sollte der Vorgesetzte keinesfalls sofort mit einer Kündigung drohen. Auch eine Abmahnung sollte erst erfolgen, wenn vorangegangene Motivations- und Kommunikationsversuche ihr Ziel verfehlt haben. Oberste Priorität sollte es zunächst sein, die Begeisterung des Auszubildenden für die Arbeit wiederherzustellen. Häufig sehen sich Arbeitgeber und Ausbilder in diesem Zusammenhang mit wiederkehrenden Fragen konfrontiert. Die 5 wichtigsten FAQ rund um die Azubi-Motivation lesen Sie hier.

1. Motivationsdefizit frühzeitig entgegenwirken – wie geht das?

Regelmäßig stattfindende Beurteilungsgespräche mit Auszubildenden können dabei helfen, Fehlleistungen frühzeitig zu thematisieren. Der Auszubildende bekommt im Dialog mit der Führungsebene die Möglichkeit, die Gründe seines Defizits zu erläutern.

Vor allem eine Über- oder Unterforderung lässt sich mithilfe der Feedbackgespräche aufdecken. Sind regelmäßige Beurteilungen ein fester Bestandteil des Unternehmensalltags, lassen sich fehlerhafte Anforderungen frühzeitig identifizieren. Dem Entstehen einer Demotivation wird so vorgebeugt.

2. Wie kann ich Erfolgserlebnisse für den Lehrling generieren?

Nur Weniges motiviert im selben Maß wie ein Erfolgserlebnis. Hierdurch fühlt sich der Azubi bestätigt. Seine Selbstwirksamkeitserwartung und seine Motivation steigen. Erfolgserlebnisse entstehen am ehesten, wenn die Aufgaben auf das Fähigkeitslevel und die Interessen des Azubis abgestimmt sind.

Selbstverständlich ist dies in vielen Betrieben nur bis zu einem gewissen Maß möglich. Hat die Führungskraft allerdings einen gewissen Spielraum, empfiehlt es sich, die Aufgaben den einzelnen Mitarbeitern je nach Erfolgswahrscheinlichkeit zuzuweisen.

3. Mehr Eigenverantwortung = mehr Motivation?

Das Übernehmen von Eigenverantwortung kann Heranwachsenden in vielen Fällen helfen, neuen Antrieb für die Ausbildung zu finden. Das Zugestehen von Verantwortung ist ein Vertrauensbeweis und stellt eine Wertschätzung des Lehrlings dar. War dieser zuvor von der Monotonie des Arbeitstages gelangweilt, erhält er auf diese Art und Weise etwas Gestaltungsfreiraum.

Möglich wäre es beispielsweise, während stressreicher Phasen die Arbeit aus dem Homeoffice anzubieten. In Berufsfeldern, in welchen dies möglich ist, erhält der Auszubildende so mehr Freiraum, sich auf anfallende Prüfungen vorzubereiten. Aus Stress resultierende Unzufriedenheit hat auf diese Art und Weise nur noch einen geringeren Effekt auf die Leistung am Arbeitsplatz.

4. Können andere Teammitglieder bei der Motivationssteigerung helfen?

Nicht nur eine Führungskraft ist dafür zuständig, die Arbeitsmoral der Mitarbeiter zu steigern. Auch andere Beschäftigte können dazu beitragen, die Produktivität und das Arbeitsklima zu verbessern. Funktioniert die Belegschaft als Team, das sich gegenseitig unterstützt, profitieren alle Beteiligten.

Teambildende Maßnahmen können dabei helfen, das „Wir-Gefühl“ auszubauen. Dazu können beispielsweise Seminare, Coachings oder gemeinsame Ausflüge beitragen. Fühlt sich ein Auszubildender als Teil einer Gemeinschaft, wird er seine Leistungen zum Wohle der anderen anpassen wollen.

Haben die Kollegen untereinander ein gutes Verhältnis, werden sie es vermeiden, den jeweils anderen unverhältnismäßig viele Aufgaben zukommen zu lassen. Dieses Vorgehen motiviert nicht nur den Azubi, sein Bestes zu geben, sondern auch die ganze Belegschaft.

5. Erfüllen der Pflichten hat oberste Priorität – wie kann ich einen Azubi überzeugen?

Bei all den Zugeständnissen sollte eine Führungskraft nicht aus den Augen verlieren, dass ein Lehrling einen Ausbildungsvertrag unterschrieben hat. Er ist somit vertraglich an die Erfüllung seiner Pflichten gebunden. Weigert er sich allerdings, diese zu erfüllen, muss der Chef handeln.

Bevor jedoch eine Abmahnung erfolgt, sollt man versuchen, den Azubi durch das Aufzeigen von Aufstiegsmöglichkeiten zu motivieren. In diesem Zusammenhang lässt sich deutlich machen, dass ein beruflicher Erfolg nur dann abzusehen ist, wenn alle Pflichten erfüllt sind.

Oft resultiert eine geringe Motivation aus fehlenden Zukunftsperspektiven. Macht man den Lehrling auf die persönliche Lernerfahrung und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung aufmerksam, kann eine Produktivitätssteigerung die Folge sein.

Erfolgreiche Kommunikation: Wertschätzender und angstfreier Umgang

Neben den oben aufgeführten Aspekten ist die richtige Kommunikation mit Azubis der Schlüssel zum Erfolg – und zu Berufseinsteigern voller Tatendrang. Ein objektives Erfolgserlebnis erzielt nicht dieselbe Wirkung, wenn es nicht auch von Vorgesetzten und Mitarbeitern anerkannt wird. Generell ist daher ein wertschätzender Umgangston in einem Unternehmen unverzichtbar.

Führungskräfte sollten Kritik und Lob klar formulieren. So entsteht keine Frustration aufgrund von Unsicherheiten. Mit negativen Anmerkungen sollte auch immer ein Verbesserungsvorschlag einhergehen.

Wichtig für eine erfolgreiche Kommunikation ist auch, dem Gegenüber genug Raum zu geben. Auszubildende sollten jederzeit die Möglichkeit haben, Bedenken offen zu äußern. Nur durch eine angstfreie Kommunikation ist sichergestellt, dass alle Aspekte, die sich negativ auf die Motivation auswirken könnten, offen zur Sprache kommen.

Dauerhaft ausbleibende Motivation: Mögliche Konsequenzen

Allen Bemühungen des Arbeitgebers zum Trotze, kann es weiterhin zu Fehlverhalten seitens des Lehrlings kommen. Bleiben alle Motivationsversuche ungeachtet und zeigt der Azubi vermehrt Respektlosigkeiten, kann und darf dies nicht ohne Folgen bleiben.

Die Abmahnung: Vorstufe der Kündigung

Eine Abmahnung kann sich auf verschiedene Verstöße beziehen:

Lediglich schlechte Noten lassen sich hiermit nicht beanstanden. Die Abmahnung stellt ein milderes Mittel im Vergleich zur Kündigung dar. Sie dient dazu, auf Fehler hinzuweisen und vor weiteren Konsequenzen zu warnen. Deshalb ist es auch essenziell, einen genauen Sachverhalt abzumahnen und eine konkrete Beschreibung des Vorfalls beizulegen. Aus Gründen der Nachprüfbarkeit sollte eine Abmahnung in schriftlicher Form erfolgen.

Einbeziehen der Eltern

Ist ein Berufsanfänger jünger als 18 Jahre, sind auch die Eltern über die Entwicklungen am Ausbildungsplatz zu informieren. Die Erziehungsberechtigten haben den Ausbildungsvertrag mitunterschrieben. Somit haben sie auch das Recht, Informationen über die Ausbildungssituation zu erhalten.

Durch das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten lässt sich auch feststellen, ob familiäre Herausforderungen vorliegen, welche die Auffälligkeit des Auszubildenden rechtfertigen. Vorgesetzte und Eltern sollten gemeinsam versuchen, den Ursachen der mangelnden Motivation auf den Grund zu gehen.

Die Eltern stellen eine weitere Instanz dar, die den Jugendlichen klar machen kann, welche weitreichenden Folgen das eigene Handeln möglicherweise haben kann. In der Familie lassen sich Zukunftsaussichten ehrlich diskutieren. Heranwachsende, die zu den Vorgesetzten eventuell ein angespanntes Verhältnis haben, lassen sich möglicherweise von den Eltern auf die richtige Bahn lenken.

Der letzte Ausweg: Die Kündigung

Schlagen alle vorangegangenen Versuche fehl, steht als letzter Schritt die Kündigung an. Diese darf nur erfolgen, wenn der Azubi zuvor zwei einschlägige Abmahnungen erhalten hat. Einschlägig bedeutet in diesem Fall, dass sie dasselbe Verhalten betreffen. Eine Abmahnung bezüglich der Unpünktlichkeit und eine aufgrund einer Arbeitsverweigerung, stellen keine genügende Grundlage für eine Kündigung dar.

Zu beachten ist auch, dass Abmahnungen verjähren können. Eine genaue Frist ist gesetzlich nicht festgelegt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass Abmahnungen, welche älter als ein Jahr sind, keine Gültigkeit mehr besitzen. Nur wenn innerhalb einer kürzeren Zeitspanne zwei Verstöße bezüglich desselben Verhaltens abgemahnt werden, ist eine Kündigung gerechtfertigt.

Dennoch sollte es im Interesse der Führungskraft sein, eine Kündigung nur als letzten Ausweg in Betracht zu ziehen. Oft zeigen die oben genannten Maßnahmen Wirkung. Vorgesetzte, welche die Ursachen für Demotivation kennen, können diese in ihrem Unternehmen beseitigen. Auf diese Art und Weise können Auszubildende ihr volles Potenzial entfalten und zu produktiven Arbeitnehmern heranwachsen.

Disclaimer: Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag keinen Rechtsrat ersetzt.

Autor: Redaktion Personalwissen

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